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Der große Transformations-Guide

BPM 2026: Hyperautomation, Process Mining & Agentic AI

Es wirkt vielleicht so, als sei es um Business Process Management (BPM) still geworden, doch der Schein trügt.

BPM 2026: Hyperautomation, Process Mining & Agentic AI

Tatsächlich hat das Thema BPM 2026 nur sein „Marketing-Kleid“ gewechselt. Während man früher stolz über BPM-Suiten und starre Workflow-Diagramme sprach, ist das Thema heute im Maschinenraum der Hyperautomation und KI-Transformation aufgegangen.

1. Das Rebranding: Von der Disziplin zum Enabler

BPM wird heute selten als isoliertes Projekt verkauft. Stattdessen ist es das unsichtbare Rückgrat moderner IT-Trends geworden und genau das erklärt, warum der Begriff selbst aus dem Rampenlicht getreten ist.

Unter dem Schlagwort „Hyperautomation“ haben Gartner und andere Marktanalysten BPM in ein größeres Konzept integriert, bei dem BPM-Tools mit Robotic Process Automation (RPA), Process Mining und Künstlicher Intelligenz kombiniert werden. Gleichzeitig werden moderne Low-Code- und No-Code-Plattformen wie ServiceNow oder Microsoft Power Automate als „App-Builder“ vermarktet, obwohl sie im Kern klassische BPM-Systeme sind. Dieser begriffliche Wandel dämpft die Sichtbarkeit von BPM, nicht aber seine Relevanz.

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2. Der Markt im Wandel: Fusionen und Plattform-Kriege

Der BPM-Markt hat sich in den vergangenen Jahren massiv konsolidiert. Die Ära der kleinen, spezialisierten Nischenanbieter ist weitgehend vorbei. Große Technologiekonzerne kaufen gezielt Know-how ein, um durchgängige End-to-End-Plattformen anbieten zu können.

Einer der bedeutendsten Deals war die Übernahme von Signavio durch SAP, mit der Prozessmanagement direkt in die ERP-Welt integriert wurde. Das Münchner Decacorn Celonis hat den Fokus von der reinen Modellierung („Wie sollte der Prozess sein?“) hin zur datengestützten Analyse („Wie ist er wirklich?“) verschoben und BPM über den Umweg des Process Mining neu definiert. ServiceNow wiederum hat sich zur „Plattform der Plattformen“ entwickelt und bildet unternehmensweite BPM-Workflows ab, ohne das Wort „BPM“ prominent zu verwenden.

Marktübersicht: Die Mining- und Analyse-Spezialisten

AnbieterKernfokusStärken
CelonisProcess Mining & Execution ManagementMarktführer im Mining; Process Intelligence Graph verknüpft Daten systemübergreifend; erstellt digitale Zwillinge der Organisation.
SAP SignavioProzessmanagement & AnalyseNahtlose Integration ins SAP-Ökosystem; ideal für ERP-Transformationen (S/4HANA); starke Kollaborationsfunktionen.
MEHRWERKProzessanalyse auf BI-BasisNutzt bestehende BI-Infrastrukturen (z. B. Qlik), um Prozessdaten extrem performant zu visualisieren.
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3. KI-Agenten & Digitale Zwillinge: Die BPM-Innovationen 2026 im Überblick

BPM-Marktlandschaft 2026 – drei strategische Cluster im Überblick.
Bild 1: BPM-Marktlandschaft 2026. Drei strategische Cluster im Überblick

Das Jahr 2026 markiert einen Wendepunkt: BPM wird durch Agentic AI fundamental verändert. Drei Entwicklungen prägen diesen Wandel besonders.

Früher waren Prozessmodelle oft „Leichen“ in einem Handbuch. Heute entstehen Digital Twins of an Organization (DTO): digitale Abbilder, die in Echtzeit auf Datenstromänderungen reagieren, Engpässe sofort anzeigen und Compliance-Abweichungen automatisch melden. KI-Assistenten erstellen inzwischen Prozessmodelle in Sekunden, aus natürlicher Sprache oder direkt aus Log-Files. Die mühsame manuelle Modellierung in mehrtägigen Workshops wird dadurch zunehmend durch automatisierte Erkennung ersetzt. Am weitreichendsten ist jedoch der Schritt zu selbstoptimierenden Prozessen: Moderne Systeme schlagen nicht nur Verbesserungen vor, sondern können einfache Prozessänderungen, etwa neue Genehmigungsschwellen, autonom simulieren und nach menschlicher Freigabe direkt implementieren.

4. Warum BPM „still“ wirkt und warum das gut ist

Das Thema ist leiser geworden, weil es erwachsen geworden ist. In der IT-Welt gilt das Gesetz des Hype-Zyklus: Wenn eine Technologie wirklich funktioniert und allgegenwärtig eingebaut ist, hört man auf, ständig darüber zu debattieren. BPM ist heute keine „Nice-to-have“-Initiative mehr, sondern eine Grundvoraussetzung für die Digitalisierung. Ohne saubere Prozesse nützt auch die beste Künstliche Intelligenz nichts. Sie würde lediglich das Chaos beschleunigen. BPM ist damit der Rahmen, innerhalb dessen KI sinnvoll und sicher arbeiten kann.

BPM ist nicht verschwunden, sondern allgegenwärtig. Es hat sich von einer spezialisierten Experten-Nische zu einem integralen Bestandteil der Unternehmenssteuerung entwickelt. Wer heute über „Digital Transformation“ spricht, meint im Kern meistens modernes, datengetriebenes Business Process Management.

Tiefenanalyse der Top-Plattformen: Stärken und Schwächen

Celonis, der Daten-Dominator

Laut Gartner ist Celonis der unangefochtene Marktführer im Bereich Process Mining. Die Plattform besticht durch ihre Fähigkeit, digitale Zwillinge der Organisation zu erstellen und mit dem neuen Process Intelligence Graph Ineffizienzen systemweit sichtbar zu machen, die früher verborgen blieben. Als Schwäche gilt jedoch die hohe Implementierungskomplexität: Die Plattform erfordert qualifizierte Datenexperten und ist für einfache Prozesse oft „overengineered“.

SAP Signavio, der Transformations-Spezialist

Signavio punktet durch die nahtlose Integration in die SAP-Welt. Forrester hebt besonders die Stärken bei Prozessmodellierung und Kollaboration hervor. Es ist das ideale Werkzeug für Unternehmen, die vor großen ERP-Migrationen (S/4HANA) stehen, da es den Soll-Ist-Vergleich optimal unterstützt. In reinen Non-SAP-Umgebungen verliert Signavio jedoch einen Teil seines Mehrwerts. Die Mining-Fähigkeiten galten lange als weniger tiefgreifend als bei Celonis, haben aber zuletzt deutlich aufgeholt.

ServiceNow, der Workflow-König

ServiceNow ist heute die zentrale Drehscheibe für IT- und Business-Workflows. Während andere Plattformen primär analysieren, lässt ServiceNow Mitarbeiter direkt in der Plattform arbeiten, mit exzellenter User Experience und starken Low-Code-Fähigkeiten. Als Kehrseite gilt das Lizenzmodell als eines der teuersten am Markt, und die Gefahr eines Vendor Lock-ins ist real, da Unternehmen dazu neigen, immer mehr Prozesse in diese eine Plattform zu ziehen.

UiPath, der Automatisierungs-Allrounder

UiPath hat den Sprung vom reinen RPA-Anbieter zur KI-gestützten Automatisierungsplattform vollzogen. Gartner stuft UiPath als Leader ein, besonders wegen der Fähigkeit, unstrukturierte Daten wie E-Mails und Dokumente mittels KI in Prozesse einzubinden. Die Verwaltung großer Bot-Flotten kann jedoch wartungsintensiv werden, und die UI-Automation bei Legacy-Systemen ist zwar eine Stärke, aber anfälliger als API-basierte Ansätze.

SWOT-Analyse: Business Process Management 2026

SWOT-Analyse BPM 2026 – Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken im Überblick.
Bild 2: SWOT-Analyse BPM 2026 . Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken im Überblick.

Aktuelle Trends 2026: Agentic AI und Hyperautomation

In der IT-Landschaft des Jahres 2026 ist BPM nicht mehr das isolierte Modulthema von früher, sondern der „Dirigent“ in einem Orchester aus Künstlicher Intelligenz und Automatisierung. Analysten wie Gartner und Forrester bestätigen diesen Wandel und ordnen moderne BPM-Ansätze den Kategorien Digital Process Automation (DPA) und Business Process Automation (BPA) zu.

Vom „Flow-first“ zum „Reasoning-first“

Früher war ein Prozess ein starrer Pfad (A → B → C). Heute setzen Marktführer wie Pega und UiPath auf KI-Agenten, die innerhalb des Prozesses autonom denken. Wenn ein Kunde eine Beschwerde einreicht, entscheidet die KI-Agenten-Logik über Priorität und nächsten Schritt, anstatt einem festen Schema zu folgen.

Workflow Archaeology

Forrester prägte diesen Begriff für ein verbreitetes Unternehmensproblem: Hunderte veralteter Automatisierungen existieren parallel, kaum dokumentiert. Moderne Tools bieten Funktionen, um diese sogenannten „Geister-Prozesse“ automatisch zu identifizieren, zu bewerten und zu modernisieren.

Governance für KI-Agenten

Da KI-Agenten nun selbstständig Aufgaben erledigen, etwa im Einkauf oder Rechnungswesen, rückt das Thema Process Guardrails ins Zentrum. BPM-Systeme dienen hier als Sicherheitsnetz, das klar definiert, was eine KI darf und was nicht. Dies ist ein entscheidender Differenzierungsfaktor moderner BPM-Plattformen gegenüber einfachen Automatisierungstools.

Micro-Automations im Kommen

Micro-Automations sind kleine, fokussierte Software-Skripte oder automatisierte Workflows, die spezifische, sich wiederholende Routineaufgaben ohne menschliches Eingreifen erledigen. Im Gegensatz zu großen, unternehmensweiten IT-Transformationen sind sie agil, kostengünstig und lassen sich oft innerhalb von Tagen implementieren, genau dort, wo im täglichen Workflow Reibung entsteht.

Ihr entscheidender Vorteil liegt in der Einfachheit: Eine Micro-Automation konzentriert sich auf genau eine Aufgabe, etwa die Übertragung von Daten von System A nach System B. Die Umsetzung dauert Stunden statt Monate, und dank moderner Low-Code/No-Code-Tools wie Zapier, Make (ehemals Integromat) oder n8n sind tiefe Programmierkenntnisse oft gar nicht erforderlich. Damit unterscheiden sie sich klar von klassischer Robotic Process Automation (RPA), die deutlich höhere Komplexität und längere Einführungszeiten mit sich bringt.

In der Praxis zeigt sich die Bandbreite möglicher Anwendungen: Ein eingehender Support-Anhang wird automatisch im Cloud-Speicher abgelegt und ein Jira-Ticket erstellt, ein neuer Web-Kontakt landet sofort im CRM und löst eine personalisierte Willkommens-E-Mail aus, ein Slack-Alert schlägt an, sobald ein Server-Monitor eine Leistungsabweichung meldet, oder Kundendaten werden systemübergreifend aktualisiert, wenn sich eine Quelle ändert. Das Ergebnis: weniger manuelle Routinearbeit, geringere kognitive Belastung, schnellere Prozessdurchläufe und – durch die Eliminierung manueller Dateneingaben – deutlich weniger Fehler.

Entscheidungshilfe: Welches Tool für welches Vorhaben?

Die Wahl der richtigen Plattformkategorie hängt stark von der strategischen Zielsetzung ab. Die folgende Matrix bietet eine praxisorientierte Orientierung:

Ihr VorhabenKategorieEmpfohlene Tools
Wir wollen wissen, warum unsere Lieferkette hakt (Transparenz).Process Intelligence / MiningCelonis, SAP Signavio, IBM
Wir müssen hunderte Microservices und menschliche Aufgaben verbinden (Orchestrierung).Digital Process Automation (DPA)Camunda, Appian, Pega
Wir wollen manuelle Excel-Schritte automatisieren (Entlastung).Agentic Automation / RPAUiPath, Microsoft Power Automate
Wir brauchen ein zentrales Portal für alle Business-Anfragen.Service OrchestrationServiceNow, Salesforce Flow


Die meisten Anbieter stellen kostenlose Testversionen oder interaktive Demo-Dashboards bereit. Da BPM heute sehr visuell ist, hilft ein Blick in die Benutzeroberfläche oft mehr als jedes Datenblatt.

Von BPM zu „Process Intelligence“ und „Agentic Automation“ – die Analystensicht

Zum Abschluss lohnt ein Blick auf die führenden Analyseberichte, die den Wandel von klassischem BPM hin zu Process Intelligence und Agentic Automation dokumentieren.

Gartner: Die Ära von Process Mining und RPA-Transformation

Forrester: Orchestrierung und Digital Process Automation

Mehr Infos finden Sie auf www.it-daily.net oder auch im Webinaren wie etwa diesem: Agentic AI: Prozessautomatisierung als strategischer Vorteil


Q&A: BPM in der Ära der Künstlichen Intelligenz

Ist BPM als Disziplin tot, weil man kaum noch davon hört?

Keineswegs. BPM ist „erwachsen“ geworden. Es hat sich von einer isolierten Management-Methodik zu einem unsichtbaren, aber essenziellen Betriebssystem für die digitale Transformation entwickelt. Heute spricht man eher von Process Excellence oder Hyperautomation. Doch im Kern geht es immer noch um die Steuerung und Optimierung von Geschäftsabläufen.

Was ist der größte technologische Sprung seit 2024?

Der Einzug von Agentic AI. Während klassische Workflows wie starre Schienen funktionierten, agieren moderne Prozesse wie ein GPS-System mit Autopilot. KI-Agenten können innerhalb eines Prozesses autonom Entscheidungen treffen, Dokumente verstehen und Abweichungen selbstständig korrigieren, solange sie sich innerhalb der definierten BPM-Leitplanken bewegen.

Warum investieren Unternehmen wie SAP Milliarden in BPM-Tools?

Weil Daten ohne Kontext wertlos sind. Ein ERP-System wie S/4HANA liefert die Daten, aber erst ein Tool wie Signavio liefert das Verständnis dafür, wie die Arbeit tatsächlich erledigt wird. In Zeiten von Fachkräftemangel und Effizienzdruck ist die Fähigkeit, Prozesse in Echtzeit zu analysieren und zu automatisieren, ein entscheidender Wettbewerbsvorteil.

Wie unterscheiden sich Gartner und Forrester aktuell?

Gartner fokussiert sich stark auf die technologische Integration unter dem Schirm der Hyperautomation, also die Kombination von Mining, RPA und KI. Forrester legt den Schwerpunkt eher auf Digital Process Automation und die Orchestrierung – die Frage, wie Mensch und Maschine in komplexen, kundenorientierten Abläufen am besten zusammenarbeiten.

Lohnt sich BPM auch für kleinere Unternehmen ohne Millionenbudget?

Ja, dank der Demokratisierung durch Low-Code-Plattformen wie Microsoft Power Automate. Früher benötigte man eine Armee von Beratern; heute können Fachabteilungen einfache Workflows selbst automatisieren. Der Trend geht hin zu Micro-Automations, die sofortigen Return on Investment liefern.


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