Unternehmenskommunikation ist längst Teil einer vernetzten, verteilten IT-Infrastruktur. Damit steigen die Anforderungen an Kontrolle, Sicherheit und langfristige Verlässlichkeit.
Kommunikationsinfrastruktur im Wandel

Zugleich müssen Lösungen flexibel genug für unterschiedliche Arbeitsmodelle und intelligente Anwendungen bleiben. Darüber, wie sich diese Entwicklungen auf die professionelle Kommunikation und die Rolle der Endgeräte auswirken, haben wir mit Fabio Albanini, Senior VP Sales & Operations bei Snom Technology, gesprochen.
Hybride und mobile Arbeitsmodelle gehören inzwischen zum Alltag vieler Unternehmen. Allein der Anteil der Beschäftigten, die zumindest teilweise von zu Hause arbeiten, liegt in Deutschland aktuell bei rund 25 Prozent. Was hat sich dadurch bei den Anforderungen an professionelle Kommunikation verändert?
Fabio Albanini: Remote- und Hybridarbeit haben die Anforderungen deutlich verändert. Kommunikationsumgebungen müssen zuverlässig funktionieren – unabhängig davon, von wo aus Mitarbeiter arbeiten. Gleichzeitig wünschen sich viele bei der Rückkehr ins Büro weiterhin ein professionelles Tischtelefon. So entstehen heterogene Umgebungen aus Cloud-Plattformen, Softphones, Headsets und dedizierten Endgeräten. Entscheidend ist demnach mehr denn je, dass Kommunikation dabei konsistent, intuitiv, zuverlässig und auditierbar bleibt.
Diese Vielfalt macht die Kommunikationsinfrastruktur aber auch komplexer. Wo zeigt sich das in der Praxis?
Fabio Albanini: Nehmen wir einen typischen Remote-Arbeitsplatz als Beispiel. Dieser kann unterschiedliche Betriebssysteme, Softphones, Browser, Headsets, Audio-Einstellungen oder Remote-Desktop- Umgebungen umfassen. Das Problem: Jede dieser Komponenten kann zu Konfigurations- oder Support-Problemen führen. Bei geschäftskritischer Kommunikation wirken sich schlechte Audioqualität, instabile Konfigurationen oder eine umständliche Bedienung schnell auf Produktivität und Service-Qualität aus. Deshalb spielen professionelle Endgeräte weiterhin eine wichtige Rolle neben Software- basierter Kommunikation.
Je verteilter und komplexer solche Umgebungen werden, desto wichtiger wird die Kontrolle über die eigene Kommunikationsinfrastruktur. Welche Rolle spielt dabei digitale Souveränität? Und wie stark beeinflusst sie Beschaffungsentscheidungen?
Fabio Albanini: Das Thema gewinnt in Kundengesprächen deutlich an Bedeutung. Vor allem der öffentliche Sektor, das Gesundheitswesen und Betreiber kritischer Infrastrukturen achten heute stärker darauf, wo Produkte entwickelt und Daten verarbeitet werden. Für Snom ist digitale Souveränität eng mit Vertrauen, Transparenz und Kontrolle über die Kommunikationsinfrastruktur verbunden. Unsere Produkte werden in Europa entwickelt und alle Daten in Deutschland verarbeitet sowie gespeichert. In Ausschreibungen und Beschaffungsprozessen sehen wir digitale Souveränität bislang vor allem als zusätzliches Kriterium, nicht als entscheidende Voraussetzung. Sie hat Kaufentscheidungen bisher nicht grundlegend verändert, wird aber neben Funktionalität, Verfügbarkeit und Total Cost of Ownership zunehmend zu einem wichtigen Vertrauensfaktor.
Zur Kontrolle über die eigene Infrastruktur gehört auch die Frage, wie lange Produkte sinnvoll genutzt werden können. Welche Rolle spielt das Recht auf Reparatur dabei für Snom?
Fabio Albanini: Wir unterstützen den Grundgedanken des Rechts auf Reparatur: Produkte sollten so lange im Einsatz bleiben und reparierbar sein, wie es wirtschaftlich und technisch sinnvoll ist. Langlebigkeit und Reparaturmöglichkeit gehören seit vielen Jahren zu unserer Qualitätsphilosophie.
Mit drei Jahren Garantie, einer aktuellen RMA-Quote von lediglich 0,93 Prozent und zwei zusätzlichen Jahren kostenfreier Firmware-Updates selbst für End-of-Life-Produkte ist das für uns kein neues Thema. Gleichzeitig bringt die praktische Umsetzung des Rechts auf Reparatur neue Anforderungen an Prozesse, Dokumentation und Compliance mit sich. Wie sich dies in der Praxis bewähren wird, bleibt abzuwarten.
Gerade in der professionellen Kommunikation reicht eine lange physische Lebensdauer eines Produktes allein jedoch nicht aus. Wo liegen die Grenzen einer möglichst langen Nutzung?
Fabio Albanini: Entscheidend ist, dass die digitale Produktpflege mit der Lebensdauer der Hardware Schritt hält. Ein Telefon verschwindet vielleicht aus dem Katalog, aber noch lange nicht aus dem Büro. Angesichts steigender Anforderungen an die Cyberresilienz müssen Geräte über viele Jahre sicher betrieben sowie mit Firmware- und Sicherheitsupdates versorgt werden können. Langlebigkeit bedeutet deshalb, ein Gerät so lange sicher und sinnvoll zu betreiben, wie es die technische Basis zulässt.
Wie verändert künstliche Intelligenz die Anforderungen an professionelle Kommunikationslösungen und Endgeräte?
Fabio Albanini: Künstliche Intelligenz wird in der Telekommunikation zunehmend relevant. Wir sehen unsere Aufgabe aber nicht darin, auf jedes Endgerät ein „KI“-Label zu kleben. Ein großer Teil der Intelligenz befindet sich in der Telefonanlage, der Cloud-Plattform, im CRModer Contact-Center-System. Unsere Aufgabe besteht darin, die zuverlässige Schnittstelle zwischen dem Nutzer und diesen Diensten bereitzustellen.
Ein Telefon verschwindet vielleicht aus dem Katalog aber noch lange nicht aus dem Büro.
Fabio Albanini, Snom Technology GmbH
Bei Anwendungen wie Transkription oder Gesprächsanalyse ist die Qualität des Audiosignals entscheidend. Gute Mikrofone, Audioverarbeitung, Ger.uschunterdrückung, Sicherheit und Interoperabilität gewinnen daher eher noch an Bedeutung. Gerade deshalb bleiben professionelle Endgeräte relevant: Sie müssen neue Funktionen nicht selbst bereitstellen, sondern den sicheren, hochwertigen Zugang zu den intelligenten Diensten im Hintergrund gewährleisten.
Wo sehen Sie heute das größte Potenzial für solche intelligenten Kommunikationslösungen?
Fabio Albanini: Vor allem dort, wo Kommunikation eng mit Geschäftsprozessen verbunden ist – etwa in Contact-Centern, Gesundheitswesen, Hotellerie, Notfallkommunikation, Gebäudeintegration oder Kundenservice. Denkbar wäre eine KI-gestützte Kommunikationsassistenz für zeitkritische Situationen: Bei einem Vorfall könnte das System Informationen aus Spracheingaben, verbundenen Systemen, Alarmen, Raumdaten und Verfügbarkeiten zusammenführen, erkennen, wer eingebunden werden muss, und die relevanten Informationen bereitstellen.
Das würde weit über das klassische Herstellen einer Telefonverbindung hinausgehen. Werden KI-Technologien traditionelle Kommunikationslösungen damit langfristig ersetzen?
Fabio Albanini: KI wird vor allem eine zusätzliche Intelligenzschicht rund um professionelle Kommunikation bilden. Sie kann Suche, Routing, Transkription, Dokumentation, Priorisierung und Nutzerführung automatisieren oder verbessern. Mit der Zeit wird sie weitere repetitive Prozesse übernehmen, ersetzt aber nicht die Notwendigkeit zuverlässiger menschlicher Kommunikation. Sprache bleibt für uns zentral. KI kann Systeme effizienter und reaktionsfähiger machen, ohne dass Zuverlässigkeit, Sprachqualität, Sicherheit und Verfügbarkeit darunter leiden.
Herr Albanini, wir danken für das Gespräch.









