Der Transfer einer Domain ist technisch ein standardisierter Vorgang. Die Probleme entstehen davor und danach.
Domain-Umzug in fünf Schritten

Unterlagen sind lückenhaft, DNS-Einträge werden vergessen und Altdomains bleiben ungepflegt. Die fünf folgenden Prüfschritte zeigen, wie ein Domain-Umzug erfolgreich gelingt.
1. Inventur: alle Domains erfassen
Ein Domain-Umzug ist ein Infrastrukturprojekt. Wer nicht weiß, welche Domains er besitzt, kann nach dem Umzug nicht sicher sagen, ob alles funktioniert. Am Anfang steht deshalb eine vollständige Liste. Sie enthält jede Domain, den aktuellen Registrar, das Ablaufdatum, die Nameserver und den Status von Transfer- und Registry-Locks. Diese Informationen verteilen sich in Unternehmen häufig auf mehrere Abteilungen. Die Buchhaltung kennt wiederkehrende Zahlungen an einen Registrar, von dem die IT nichts weiß. Das Marketing hat eine Kampagnen-Domain registriert, und die Rechtsabteilung führt die geschützten Marken.
Für jede Domain sollte vorab feststehen, ob sie umzieht, weitergeleitet oder aufgegeben wird. Ungenutzte Domains müssen nicht übertragen werden, sollten aber bis zur Entscheidung über ihre Zukunft verlängert werden. Denn läuft eine Altdomain unbemerkt ab, kann ein Dritter sie neu registrieren. Solche Domains lassen sich für Fakeshops oder Phishing missbrauchen. Wer die Ablaufdaten kennt, kann Verlängerungen rechtzeitig veranlassen.
2. Abhängigkeiten dokumentieren: Web, E-Mail, SSL
Die Inventur zeigt, welche Domains bestehen. Vor dem Transfer muss zusätzlich feststehen, welche Dienste an einer Domain hängen. Zu dokumentieren sind die A- und AAAA-Records für die Website, die MX-Records für den E-Mail-Verkehr, die TXT-Records für SPF, DKIM und DMARC sowie die CNAME-Records für Subdomains. Ein vollständiger Export der Zonen sichert den Ausgangszustand, auch für Domains, die nicht umziehen.
Zwei Einträge fallen besonders leicht aus der Dokumentation. Domain-Verifizierungs-Einträge belegen gegenüber Diensten wie Microsoft 365, Marketing-Plattformen oder E-Signatur-Tools, dass die Domain dem Unternehmen gehört. Fehlt der Eintrag, stellt der Dienst den Betrieb irgendwann ein, ohne dass im Log ein Fehler erscheint. CAA-Records legen fest, welche Zertifizierungsstelle SSL-Zertifikate für die Domain ausstellen darf. Ein fehlerhafter CAA-Eintrag fällt erst bei der nächsten Zertifikatsverlängerung auf.
3. Transfer vorbereiten: Sperren, Authcode, DNSSEC
Mit der Dokumentation ist die technische Grundlage gelegt. Domain-Transfers können allerdings auch an Formalien scheitern. Vier Punkte sollten deshalb vor dem Start geprüft werden: die Sperren, der Authcode, die Sperrfristen sowie DNSSEC und TTL.
Bei den Sperren ist zu unterscheiden: Ein Transfer Lock lässt sich im Kundenkonto beim bisherigen Registrar lösen. Ein Registry Lock wird dagegen bei der Registry gesetzt, und der Registrar kann ihn nicht aufheben. Seine Aufhebung dauert deshalb oft länger als geplant. Das bestimmt die Reihenfolge: Die Entsperrung sollte früh beginnen, der Authcode, auch Auth-Info-Code oder EPP-Code genannt, sollte dagegen erst kurz vor dem Transfer angefordert werden.
Der Authcode stammt vom bisherigen Registrar und ist wie ein Passwort zu behandeln. Seine Gültigkeit unterscheidet sich je nach Endung. Bei .de-Domains beträgt sie maximal 30 Tage. Er sollte deshalb erst kurz vor dem Transfer angefordert werden.
Dazu kommen Sperrfristen. Für viele generische Endungen gilt nach einer Registrierung oder einem Transfer eine Sperre von 60 Tagen. Bestimmte Änderungen der Inhaberdaten können ebenfalls eine Sperre auslösen. Eine Reform der ICANN-Transfer-Policy sieht eine Verkürzung von 60 Tagen auf 30 Tage vor. Welche Regeln gelten, hängt vom Registrar und von der Endung ab und sollte vorab geklärt werden, denn ccTLDs wie .de unterliegen dieser Regel nicht.
Bei DNSSEC und TTL passieren zwei typische Fehler: ein nicht passender DS-Record und eine zu spät gesenkte TTL. Ist DNSSEC aktiv, muss nach dem Umzug geprüft werden, ob der DS-Record zu den aktuellen Schlüsseln passt. Ein nicht passender DS-Record kann dazu führen, dass validierende Resolver die Domain nicht mehr auflösen. Die TTL-Werte sollten vor einer DNS-Änderung rechtzeitig gesenkt werden.
Registrarwechsel und DNS-Umstellung sollten in getrennten Schritten erfolgen. Fallen beide gleichzeitig aus, lässt sich die Ursache kaum eingrenzen.
4. Weiterleitungen planen: Adressen und Signale
Nicht alle Domains ziehen unverändert um. Domains, die aufgegeben oder zusammengeführt werden, benötigen Weiterleitungen. Eine permanente Weiterleitung (HTTP 301) teilt Suchmaschinen mit, dass Inhalte dauerhaft unter einer neuen Adresse erreichbar sind. Sie überträgt die Signale der alten URL, wenn sie auf die inhaltlich passende Zielseite zeigt. Eine pauschale Umleitung auf die Startseite erfüllt diesen Zweck nur begrenzt.
E-Mail-Adressen erfordern eine eigene Prüfung. Postfächer hängen meist am Hosting- oder Mail-Vertrag und nicht an der Domain selbst. Für alte Adressen ist festzulegen, ob sie weitergeleitet werden, wie lange das geschieht und wer auf eingehende Nachrichten reagiert. Ohne diese Regelung können Nachrichten verloren gehen, ohne dass Absender es bemerken.
Auch Adressen in Verträgen, E-Mail-Signaturen, Rechnungen, Druckmaterialien und Social-Media-Profilen bleiben nach dem Umzug in Gebrauch. Sie sollten in die Inventur aufgenommen und schrittweise aktualisiert werden.
5. Nachkontrolle und Monitoring
Erst die Nachkontrolle zeigt, ob der Umzug gelungen ist. Zu prüfen sind die Auflösung der Domain, die Erreichbarkeit der Website, die Zustellung von E-Mails sowie die Gültigkeit von SPF, DKIM und DMARC. SSL-Zertifikate müssen für die neue Umgebung gültig und ihre Verlängerung eingerichtet sein. Transfer Lock und Registry Lock sind erneut zu setzen, da Sperren und Berechtigungen beim Transfer nicht übernommen werden.
Ein Monitoring schließt die Lücke, die nach dem Umzug bleibt. Es erkennt Nachahmerdomains, Tippfehler-Varianten der Marke und unautorisierte Registrierungen, bevor sie für Betrug genutzt werden. Der Markenschutz endet also nicht mit dem Transfer. Ersetzen kann das Monitoring die Inventur allerdings nicht. Es meldet nur Veränderungen, und erkennen lässt sich eine Veränderung nur gegenüber einem bekannten Ausgangszustand.
Website, E-Mail und Markenschutz hängen an denselben Domains. Deshalb entscheidet die Inventur über den gesamten Umzug: Sie zeigt, welche Domain umzieht, weitergeleitet oder aufgegeben wird und wann die Ablaufdaten liegen. Die Prüfung sollte daher immer mit einer vollständigen Auflistung aller Domains beginnen.











