Das Metaverse: Eine neue Ära für den Einzelhandel?

Das Metaverse ist einer der weltweit meist diskutierten neuen Trends und wird von Mark Zuckerberg, dem CEO von Meta, als „Nachfolger des mobilen Internets” bezeichnet. Doch was genau ist das Metaverse?

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Es handelt sich dabei um eine Gruppe virtueller 3D-Welten, die von mehreren Unternehmen aufgebaut werden und sich auf soziale Verbindungen konzentrieren, wobei sowohl physische als auch digitale Umgebungen miteinander verschmelzen. Mithilfe von virtuellen und Augmented-Reality-Tools verspricht es Nutzern und Marken einen neuen Ort zum Arbeiten, Lernen, Spielen, Einkaufen und Gestalten zu bieten – ein „verkörpertes Internet”.

Zuckerberg hat die Muttergesellschaft von Facebook umbenannt, um sich darauf zu konzentrieren, das Metaverse in den Mittelpunkt aller Aktivitäten des Unternehmens zu stellen. Dies ermöglicht es dem Unternehmen seinen 3,6 Milliarden monatlich aktiven Nutzern über alle sozialen Anwendungen hinweg eine sich entwickelnde virtuelle Welt zu bieten und damit den mobilen Handel zu verändern. Das hat viele große Markenhändler aufhorchen lassen. Die Möglichkeiten, neuen und bestehenden Nutzern aufregende, neue Einkaufserlebnisse in einer neuen Dimension des E-Commerce zu bieten, sind endlos.

Das Metaverse hat das Potenzial die Art und Weise wie große Marken mit ihren Kunden interagieren, neu zu gestalten. Eine wichtige Frage, die sich jedoch stellt, ist: Welche Chancen – und Risiken – ergeben sich für Einzelhändler, die versuchen, großartige Kundenerlebnisse aus der physischen und traditionellen E-Commerce-Welt in die virtuelle Welt zu übertragen?

Wie kann das Metaverse das Kundenerlebnis verbessern?

Immer mehr Einzelhändler versuchen ihre Kundenbeziehungen zu vertiefen, indem sie mit dem Metaverse experimentieren, um das Einkaufserlebnis in einem Ladengeschäft zu reproduzieren. Ralph Lauren, H&M und sogar Kaufland und Walmart haben kürzlich über die Einführung von Metaverse-Stores gesprochen, in denen Kunden mit Kleidung interagieren und virtuell anprobieren können, wobei sie die Wahl haben, diese physisch oder digital zu kaufen. Die Verschmelzung von physischer und digitaler Welt bietet eine neue Ebene des Shoppings. Samsung beispielsweise hat im September letzten Jahres seinen virtuellen Laden vorgestellt, der seinem physischen Standort in New York City nachempfunden ist. Die virtuelle Welt bietet Marken neuen Raum, in dem neue Produkte, Stile oder Farben in einer digitalen Ladenumgebung getestet werden können, um das Interesse der Verbraucher zu ermitteln, bevor die Produkte physisch hergestellt werden. Die Verknüpfung von digitaler und physischer Welt bietet den Vorteil, dass Bestellungen präziser aufgegeben, Lagerüberhänge reduziert und Kundenwünsche gezielter erfüllt werden können, was das Kundenerlebnis über alle Kanäle hinweg verbessert.

Beim so genannten „Digital Twinning” werden virtuelle Versionen von Wohnungen, Geschäften, Büros und Kunden geschaffen, die eine nahtlose Beziehung zwischen der physischen und der virtuellen Welt ermöglichen. Dies ermöglicht es Verbrauchern Produkte, wie z. B. IKEA-Möbel, in ihrem eigenen Zuhause zu visualisieren und mit ihnen zu interagieren. Sie werden auch in der Lage sein, virtuelle Nachbildungen von Einzelhandelsgeschäften zu besuchen und Produkte vor dem Kauf auszuprobieren. Diese künftigen Möglichkeiten könnten die Rückgabequoten für Unternehmen drastisch senken und die Kundenerfahrung insgesamt verbessern, indem die reale Welt durch die virtuelle optimiert wird.

Darüber hinaus sind Nutzer des Metaverse in der Lage, Avatare zu erstellen, die sich in Bezug auf Identität, Stil, und gesellschaftliche Entscheidungen von der Realität der Nutzer unterscheiden können. Die Möglichkeit, dass Verbraucher im Metaverse mehrere Identitäten haben können, bietet Händlern die Chance, mit einem immer breiter gefächerten Publikum zu interagieren, das jeweils unterschiedliche Bedürfnisse hat. Es werden sich neue Verbrauchergruppen herausbilden, und es werden auch neue Methoden erforderlich sein, um diese anzusprechen. Die Aufgabe für Händler wird darin bestehen, bestehende physische Verbraucher in digitale umzuwandeln, und umgekehrt neue digitale Verbraucher in physische umzuwandeln. Es ist nur logisch, dass sich Marken diese innovative Technologie zu eigen machen und die erstaunlichen Möglichkeiten dieser experimentellen Spielwiese als nächsten Schritt auf ihrer E-Commerce-Roadmap entdecken.

Ungewissheiten im Metaverse

Fest steht allerdings, dass das Metaverse bisher noch unbekanntes Terrain ist. Die Verbraucher wollen aufregende und innovative Technologien ausprobieren, aber es liegt in der Verantwortung der Unternehmen, potenzielle Risiken so weit wie möglich zu minimieren so wie es die Verbraucher auch in der realen Welt erwarten würden. Wenn sie dies nicht tun, setzen sie sich und ihre Kunden Angriffen und Betrug aus.
Die Möglichkeit, im Metaverse mehrere Identitäten anzulegen, bietet Betrügern die Gelegenheit, falsche Profile zu erstellen und gefälschte Gebote für Artikel abzugeben. Automatisierte Bots könnten sich als rechtmäßige Nutzer ausgeben und unnötigen digitalen Datenverkehr erzeugen, der diese virtuellen Räume verlangsamen kann, ähnlich wie die Aktivitäten von Wiederverkäufern in der realen Welt.

In einer Zeit großer Ungewissheit im Metaverse müssen Händler ein hohes Maß an Vertrauen bei den Verbrauchern aufbauen, um ihnen die Möglichkeit zu geben, neue Umgebungen sicher zu erkunden und zu genießen. Es ist unklar, wie sich betrügerische Aktivitäten im Metaverse entwickeln und wie sie überwacht werden können – in jedem Fall müssen die Händler sich proaktiv auf alle Möglichkeiten vorbereiten. Damit Marken ihre Kundenbeziehungen und -erlebnisse weiterhin innovativ gestalten können, müssen Einzelhändler ein Verständnis dafür entwickeln wer ihre Kunden sind, und durch den Einsatz automatisierter, identitätsbasierter Technologien reale mit digitalen Persönlichkeiten verknüpfen. So können Händler schnell und proaktiv auf neue und aufkommende Bedrohungen reagieren. Der derzeitige Mangel an Vorschriften könnte jedoch dafür sorgen, dass Cyberkriminelle ein leichtes Spiel haben.

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Zahlungsabwicklung und Regulierungsmaßnahmen im Metaverse

Die Blockchain-Technologie bietet die Sicherheit und Skalierbarkeit um ein sicheres, globales Peer-to-Peer-Zahlungsnetz zu betreiben. Dies stellt die Regulierungsbehörden jedoch auch vor Herausforderungen. Ein globales System miteinander verbundener Knotenpunkte, in dem Transaktionen weltweit stattfinden, wirft die Frage auf, wie eine virtuelle Umgebung wie das Metaverse reguliert werden kann. Müssen die Unternehmen die Gesetze und Vorschriften mehrerer Länder einhalten? Wer verfügt in dieser virtuellen Realität über die Entscheidungsgewalt?

Ein weiterer Streitpunkt ist die Authentifizierung: Wie können Nutzer legitime Händler und Produkte erkennen? Hier könnten NFTs die Antwort liefern. Ein von Nike angemeldetes Patent aus dem Jahr 2019 verknüpft Schuhe mit der Ethereum-Blockchain und liefert so einen Beweis für die Echtheit von physischen Waren. Dies bietet nicht nur einen Authentizitätsnachweis für Artikel, sondern auch eine Methode, die Marken einsetzen könnten, um physische und digitale Waren zu verknüpfen.

Angesichts der Tatsache, dass Kryptowährungen möglicherweise das bevorzugte Zahlungsmittel im Metaverse werden, müssen Unternehmen abwägen, wie sie auf diese Entwicklung reagieren. Da es sich um eine zwar aufstrebende, aber noch nicht weit verbreitete Währung handelt, könnten Einzelhändler, die ausschließlich Kryptowährungen als Zahlungsmittel verwenden, die breite Masse der Verbraucher verprellen, die nicht in der Lage oder nicht willens ist, Kryptowährungen zu nutzen.

Sollten sich traditionelle Zahlungsdienstleister dafür entscheiden, im Metaverse zu operieren und den Verbrauchern die Möglichkeit zu bieten, mit echtem Geld zu kaufen, stellt sich die Frage wie schnell das gesamte Zahlungsökosystem in der Lage sein wird, sich anzupassen und Transaktionen verlässlich zu authentifizieren. Mastercard hat bereits seine Absicht bekundet, seine Zahlungsverarbeitungssysteme auf das Metaverse auszuweiten.

Wird es sich dabei um herkömmliche Mittel zur Authentifizierung von Zahlungen handeln, oder werden automatisierte, identitätsbasierte Lösungen in der Lage sein, die Verbindung zwischen realen Verbrauchern und ihren digitalen Gegenstücken herzustellen? Unabhängig davon unterstreicht die allgemeine Ungewissheit in Bezug auf Vorschriften und Zahlungen im Metaverse die Notwendigkeit von Vorsicht und Anpassungsfähigkeit.

Die Zukunft des Metaverse

Das Metaverse könnte den größten Umbruch im Einzelhandelsmarkt seit dem pandemiegetriebenen Boom des digitalen Handels darstellen. Das Unbekannte des Metaversums schafft eine Dichotomie von Möglichkeiten und potenziellen Gefahren. Auch wenn es noch zu früh ist, um die Auswirkungen in vollem Umfang zu beurteilen, werden die Gewinner im Metaverse nicht unbedingt die Ersten sein, sondern diejenigen, die ein sicheres Umfeld schaffen und ihren Kunden ein einzigartiges Erlebnis bieten können.

Ulrich Weigel

Forter -

Regional Director EMEA

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