Digitalisierung im deutschen Mittelstand: Wie sieht der Status quo aus?

Industrie 4.0, Big Data, künstliche Intelligenz: Zahlreiche Schlagworte bestimmen den öffentlichen Diskurs rund um das Thema Digitalisierung in Deutschland. Durch die Corona-Pandemie hat die Bedeutung von neuen Technologien noch zusätzlich an Bedeutung gewonnen. Doch die Pandemie hat auch verdeutlicht, dass gerade bei kleinen und mittleren Unternehmen noch großer Nachholbedarf besteht, wenn es um die Anwendung der verfügbaren Technologien in der Praxis geht. Wie steht es nun, zwei Jahre später, um die Digitalisierung im Mittelstand, dem Träger der deutschen Wirtschaft? 

Wer zählt zum deutschen Mittelstand? 

In der Regel umfasst der Begriff “deutscher Mittelstand” kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Diese sind als solche definiert, wenn sie bestimmte Grenzwerte bezüglich Umsatz, Beschäftigte oder Bilanzsumme nicht überschreiten. In Deutschland gibt es rund 3,4 Millionen Unternehmen; davon sind 99 % KMU. Doch für den deutschen Mittelstand gibt es keine allgemeingültige Definition. Meist werden auch größere Unternehmen, die nach Mitarbeiterzahl, Umsatz und Bilanzsumme nicht unter KMU fallen, zum deutschen Mittelstand hinzugezählt. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn die Unternehmen inhaber- oder familiengeführt sind. Nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Mittelstand waren im Jahr 2021 im deutschen Mittelstand rund 40,65 Millionen Personen beschäftigt. Damit gilt der deutsche Mittelstand als Träger der Wirtschaft. 

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Wie steht es um die Digitalisierung im deutschen Mittelstand?

Aufgrund der Relevanz beschäftigen sich immer mehr Studien mit der Digitalisierung im deutschen Mittelstand – darunter Deloitte, EY, das Ifm Bonn, die Telekom, aber auch das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz. Die deutsche Telekom führt seit 2016 regelmäßig eine Studie zum digitalen Ist-Zustand durch. Laut dem Index 2021/2022 hat die Digitalisierung in beinahe allen Branchen zugenommen, was noch auf den Digitalisierungsschub im Zuge der Corona-Pandemie zurückzuführen ist. Dennoch zeigt sich, dass vor allem bestimmte Branchen wie Banken, Versicherungen sowie die Informations- und Kommunikationsbranche ganz vorne liegen, während die Bau- oder Handelsbranche schwächelt. Insgesamt stieg der Digitalisierungsgrad der mittelständischen Unternehmen 2021 aber nur um einen Punkt – auf 59 von 100 möglichen Punkten. Das Ergebnis zeigt also, dass der Digitalisierungsgrad trotz Fortschritten noch relativ gering ist. 

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Digitalisierung Mittelstand: Hier gibt es Fortschritte 

New Work 

Durch die Fortschritte in der Digitalisierung ist es einfacher geworden, zeit- und ortsunabhängig zusammenzuarbeiten und die Durchlaufzeiten zu verkürzen. Dennoch gab es vor der Corona-Pandemie nur wenige Unternehmen, die Home-Office, Videokonferenz-Tools oder Cloud-Services zur gemeinsamen Zusammenarbeit angeboten haben – zu groß waren die Unsicherheiten bezüglich der Arbeitsleistung und Sicherheit. Heute zeigt sich, dass beinahe 50 % der mittelständischen Unternehmen auf flexible, digitale Arbeitsmodelle setzen. Dieser Trend dürfte sich in Zukunft auch noch verstärken, da immer mehr Arbeitnehmer auf eine ausgewogene Work-Life-Balance, flexible Arbeitszeiteinteilung und die Möglichkeit zu Remote Work setzen. Somit sind diese New-Work-Konzepte für den deutschen Mittelstand unabdinglich, um neue Talente zu gewinnen. 

Innovative Geschäftsmodelle 

Der Digitalisierungsindex zeigt, dass manche Branchen einen weitaus höheren Digitalisierungsgrad haben als andere. Das ist auf den hohen Wettbewerbsdruck und Veränderungen in den Erwartungen der Kunden zurückzuführen. Immer mehr traditionelle Unternehmen scheitern, während digitale Branchenneulinge einen rasanten Aufstieg erfahren. Durch die Automatisierung und Digitalisierung können sie Produktionsabläufe effizienter gestalten, wodurch die Produktionspreise gesenkt und flexibler auf Veränderungen reagiert werden kann. Besonders die Banken- und Versicherungsbranche sind hiervon betroffen. Geschäftsmodelle werden hier immer digitaler, vor allem, weil Kunden digitale Services erwarten. Ob Privatkundengeschäft, Zahlungsverkehr oder Investmentmöglichkeiten: Die Ansätze von FinTechs sind schneller, einfacher, intuitiver und somit kundenzentrierter. Zu diesen Startups zählen Moss, Revolut, N26 und viele mehr. Das hilft den Unternehmen auch dabei, flexibel auf Veränderungen im Kundenverhalten zu reagieren und langfristig zu bestehen. 

Cybersicherheit 

Cyberangriffe auf mittelständische Unternehmen sind schon seit geraumer Zeit ein großes Problem und führen zu hohen wirtschaftlichen Schäden. Aufgrund des rasanten Digitalisierungsschubs mussten viele Unternehmen auch einen starken Fokus auf Sicherheit und Datenschutz legen, da sie für die Umstellung nicht vorbereitet waren. Besonders die schnelle Verlagerung ins Home-Office offenbarte hier Sicherheitslücken. Um die digitalen Services sicher nutzen zu können und geschützt auf Datenbanken und Dateien zugreifen zu können, investierte ein Großteil der mittelständischen Unternehmen mehr in Cybersicherheit. In diesem Zusammenhang haben sich auch die Schulungen von Mitarbeitern bezüglich IT-Sicherheit stark erhöht. Die Investitionen hierfür langlebig; es ist stark davon auszugehen, dass Unternehmen, die stärker auf IT-Schutz gesetzt haben, ein geringeres Risiko haben, auch in Zukunft Opfer eines Cyberangriffs zu werden. 

Fazit 

Die Bereitschaft zur Digitalisierung im Mittelstand ist aufgrund der Corona-Pandemie zwangsweise gestiegen. Wenngleich die Digitalisierung im deutschen Mittelstand im internationalen Vergleich noch immer mittelmäßig ist, zeigt sich dennoch, dass Digitalisierungsschritte bereichsübergreifend zugenommen haben. Immer mehr Unternehmen setzen bewusst auf digitale Arbeitsmodelle und versuchen damit, ihre Produktivität zu steigern. Ebenso betreten immer mehr digitale Anbieter den Markt, wodurch etablierte Unternehmen gezwungen sind, ihre Prozesse digitaler zu gestalten, um wettbewerbsfähig zu bleiben. 

Dominik Larcher

Moss -

Head of Content Marketing

Dominik Larcher arbeitet für Moss im Bereich PR & Content. Er ist ein echter Finanzguru und liebt es insbesondere knifflige Themen einfach zu erklären. Durch seinen rechtlichen Background versteht er insbesondere stets die Gesetzeslage und weiß Themen korrekt zu interpretieren. 
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