Öffnet in einem neuen Tab
„Dieser Job macht mich unglücklich“

Sunday Scaries: Nicht jedes ungute Gefühl am Sonntag bedeutet, dass man kündigen sollte

Viele kennen das mulmige Gefühl, das sich am Sonntagnachmittag einschleicht: Das Wochenende ist noch nicht vorbei, doch die Gedanken kreisen bereits um volle Postfächer, anstehende Termine und unerledigte Aufgaben.

Sunday Scaries: Nicht jedes ungute Gefühl am Sonntag bedeutet, dass man kündigen sollte

In den sozialen Medien hat das Phänomen einen eigenen Namen: „Sunday Scaries“. Doch wann wird aus einem „Oh nein, das Wochenende ist vorbei“ ein „Dieser Job macht mich unglücklich“? Und woran lässt sich erkennen, dass es Zeit für eine Kündigung ist?

Als „Sunday Scaries“ (auf Deutsch etwa “Sonntagsanspannung”) werden Gefühle von Überforderung, Beklemmung oder Sorge bezeichnet, die viele Menschen am Wochenende mit Blick auf die kommende Arbeitswoche beschleichen. Die Ursachen sind vielfältig: dauerhaft hohe Arbeitsbelastung, aufreibende Arbeitsbeziehungen, fehlende Unterstützung, unklare Prioritäten und mangelnde Erholung. Hinzu kommen individuelle Faktoren wie Demotivation oder Schwierigkeiten im Zeitmanagement. Die Anspannung ist nicht nur belastend, sie raubt auch genau jene Zeit, die zum Krafttanken gedacht ist. Werden diese Gefühle nicht ernst genommen, droht eine Abwärtsspirale: Betroffene kommen mit arbeitsintensiven Phasen und akuten Stressfaktoren zunehmend schlechter zurecht.

Die zentrale Botschaft lautet: Wer Zufriedenheit und berufliche Weiterentwicklung fördern und vorschnelle Kündigungen verhindern will, muss flexible Arbeitsmodelle ermöglichen. Sie helfen Beschäftigten, ihre Arbeitswoche besser an individuelle Bedürfnisse anzupassen. Allerdings ersetzen sie weder realistische Arbeitslasten, klare Prioritäten oder gute Führung.

Anzeige

Den „perfekten“ Arbeitsalltag für alle gibt es nicht. Arbeitgeber sollten gemeinsam mit ihren Personalverantwortlichen Strukturen schaffen, in denen jede und jeder mit der Führungskraft ein Arbeitsmodell entwickeln kann, das zu den eigenen Bedürfnissen und zu den Unternehmenszielen passt. Beschäftigte können zudem auf pragmatische Strategien zurückgreifen, etwa „Minimum Mondays“: Montags konzentrieren sie sich auf Kernaufgaben und verzichten auf Besprechungen. Andere legen bewusst viele Aufgaben an den Wochenanfang, um die zweite Wochenhälfte zu entlasten, oder sie verschieben ungeliebte Tätigkeiten auf einen anderen Tag.

Ungute Gefühle am Wochenende taugen nicht als einfacher Ja-oder-Nein-Test für eine Kündigung. Sie sollten Anlass sein, genauer hinzuschauen: Ist es nur die Vorahnung einer arbeitsreichen Woche, oder steckt ein anhaltendes Muster aus Überlastung, Erschöpfung, Zynismus und mangelnder Erholung dahinter? Laut unserer aktuellen Benchmark-Daten geben 21 % der Beschäftigten in Deutschland an, sich bei der Arbeit überlastet zu fühlen. Die „Sunday Scaries“ sollten daher im größeren Zusammenhang gesehen werden, als möglicher Hinweis darauf, wie sich die Arbeit langfristig auf jemanden auswirkt. Vor einer Kündigung lohnt die Frage, ob sich Probleme wie hohe Arbeitsbelastung, unklare Rollen, mangelnde Unterstützung oder fehlende Entwicklungsperspektiven realistisch ändern lassen. Bleibt das Muster trotz ernsthafter Versuche, die Situation zu verbessern, bestehen, kann auch ein Arbeitsplatzwechsel eine Option sein.

Unternehmen und HR-Abteilungen sollten Beschäftigte nicht einfach zu mehr Resilienz anhalten, sondern prüfen, wie Arbeit gestaltet und gesteuert wird: Ist das Pensum realistisch? Sind Prioritäten klar? Können Mitarbeitende in der Freizeit wirklich abschalten? Erhalten Führungskräfte die nötige Unterstützung, um Probleme früh anzugehen? Entscheidend ist zudem eine Kultur der psychologischen Sicherheit, in der man offen über Stress und Unterstützungsbedarf sprechen kann, ohne Nachteile zu fürchten. Wer zuhört, sichtbar auf Feedback reagiert und echte Entwicklungsmöglichkeiten bietet, erkennt besser, ob es sich um eine vorübergehende Belastungsspitze oder um ein erhöhtes Risiko für Überlastung und Fluktuation handelt.

Anzeige
Anzeige