Beschäftigte in Deutschland fühlen sich im internationalen Vergleich weniger gut auf ihre berufliche Zukunft vorbereitet.
Junge Beschäftigte in Deutschland zweifeln an ihren Karriere-Skills

Besonders auffällig ist die Situation bei den jüngeren Arbeitnehmern: Nur 17 Prozent der 18- bis 26-Jährigen sind überzeugt, über die notwendigen Kompetenzen für ihren nächsten Karriereschritt zu verfügen. Das zeigt die Studie „People at Work 2026“ von ADP Research, für die weltweit mehr als 39.000 Beschäftigte in 36 Ländern befragt wurden, darunter 1.184 Personen in Deutschland.
Weiterbildung und Karriereförderung bleiben hinter Erwartungen zurück
Die geringe Zuversicht junger Beschäftigter geht offenbar mit einer begrenzten Unterstützung durch ihre Arbeitgeber einher. Lediglich 19 Prozent der 18- bis 26-Jährigen in Deutschland stimmen uneingeschränkt zu, dass ihr Unternehmen in die Fähigkeiten investiert, die sie für ihre berufliche Entwicklung benötigen. Bei den 27- bis 39-Jährigen liegt dieser Anteil nur noch bei 13 Prozent. In den beiden älteren Gruppen zwischen 40 und 54 sowie 55 und 64 Jahren sind es jeweils zwölf Prozent.
Damit bleibt die wahrgenommene Förderung in allen Altersgruppen niedrig. Weltweit liegt die Zustimmung bei den jüngeren Beschäftigten immerhin bei 21 Prozent und sinkt bei den über 55-Jährigen auf zwölf Prozent.
Finanzielle Zuversicht ist in Deutschland gering
Auch bei der Einschätzung der eigenen finanziellen Situation zeigt die Untersuchung Unterschiede zwischen den Altersgruppen. In Deutschland fühlen sich lediglich 16 Prozent der 18- bis 26-Jährigen finanziell gut aufgestellt. Bei den 27- bis 39-Jährigen sind es 14 Prozent, bei den 40- bis 54-Jährigen nur zehn Prozent.
Eine Ausnahme bilden die älteren Beschäftigten: In der Altersgruppe von 55 bis 64 Jahren liegt der Anteil bei 14 Prozent und damit über dem internationalen Vergleichswert von zehn Prozent. Weltweit nimmt die finanzielle Zuversicht mit zunehmendem Alter dagegen kontinuierlich ab. Bei den 18- bis 39-Jährigen stimmen jeweils 19 Prozent der Aussage zu, finanziell gut abgesichert zu sein.
Jobwechsel in Deutschland vergleichsweise unkompliziert
Weniger kritisch fällt die Einschätzung des Arbeitsmarktes aus. Nur neun Prozent der Beschäftigten in Deutschland halten einen Jobwechsel heute für deutlich schwieriger als noch vor einem Jahr. International liegt dieser Wert bei 17 Prozent.
Auch zwischen den Altersgruppen gibt es hierzulande nur geringe Unterschiede. Bei den 18- bis 26-Jährigen sehen acht Prozent einen deutlich erschwerten Wechsel, bei den 27- bis 39-Jährigen sind es sieben Prozent. In den älteren Gruppen steigt der Anteil auf zehn beziehungsweise elf Prozent. Im europäischen Vergleich schneidet lediglich die Niederlande besser ab.
Ältere Beschäftigte berichten seltener von negativem Stress
Die ADP-Untersuchung betrachtet auch das Stressempfinden am Arbeitsplatz. International geben 32 Prozent der 55- bis 64-Jährigen an, seltener als einmal im Monat unter negativem Stress zu leiden. Bei den über 65-Jährigen sind es sogar 48 Prozent. Ältere Beschäftigte berichten zudem ähnlich häufig wie jüngere von Sinnhaftigkeit und Engagement in ihrer Arbeit.
Die Ergebnisse sprechen dafür, dass sich die Bedürfnisse und Erfahrungen innerhalb einer altersgemischten Belegschaft teilweise deutlich unterscheiden. Gleichzeitig lassen sich die Generationen nicht allein anhand ihres Alters auf bestimmte Erwartungen oder Fähigkeiten festlegen.
Personalstrategien müssen unterschiedliche Karrierephasen berücksichtigen
Für Unternehmen ergibt sich daraus die Aufgabe, Personalentwicklung stärker an den jeweiligen beruflichen Lebensphasen auszurichten. Dazu zählen gezielte Weiterbildungsangebote, transparente Karrierewege und eine faire Vergütung. Auch Mentoring-Programme und der Austausch zwischen jüngeren und erfahrenen Beschäftigten können dazu beitragen, Wissen weiterzugeben und unterschiedliche Kompetenzen zusammenzuführen.
Dr. Nela Richardson, Chefökonomin bei ADP, plädiert für menschenzentrierte und zugleich datengestützte Personalstrategien. Thomas Zimmermann, General Manager Deutschland bei ADP, sieht insbesondere bei jüngeren Beschäftigten Bedarf an einer gezielteren Begleitung ihrer Karrierewege. Altersübergreifende Mentoring-Beziehungen und gemeinsame Lernangebote könnten dabei die Zusammenarbeit und Kompetenzentwicklung stärken.
Die Studie macht deutlich, dass eine Belegschaft mit mehreren Generationen keine einheitliche Personalstrategie voraussetzt. Unternehmen müssen vielmehr unterschiedliche Erwartungen berücksichtigen und Entwicklungsangebote so gestalten, dass Beschäftigte in verschiedenen Karrierephasen passende Unterstützung erhalten.
(red/ADP)







