Von Flatrates zur tokenbasierten Abrechung

Microsoft streicht Lizenzen für Claude Code

Claude-Code
quelle-Robert_Way-Shutterstock.com

Aufgrund explodierender Kosten bei tokenbasierter Abrechnung entzieht Microsoft internen Entwicklern die Lizenzen für das KI-Werkzeug Claude Code.

Der US-amerikanische Softwarekonzern Microsoft plant Berichten zufolge eine weitreichende Änderung in seiner internen Entwicklungsstrategie. Wie aus Branchenkreisen bekannt wurde, beabsichtigt das Unternehmen, die Lizenzen für das künstliche Intelligenzwerkzeug Claude Code des Entwicklers Anthropic bis zum 30. Juni 2026 für seine Mitarbeiter zu beenden. Erst im Dezember des vergangenen Jahres hatte Microsoft tausende seiner Softwareentwickler dazu eingeladen, dieses spezialisierte KI-Programmierwerkzeug im Arbeitsalltag zu nutzen.

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Die Anwendung erfreute sich innerhalb der Belegschaft des Technologiegiganten schnell einer großen Beliebtheit. Nun erfolgt jedoch eine abrupte Kehrtwende. Die Entwickler sollen künftig konsequent auf das hauseigene Werkzeug Copilot CLI umgesteuert werden, einen KI-gestützten Codierungsassistenten der Microsoft-Tochtergesellschaft GitHub. Der Hauptgrund für diese Entscheidung liegt in einer massiven wirtschaftlichen Fehlkalkulation. Die tokenbasierte Abrechnung von Anthropic hat das jährliche KI-Budget von Microsoft für dieses Segment innerhalb weniger Monate vollständig aufgezehrt.

Übergang von Flatrates zur tokenbasierten Abrechnung

Der Vorfall bei Microsoft weist auf ein strukturelles Problem hin, mit dem die gesamte Technologiebranche konzipiert ist. Zu Beginn des KI-Hypes setzten viele Anbieter auf pauschale Gebühren für die Nutzung ihrer Modelle. Inzwischen hat sich das ökonomische Modell der Branche jedoch grundlegend gewandelt. Die meisten führenden Entwickler von großen Sprachmodellen sind zu einer strikt verbrauchsabhängigen tokenbasierten Abrechnung übergegangen. Bei diesem Abrechnungsmodell wird jede einzelne Zeile an generiertem, analysiertem oder korrigiertem Programmcode in kleinste Informationseinheiten, sogenannte Token, zerlegt und einzeln in Rechnung gestellt.

Für Großunternehmen, deren Entwicklerteams täglich Millionen Zeilen Code verarbeiten, führt dieses System zu unvorhersehbaren und exponentiell ansteigenden Betriebskosten. Die wirtschaftliche Tragfähigkeit dieser Werkzeuge gerät dadurch infrage, da die Kosten pro Programmierprozess den ursprünglichen Nutzen der Effizienzsteigerung zu übersteigen drohen. Experteneinschätzungen gehen davon aus, dass dieses Spannungsverhältnis zwischen Kunden und Anbietern die kurzfristige Nachfrage nach externen KI-Schnittstellen dämpfen könnte, bis tragfähige Preismodelle etabliert sind.

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Massive Budgetüberschreitungen in globalen Technologiekonzernen

Microsoft steht mit dieser Budgetproblematik nicht allein da. Das Phänomen der explodierenden Kosten für generative Systeme betrifft eine Vielzahl von Großunternehmen, die KI-Infrastrukturen tief in ihre operativen Geschäftsprozesse integriert haben. So gab der Fahrdienstvermittler Uber kürzlich bekannt, dass das gesamte für das Jahr 2026 eingeplante KI-Budget bereits nach nur vier Monaten vollständig verbraucht war. Diese extremen Budgetüberschreitungen zeigen, dass viele Konzerne den tatsächlichen Token-Verbrauch bei einer flächendeckenden Nutzung durch tausende Mitarbeiter unterschätzt haben.

Wenn Entwickler kontinuierlich komplexe Code-Repositoren durch Sprachmodelle analysieren lassen, entstehen im Hintergrund permanent Datenströme, die immense Summen verschlingen. Die unkontrollierte Nutzung führt zu einem finanziellen Aufwand, der in keinem gesunden Verhältnis mehr zur tatsächlichen Produktivitätssteigerung steht, weshalb Unternehmen nun gezwungen sind, restriktive Sparmaßnahmen zu ergreifen und Lizenzen für externe Werkzeuge zu streichen.

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Anthropic kann Nutzungslimit für Claude Code anheben

Während die Kunden mit den hohen Kosten kämpfen, versuchen die KI-Anbieter ihrerseits, die technologische Infrastruktur und die Rechenkapazitäten auszuweiten, um die Effizienz der Modelle zu steigern. Der Entwickler Anthropic gab in diesem Zusammenhang bekannt, eine strategische Partnerschaft mit dem Raumfahrtunternehmen SpaceX geschlossen zu haben. Ziel dieser Kooperation ist es, die verfügbare Rechenleistung für das Training und den Betrieb der eigenen Modelle substantiell zu erhöhen. Diese Erweiterung der Serverkapazitäten erlaubte es Anthropic bereits, die offiziellen Nutzungslimits für Claude Code und die allgemeine Claude-API anzuheben.

Trotz dieser technologischen Skalierung bleibt das Abrechnungsmodell für die Unternehmenskunden jedoch unverändert kostspielig. Weder Microsoft noch Anthropic gaben bisher offizielle Stellungnahmen zu der Beendigung der Lizenzvereinbarungen ab. Die Situation verdeutlicht, dass die technologische Verfügbarkeit von Rechenleistung nicht gleichbedeutend mit einer wirtschaftlich rentablen Nutzung im Unternehmenskontext ist.

Microsoft macht Schritt zur Konsolidierung der eigenen Produktpalette

Die Rückkehr zu GitHub Copilot CLI ist für Microsoft auch ein Schritt zur Konsolidierung der eigenen Produktpalette. Das Tochterunternehmen GitHub betreibt die weltweit größte Plattform für das Hosting von Quellcode und bietet mit der Copilot-Serie eigene KI-Assistenten an, die über natürliche Sprache die Fehlersuche und das Schreiben von Code unterstützen. Microsoft-Chef Satya Nadella erklärte bereits vor einem Jahr, dass künstliche Intelligenz für bis zu 30 Prozent des gesamten vom Unternehmen geschriebenen Programmcodes verantwortlich sei. Diese hohe Quote zeigt, wie tief die Technologie bereits in den Software-Herstellungsprozess des Konzerns eingebettet ist.

Ein vollständiger Verzicht auf KI-Unterstützung ist daher ausgeschlossen. Allerdings zwingen die finanziellen Rahmenbedingungen das Management dazu, auf die eigenen, besser kontrollierbaren Infrastrukturen auszuweichen. Zudem steht GitHub derzeit unter erhöhtem Sicherheitsdruck. Nach einem verifizierten Hackerangriff in den vergangenen Wochen wurden Daten aus internen Repositories entwendet, die cyberkriminelle Akteure nun auf Marktplätzen im Internet zum Verkauf anbieten. Die Migration der Entwickler zurück auf die eigenen Systeme dient somit auch einer verstärkten internen Kontrolle der Code-Integrität.

Autorenbild Lisa Löw

Lisa

Löw

Junior Online-Redakteurin

IT-Verlag

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