Ein Bericht von europäischen Verbraucherschützern wirft Meta, Google und TikTok vor, fast drei Viertel gemeldeter Betrugsanzeigen online zu lassen.
Die europäische Verbraucherschutzorganisation BEUC hat gemeinsam mit Mitgliedsorganisationen aus dreizehn europäischen Ländern eine systematische Untersuchung zur Verbreitung von betrügerischen Werbeanzeigen auf den großen Online-Plattformen vorgelegt. Der Untersuchungszeitraum erstreckte sich von Dezember 2025 bis März 2026. In dieser Zeit dokumentierten und meldeten die Verbraucherschützer insgesamt 893 Werbeanzeigen bei den Betreibern Meta, TikTok und Google, da diese nachweislich gegen geltendes europäisches Recht verstießen.
Die Bilanz der Auswertung zeigt erhebliche Defizite bei der Moderation und Entfernung dieser schadhaften Inhalte. Trotz der offiziellen Beschwerden verblieben rund 73 Prozent der gemeldeten Betrugsanzeigen weiterhin im Netz abrufbar. Die Organisationen warnen davor, dass durch diese unzureichende Reaktion monatlich mehr als 200 Millionen europäische Verbraucher den betrügerischen Inhalten ausgesetzt sind, was erhebliche finanzielle Risiken und psychologische Schäden nach sich ziehen kann.
Nur 27 Prozent illegale Werbeanzeigen gelöscht
Die Reaktionen der Tech-Konzerne auf die knapp 900 eingereichten Verstöße fielen sehr unterschiedlich aus, blieben jedoch in der Gesamtheit hinter den Erwartungen der Prüfer zurück. Lediglich 27 Prozent der nachweislich illegalen Werbeanzeigen wurden von den Social-Media-Plattformen nach der Meldung tatsächlich dauerhaft gelöscht. Im Gegensatz dazu wurden 52 Prozent der Meldungen von den automatisierten Systemen oder den Moderationsteams der Plattformen explizit abgelehnt oder vollständig ignoriert. Der verbleibende Anteil der Meldungen verblieb ohne abschließende Bearbeitung oder Rückmeldung im System.
Agustín Reyna, der Generaldirektor der Verbraucherschutzorganisation BEUC, betonte in einer offiziellen Stellungnahme die Notwendigkeit einer strikten Rechenschaftspflicht für die Betreiber. Er erklärte, dass es unerlässlich sei, Meta, TikTok und Google zur Verantwortung zu ziehen. Wenn die Unternehmen es versäumen, die auf ihren Plattformen zirkulierenden Finanzbetrügereien effektiv zu bekämpfen, werden Kriminelle weiterhin täglich Millionen von europäischen Verbrauchern erreichen. Dies führe dazu, dass Privatpersonen regelmäßig Summen im Bereich von Hunderten bis Tausenden von Euro durch betrügerische Maschen verlieren.
Sanktionen durch das EU-Gesetz
Die unzureichende Löschquote steht in direktem Konflikt mit den gesetzlichen Vorgaben der Europäischen Union, insbesondere mit dem Gesetz über digitale Dienste, das als Digital Services Act bekannt ist. Dieses Regulierungswerk verpflichtet die Betreiber von sehr großen Online-Plattformen und Suchmaschinen dazu, leicht zugängliche und benutzerfreundliche Meldesysteme für rechtswidrige Inhalte und betrügerische Werbung bereitzustellen. Darüber hinaus verlangt das Gesetz, dass eingehende Meldungen von den Unternehmen mit der gebotenen Sorgfalt, Ernsthaftigkeit und ohne schuldhaftes Zögern geprüft und bearbeitet werden müssen.
Neben der reinen Reaktionspflicht verlangt der Digital Services Act von den Technologieunternehmen eine proaktive Überwachung ihrer eigenen Systeme auf sogenannte systemische Risiken. Hierzu gehört auch die Verbreitung von irreführender Werbung, die den finanziellen Schutz von Verbrauchern gefährdet. Die Europäische Kommission verfügt bei nachgewiesenen, systematischen Verstößen gegen diese Sorgfaltspflichten über weitreichende Sanktionsmöglichkeiten. Die Bußgelder können eine Höhe von bis zu sechs Prozent des gesamten weltweiten Jahresumsatzes des betroffenen Konzerns erreichen. Ein bewusstes Ignorieren oder das Tolerieren von gemeldeten Missbrauchsfällen ist den Unternehmen unter diesem rechtlichen Rahmen ausdrücklich untersagt.
Wirtschaftliche Interessen der Digitalkonzerne
Der Suchmaschinenkonzern Google widerspricht den Vorwürfen und den statistischen Erhebungen der europäischen Verbraucherschutzverbände vehement. Ein offizieller Unternehmenssprecher erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, dass das Unternehmen seine eigenen Anzeigenrichtlinien streng durchsetze. Nach Angaben des Konzerns werden über 99 Prozent der Richtlinienverstöße bereits im Vorfeld durch automatisierte Sicherheitsfilter blockiert, noch bevor die Anzeigen überhaupt im Internet geschaltet werden. Die zuständigen internen Teams würden diese Schutzmechanismen kontinuierlich aktualisieren, um den sich ständig verändernden Taktiken der Betrüger einen Schritt voraus zu sein und die Nutzer effektiv zu schützen.
Bei dem Mutterkonzern von Facebook und Instagram, Meta, zeichnet sich laut internen Dokumenten eine andere Situation ab. Demnach ist sich das Management der massiven Präsenz von betrügerischen und irreführenden Werbeanzeigen auf den eigenen Plattformen durchaus bewusst. Aus den internen Unterlagen geht hervor, dass diese betrügerischen Werbeformate jährliche Einnahmen in Höhe von rund 16 Milliarden US-Dollar generieren. Dieser Betrag macht ungefähr zehn Prozent des gesamten weltweiten Jahresumsatzes von Meta aus. Die Daten zeigen zudem, dass den Nutzern der Meta-Plattformen täglich rund 15 Milliarden Anzeigen präsentiert werden, die intern der Kategorie mit höherem Betrugsrisiko zugeordnet werden. Diese wirtschaftliche Verflechtung wirft bei Verbraucherschützern Fragen auf, inwieweit finanzielle Interessen einer konsequenten Durchsetzung der Löschfristen entgegenstehen.