Fokus auf Privatsphäre

Vivaldi 8.0 bringt grundlegendes Redesign ohne KI-Funktionen

Bildschirm

Der Browser Vivaldi erhält in Version 8.0 seine größte Designüberarbeitung. Die Oberfläche wird vereinheitlicht, während KI-Features bewusst fehlen.

Das norwegische Softwareunternehmen Vivaldi Technologies hat die Version 8.0 seines gleichnamigen Desktop-Browsers veröffentlicht. Die Entwickler bezeichnen diese Veröffentlichung als die weitreichendste optische und strukturelle Überarbeitung der Benutzeroberfläche seit dem Start des Projekts vor mehr als dreizehn Jahren. Mit dem Update führt das Unternehmen ein neues visuelles Framework ein, das die Kontrollelemente enger miteinander verzahnt und die Anpassbarkeit für den Endanwender erhöht.

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Gleichzeitig positioniert sich das Unternehmen mit dieser Version klar gegen den aktuellen Branchentrend, indem es auf die Integration von umstrittenen Funktionen der künstlichen Intelligenz verzichtet. Die Software steht ab sofort als kostenloser Download für die Betriebssysteme Windows, macOS und Linux zur Verfügung, während Updates für die mobilen Plattformen Android und iOS zu einem späteren Zeitpunkt separat bereitgestellt werden sollen.

Unified-Oberfläche vereint alle Bedienelemente auf einer Ebene

Der Kern des Redesigns in Version 8.0 basiert auf einer Designphilosophie, die das Unternehmen als Unified bezeichnet. In den vorherigen Versionen des Browsers wurden die primären Schnittstellenkomponenten wie die Tab-Leiste, die Symbolleisten, die seitlichen Bedienpanels und das eigentliche Web-Inhaltsfenster als separate, logisch und optisch voneinander getrennte Ebenen behandelt. Diese Struktur bot zwar funktionale Vorteile, führte laut den Entwicklern jedoch zu einer gewissen visuellen Fragmentierung der Oberfläche. Mit der neuen Systemarchitektur werden diese traditionellen Grenzen vollständig aufgehoben.

Alle Steuerungselemente befinden sich nun auf einer einzigen, kontinuierlichen Oberfläche, dem sogenannten Unified-Rahmen, der das gesamte Browserfenster umschließt. Durch diese Zusammenführung liegen alle Bedienelemente auf derselben visuellen Ebene. Dies führt zu einer präziseren Ausrichtung der Symbole, einer feineren Abstimmung der Abstände und einer direkteren Interaktion, da Elemente nicht mehr in isolierten Schichten liegen. Diese strukturelle Änderung verringert zudem die Komplexität im Software-Backend, da weniger Ausnahmen im Frontend-Code definiert werden müssen. Für den Anwender bedeutet dies, dass ausgewählte Designs und Hintergrundbilder nahtlos über das gesamte Fenster fließen können, anstatt auf spezifische Bereiche wie die Tab-Leiste beschränkt zu sein. Dies wird zusätzlich durch den Einsatz von Transluzenz- und Unschärfeeffekten unterstützt.

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Sechs neue Layout-Vorgaben für die Benutzeroberfläche

Um den Einstieg in das neue System zu erleichtern, führt Vivaldi 8.0 sechs vordefinierte Layout-Vorgaben ein. Diese Layouts stehen direkt während des ersten Setups nach der Aktualisierung zur Auswahl und können später jederzeit über die Anwendungseinstellungen im Bereich Darstellung angepasst werden. Die Entwickler betonen, dass diese Voreinstellungen als kuratierte Ausgangspunkte dienen und die tiefergehende Individualisierung des Browsers nicht einschränken.

Das Layout Simple bietet eine minimalistische Umgebung, bei der sich die Tabs am oberen Rand befinden und alle überflüssigen Steuerungselemente ausgeblendet werden, um eine ablenkungsfreie Arbeit zu ermöglichen. Das Layout Classic behält die traditionelle Vivaldi-Anordnung bei, bei der die Symbolleisten und die seitlichen Panels an ihren gewohnten Positionen verbleiben, jedoch in das neue Rahmendesign integriert sind. Für die Nutzung auf modernen Breitbildmonitoren wurden die Optionen Vertical Right und Vertical Left konzipiert. Diese verschieben die Tab-Leiste an den rechten oder linken Bildschirmrand, um den horizontalen Platz optimal auszunutzen, während die Adresszeile am oberen Rand verbleibt und die Panels bei der linken Variante über ein Hover-Verfahren aufgerufen werden können.

Das Layout Auto Hide blendet die gesamte Benutzeroberfläche einschließlich der Adress- und Tab-Leiste vollständig aus. Die Elemente werden erst wieder eingeblendet, wenn der Benutzer den Cursor an den entsprechenden Bildschirmrand bewegt. Die Option Bottom verschiebt die Tab- und Adresszeile an den unteren Fensterrand, was dem Lesefluss von oben nach unten entgegenkommen soll. Für Anwender, die das neue Design ablehnen, bietet der integrierte Theme-Editor eine Option, über die sich das vorherige visuelle Farbmodell vollständig wiederherstellen lässt.

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Bildquelle: Vivaldi
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Bewusster Verzicht auf integrierte KI-Funktionen und Fokus auf Privatsphäre

Ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal zu den jüngsten Veröffentlichungen anderer großer Browser-Hersteller ist der vollständige Verzicht auf neuartige, generative KI-Funktionen. Während Mitbewerber wie Microsoft mit Copilot in Edge, Google mit KI-Overviews in der Suche oder Mozilla mit mobilen KI-Steuerungen in Firefox verstärkt auf die Integration von Chatbots, automatisierten Textzusammenfassungen oder KI-Schreibassistenten setzen, verzichtet Vivaldi in Version 8.0 bewusst auf solche Implementierungen.

Das Unternehmen begründet diesen Schritt mit seiner langjährigen Philosophie, die Privatsphäre der Nutzer in den Vordergrund zu stellen und auf die Erhebung von Telemetriedaten oder das Tracking durch Drittanbieter zu verzichten. Vivaldi-Gründer Jon Stephenson von Tetzchner erklärte, dass das Unternehmen sich stattdessen auf den Ausbau eines stabilen Fundaments konzentriert habe, das auf flexibler Tab-Verwaltung, integrierten Produktivitätswerkzeugen und tiefgehender Anpassbarkeit ohne externe Cloud-Abhängigkeiten basiert. Der Browser setzt somit weiterhin auf lokale Werkzeuge wie den integrierten E-Mail-Client, einen Kalender, Notizfunktionen und RSS-Feed-Reader, die direkt in der Anwendung laufen, ohne dass Daten an externe Server zur Auswertung übermittelt werden müssen.

Stabilität bei Hunderten von gleichzeitig geöffneten Tabs verbessert

Neben den sichtbaren Veränderungen an der Oberfläche bringt das Update auf Version 8.0 eine Reihe von funktionalen Verbesserungen und technischen Neuerungen unter der Haube. Die Entwickler haben das gesamte Backend für die Tab-Verwaltung neu geschrieben, um die Stabilität und Geschwindigkeit bei der Nutzung von Hunderten von gleichzeitig geöffneten Tabs zu verbessern. Im Windows-Panel wurde eine neue Sortieransicht für verwandte Tabs integriert, die das Organisieren von Registerkarten innerhalb von farblich kodierten Gruppen erleichtert.

Zudem wurden mehrere Dialogfenster in der Benutzeroberfläche überarbeitet und zusammengeführt. Im Adressfeld wurden die Einstellungen für Website-Berechtigungen und der integrierte Werbe- und Tracking-Blocker in einem einzigen Dialogfenster kombiniert. Auch der Panel-Editor verfügt nun über eine zusammengefasste Ansicht für das Hinzufügen von Web-Panels und die allgemeine Anpassung. Die Schnelleinstellungen auf der Startseite sowie das Übersetzungsfenster erhielten ebenfalls eine optische Auffrischung.

Eine wichtige technische Erweiterung betrifft das Ändern der Benutzerkennung. Vivaldi 8.0 unterstützt das gezielte Verschleiern der aktuellen Chromium-Versionsnummer für den Fall, dass bestimmte externe Webseiten den Zugriff blockieren, weil sie Vivaldi fälschlicherweise als nicht unterstützten Browser klassifizieren. Als technische Basis dient der Software nun das aktualisierte Chromium-Fundament, welches auch zahlreiche allgemeine Sicherheitskorrekturen beinhaltet.

Autorenbild Lisa Löw

Lisa

Löw

Junior Online-Redakteurin

IT-Verlag

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