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Apple

Bildquelle:Sukrita Rungroj / Shutterstock.com

„Apple öffnet die Büchse der Pandora“, wettert der Datenschutzexperte Detlef Schmuck gegen die Ankündigung von Apple, künftig die Fotos auf iPhones automatisch dahingehend zu untersuchen, ob sie mit dem Gesetz im Einklang stehen.

Apple hatte verlauten lassen, mit dem neuen Betriebssystem iOS 15 alle Fotos auf iPhones einer Prüfung zu unterziehen, ob es sich um kinderpornografische Aufnahmen handeln könnte. „Kinderpornografie gehört zu dem abscheulichsten Verbrechen überhaupt und es ist richtig und wichtig, dagegen vorzugehen, aber es ist dennoch völlig unangebracht, Hunderte von Millionen iPhone-Besitzer unter Generalverdacht zu stellen und deshalb deren private Fotoalben zu durchsuchen“, sagt Detlef Schmuck.

Er stellt klar: „Die Überwachung der Kundendaten in den Cloudservices der US-Anbieter ist längst Normalität, sicherlich nicht nur bei Apple. Aber Apple geht einen Schritt zu weit, indem die Endgeräte der Kunden einer ständigen Kontrolle unterzogen werden. Das ist wie eine permanente Hausdurchsuchung durch eine privatwirtschaftliche Firma. Man muss bedenken: Die meisten Menschen haben mehr oder minder ihr gesamtes Leben im Smartphone gespeichert. Es ist Aufgabe der Staatsanwaltschaften, der Polizei und der Gerichte, im Verdachtsfall, und nur dann, diese digitalen Hausdurchsuchungen zu genehmigen, durchzuführen und nach dem geltenden Recht zu bewerten. Aber eine Rasterfahndung durch Apple auf allen Endgeräten ist beinahe wie die Kombination eines mutmaßlichen Wunschtraums von Erich Mielke und eines Albtraums von Georg Orwell.“
 

„Wir können nie mehr sicher sein, welche Spionagesoftware auf unseren Smartphones läuft“ 

Nach Einschätzung von Detlef Schmuck hat Apple den Algorithmus zum Auffinden von Kinderpornografie auf Druck der US-Behörden entwickelt. Er fragt: „Wer will Apple oder andere US-Konzerne daran hindern, künftig auf Drängen weiterer Staaten wie beispielsweise China mit anderen Suchmustern nach unerwünschten Inhalten zu fahnden? In den USA mag nach Kinderpornografie gesucht werden, in anderen Ländern möglicherweise nach regimekritischen Texten. Wenn es nicht gelingt, Apple zurückzupfeifen, können wir nie mehr sicher sein, welche Spionagesoftware auf unseren Smartphones heimlich läuft und wonach sie Ausschau hält.“ 

„Die Daten von Kunden gehören den Kunden und sonst niemandem“, stellt Detlef Schmuck klar. Er ist Gründer und Geschäftsführer des Hamburger Datendienstes TeamDrive. Der TeamDrive-Chef befürchtet, wie andere Datenschützer auch, dass Apple die Funktion zur Überprüfung der Korrektheit von Fotos künftig auf weitere Informationen, die im iPhone oder in der iCloud von Ende-zu-Ende verschlüsselt sein sollten, ausweiten wird.

 

„Rasterfahndung auf Endgeräten ist grundsätzlich abzulehnen“ 

„Eine Technologie zur Rasterfahndung auf Endgeräten ist grundsätzlich abzulehnen, weil sie Missbrauch und Überwachung geradezu sträflich Vorschub leistet“, sagt Detlef Schmuck. Er fragt: „Wer will Apple daran hindern, in Zukunft weitere moralische Kriterien an die mit dem iPhone erstellten Fotos zu stellen?“ und erläutert seine Befürchtung wie folgt: „Heute ist es Kinderpornografie und wir alle stimmen der Bekämpfung zu. Morgen sind es möglicherweise Verstöße gegen Corona-Regeln oder Drogenmissbrauch und es stimmen noch einige zu. Übermorgen ist es Tierquälerei oder wer weiß schon was. Alle gesetzestreuen Bürger begrüßen es, wenn diese Verbrechen geahndet werden. Aber wir wollen dieses Mandat den Staatsanwaltschaften, der Polizei und den Gerichten in Deutschland übertragen, nicht der US-Firma Apple.“

Zudem warnt der TeamDrive-Chef, dass neben der willkürlich erweiterbaren Zensur durch Apple ein solches Kontrollprogramm von Hackern geentert und dazu genutzt werden könnte, in die iPhones von Hunderten Millionen Menschen einzudringen. „Die Möglichkeit, in die Endgeräte einzudringen, wird Hacker rund um den Globus wie ein Magnet anziehen“, gibt er zu bedenken.

 

„Ob EU oder Apple, alle wollen in unsere Privatsphäre eindringen“

Detlef Schmuck erinnert an den geheimen Entwurf einer geplanten Deklaration des EU-Ministerrats vom Herbst 2020, nach der die Betreiber von Ende-zu-Ende-verschlüsselten Diensten gezwungen werden sollten, den Behörden Generalschlüssel zu allen Kundendaten zu übergeben. Den damaligen Titel des EU-Resolutionsentwurfs „Sicherheit durch Verschlüsselung und Sicherheit trotz Verschlüsselung“ bezeichnet der TeamDrive-Chef als „völlig irreführend“. 

„Faktisch hätte eine solche Resolution das Sicherheitsniveau in der EU dramatisch verschlechtert“, erklärt Detlef Schmuck und appelliert an die Öffentlichkeit: „Wenn wir die Zustimmung zur Aufweichung der Ende-zu-Ende-Kommunikation dem EU-Ministerrat verweigern, sollten wie genau dies Apple erst recht nicht erlauben. Nur durch eine lückenlose Verschlüsselung ohne Ausnahmen ist die Privatsphäre bei der digitalen Kommunikation gewährleistet.“ Die EU-Mitgliedsstaaten wären nach der Resolution in der Lage gewesen, sich mit ihren Schlüsseln jederzeit und unerkannt in private Unterhaltungen und andere verschlüsselte Übertragungen einzuklinken. „Genau dieses Privileg scheint sich jetzt Apple selbst einräumen zu wollen“, erläutert Detlef Schmuck seine Befürchtungen. 

Für die Zukunft gibt der Datensicherheitsexperte Detlef Schmuck einen eher düsteren Ausblick: „Egal ob EU oder Apple, offenbar dürstet es den Staat und die Digitalkonzerne gleichermaßen danach, Zugang zu den privaten Daten der Bürger und Verbraucher zu bekommen. Wir sollten alle Hebel in Bewegung setzen, unsere Privatsphäre auch im Zeitalter der Digitalisierung zu bewahren.“

www.teamdrive.com


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