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Hackergruppe

Die Gaza-Cybergang, die nach heutiger Erkenntnis aus mehreren Gruppierungen mit unterschiedlichem Niveau besteht, hat im vergangenen Jahr eine Cyberspionageoperation durchgeführt, die sich gegen Einzelpersonen und Organisationen mit einem politischen Interesse an der Nahostregion richtete. 

  • Opfer aus Politik, Medien, Finanzwirtschaft, Bildung und Gesundheitswesen
  • Dank Kaspersky Lab konnten Strafverfolgungsbehörden Angriffsinfrastruktur teilweise zerstören

Dieses Ergebnis geht aus einer detaillierten Analyse von Kaspersky Lab hervor. Für die Kampagne ,SneakyPastes‘ nutzten die Angreifer Einweg-E-Mail-Adressen, um die Infektion durch Spear-Phishing zu verbreiten, bevor Malware mehrstufig über kostenlose Webseiten nachgeladen wurde. Dieser kostengünstige, aber effektive Ansatz ermöglichte es der Gang, rund 240 hochkarätige Opfer in 39 Ländern weltweit zu treffen – darunter unter anderem Ziele aus dem politischen und diplomatischen Bereich sowie Medien und Aktivisten. Kaspersky Lab hat die Forschungsergebnisse umgehend an die Strafverfolgungsbehörden weitergegeben, die so einen bedeutenden Teil der Angriffsinfrastruktur zerstören konnten.

Bei der Gaza Cybergang handelt es sich um ein arabischsprachiges, politisch motiviertes Kollektiv interagierender Gruppen von Cyberkriminellen, das sich – mit besonderem Fokus auf die palästinensischen Gebiete – aktiv gegen den Nahen Osten und Nordafrika richtet. Kaspersky Lab hat mindestens drei Gruppen innerhalb der Gang identifiziert, die ähnliche Absichten und Zielsetzungen verfolgen – Cyberspionage im Zusammenhang mit politischen Interessen im Nahen Osten –, dafür allerdings unterschiedliche Werkzeuge und Techniken einsetzen und über ungleiche Kompetenzlevel in ihrer Ausführung verfügen.

Zu den Gruppen gehören die beiden fortschrittlichen Einheiten Operation Parlament und Desert Falcons, die seit dem Jahr 2018 beziehungsweise 2015 bekannt sind, sowie eine unterstützende – weniger komplex agierende – Gruppe, auch bekannt als MoleRats, die seit mindestens 2012 aktiv ist. Im Frühjahr 2018 startete diese Basisgruppe die Operation SneakyPastes.

Cyberangriffe mit politischem Hintergrund

SneakyPastes begann mit, von politischen Themen motivierten, Phishing-Angriffen, die über einmalig nutzbare E-Mail-Adressen und Domains verbreitet wurden. Bösartige Links oder Anhänge, die entweder angeklickt oder heruntergeladen wurden, installierten die Schadsoftware dann auf dem Gerät des Opfers.

Um einer Erkennung zu entgehen und den Standort des Command-and-Control-Servers zu verbergen, wurde zusätzlich Malware über eine Reihe frei verfügbarer Seiten wie Pastebin und Github auf die betroffenen Geräte mehrstufig heruntergeladen. Die verschiedenen Malware-Typen verwendeten PowerShell, VBS, JS und dotnet, um die Widerstandsfähigkeit und Persistenz innerhalb der infizierten Systeme zu gewährleisten. Die letzte Stufe des Eindringens bestand in einem Remote Access Trojaner, der mit dem Command-and-Control-Server Kontakt aufnahm und eine breite Palette gestohlener Dokumente und Tabellen sammelte, komprimierte, verschlüsselte und hochlud. Der Name SneakyPastes leitet sich von der starken Nutzung von Paste-Sites durch die Angreifer ab, über die der Remote Access Trojaner schrittweise auf die angegriffenen Systeme übertragen wurde.

Erfolgreiche Zusammenarbeit mit den Behörden

Um den gesamten Zyklus der Angriffe und Kompromittierungen im Rahmen der Operation SneakyPastes aufzudecken, arbeiteten die Experten von Kaspersky Lab eng mit Strafverfolgungsbehörden zusammen. Dadurch konnten nicht nur ein detailliertes Verständnis hinsichtlich der Werkzeuge, Techniken und Ziele der Angreifer gewonnen, sondern auch ein wesentlicher Teil der – dieser Attacken zugrundeliegenden – Infrastruktur eliminiert werden.

Die Operation SneakyPastes war zwischen April und Mitte November 2018 am aktivsten und konzentrierte sich auf eine überschaubare Liste von Zielen, die diplomatische und staatliche Stellen, NGOs und Medien umfasste. Unter Heranziehung der Telemetrie von Kaspersky Lab und anderer Quellen konnte festgestellt werden, dass insgesamt rund 240 Einzelpersonen und Unternehmen in 39 Ländern weltweit betroffen waren; die Mehrheit davon in den palästinensischen Gebieten, Jordanien, Israel und dem Libanon. Unter den Opfern befinden sich Botschaften, Regierungsstellen, Medien und Journalisten, Aktivisten, politische Parteien und Einzelpersonen sowie Bildungseinrichtungen, Banken, Gesundheitsorganisationen und Vertragsunternehmen.

„Die Entdeckung der Desert Falcons im Jahr 2015 markierte einen Wendepunkt in der Bedrohungslandschaft, da es sich damals um die erste vollständig arabischsprachige APT handelte“, erklärt Amin Hasbini, Leiter des Middle East Research Center, Global Research and Analysis Team (GReAT) bei Kaspersky Lab. „Wir wissen heute, dass die Mutterorganisation Gaza Cybergang seit dem Jahr 2012 aktiv die Interessen des Nahen Ostens im Fokus hat. Es handelte sich dabei zunächst um die Aktivitäten eines nicht hochspezialisierten, aber unnachgiebigen Teams, das 2018 die Operation SneakyPastes begann. SneakyPastes zeigt, dass ein Mangel an Infrastruktur und fortschrittlicher Tools kein Hindernis für kriminellen Erfolg darstellt. Wir gehen davon aus, dass sich der von allen drei Gaza-Cybergang-Gruppen verursachte Schaden weiter vergrößern wird und sich die Angriffe auf andere Regionen ausdehnen werden, die mit der palästinensischen Problematik zu tun haben.“

Kaspersky-Produkte erkennen und blockieren die Bedrohung

Um nicht Opfer eines gezielten Angriffs durch bereits bekannte oder bisher unbekannte Bedrohungsakteure zu werden, empfehlen die Experten von Kaspersky Lab folgende Maßnahmen:

  • Verwenden fortschrittlicher Sicherheitstools wie der Kaspersky Anti Targeted Attack Platform. Dabei sollte sichergestellt sein, dass Sicherheitsteams stets Zugriff auf die neuesten Cyberbedrohungsinformationen haben.
     
  • In einem Unternehmen verwendete Software sollte stets auf dem aktuellsten Stand sein, insbesondere wenn ein neuer Sicherheitspatch veröffentlicht wird. Sicherheitsprodukte mit Schwachstellenanalyse und Patch-Management helfen dabei, diese Prozesse zu automatisieren.
     
  • Einsatz bewährter Sicherheitslösungen wie Kaspersky Endpoint Security for Business unterstützen verhaltensbasierte Erkennung und sorgen für effektiven Schutz vor bekannten und unbekannten Bedrohungen, einschließlich Exploits.
     
  • Mitarbeiter sollten die grundlegenden Regeln und Verhaltensweisen rund um das Thema Cybersicherheit beherrschen, da viele gezielte Angriffe mit Phishing oder anderen Social-Engineering-Taktiken beginnen.

Weitere Informationen:

Der detaillierte Bericht über die Operation SneakyPastes der Gaza Cybergang ist auf https://securelist.com/gaza-cybergang-group1-operation-sneakypastes/90068/ verfügbar.

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