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Central Bank Digital Currency CBCD

Central Bank Digital Currency (digitales Zentralbankgeld), CBDC – schon der Name verrät einiges über die neue Form des Geldes: Es wird von der Zentralbank ausgegeben und es ist digital.

Diese beiden Merkmale unterscheiden eine CBDC von bereits existierenden Geldformen. Welche Geldformen dies sind haben wir im Detail im ersten Teil dieser Artikelserie betrachtet. Doch warum beschäftigen sich laut Bank of International Settlement (BIS) Studie aktuell über 90 Zentralbanken mit dem Thema.

„Die Einführung von digitalem Zentralbankgeld ist jedoch kein Selbstzweck. Zentralbanken können sich aus ganz unterschiedlichen Gründen entschließen, digitales Zentralbankgeld einzuführen.“, sagte Jens Weidmann, Präsident der Bundesbank, in seiner Eröffnungsrede anlässlich der digitalen Konferenz „Fintech and the global payments landscape – exploring new horizons“ im September 2021.
 

Cumulative CBCD project score

Bild 1: Mehr als 90 Zentralbanken beschäftigen sich bereits mit Digitalem Zentralbankgeld. (Quellen: R Auer, G Cornelli and J Frost (2020), “Rise of the central bank digital currencies: drivers, approaches and technologies”, BIS working papers, No 880, August; central banks’ websites)


Welche Treiber haben die Zentralbanken und welche Befürchtungen hemmen sie bei der Entwicklung einer CBDC, mit diesen Fragen werden wir uns nun in diesem zweiten Teil der Serie beschäftigen.

Jens Weidmann hat bereits den ersten Hinweis geliefert:

„Zentralbanken können sich aus ganz unterschiedlichen Gründen entschließen, digitales Zentralbankgeld einzuführen.“


Welche Gründe können dies sein?

Laut einer Untersuchung der BIS von Januar 2021 unterscheiden sich die Treiber der Schwellenländern (EMDE, emerging markets & developing countries) von denen der entwickelten Länder (AE, advanced economies).
 

Motivations for issuing an retail CBCD

Bild 2: Die Motivatoren, digitales Zentralbankgeld einzufühen, unterscheiden sich bei Schwellenländern und entwickelten Ländern.

 

Schwellenländer - Finanzielle Inklusion der Bürger

Die größte Motivation von Schwellenländern bei der Einführung einer CBDC ist die finanzielle Inklusion der Bürger. Schwellenländer haben häufig kein ausgereiftes Bankensystem. Dies bedeutet, dass die Bürger keinen Zugang zu Bankkonten haben und somit auch von Finanzdienstleistungen ausgeschlossen werden. Laut Weltbank waren 2017 noch 1,7 Milliarden erwachsene Menschen „unbanked“. Durch die Ausgabe einer digitalen Währung durch die Zentralbank direkt an die Bürger könnte dem entgegengewirkt werden.

Der Aufbau eines integrativeren digitalen Zahlungsverkehrssystems und die damit verbundene Schaffung von Finanzdaten-Identitäten, ermöglicht den sogenannten „unbanked people“ leichter z.B. staatliche Hilfe zu erhalten, Überweisungen zu senden und zu empfangen, Versicherungen abzuschließen oder sie vor nicht vertrauenswürdigen Kreditgebern zu schützen. Positive Nebeneffekte sind zudem die Förderung von finanzieller Bildung, weniger Möglichkeiten und mehr Transparenz und Sicherheit für die Bürger.

Wenn Sie sich nun die Frage stellen, ob denn jeder Bürger Internet zur Verfügung hat bzw. in welcher Form das Geld ausgegeben wird. Tatsächlich besitzen über 80% der Bevölkerung in Schwellenländern einem Mobiltelefon und auch die Internetabdeckung liegt bei über 65% . So könnten die Bürger z.B. über eine von der Zentralbank ausgegebene Wallet-App auf ihr digitales Zentralbankgeld zugreifen.


Industrieländer - Währungsstabilität und Stabilität der Finanzmärkte

Und wie sieht es nun in Industrieländer mit bereits etablierten Finanzinfrastrukturen aus?

„Heute möchte ich argumentieren, dass die Währungsstabilität und das reibungslose Funktionieren der Zahlungssysteme letztendlich davon abhängen, dass jeder in großem Umfang auf Staatsgeld zugreifen und es verwenden kann. Und es gibt keinen Grund, warum dies im digitalen Zeitalter nicht gelten sollte.“, sagte Fabio Panetta, Mitglied des Direktoriums der EZB, beim Madrider Elcano Royal Institute am 05.11.2021 in seiner Rede.

Fabio Panetta spricht hier schon einige der Motivatoren entwickelter Länder an. Bei den Zentralbanken von Industrieländern sind die Haupttreiber die Währungsstabilität und die damit einhergehende Stabilität der Finanzmärkte. Beide Aspekte werden durch neue Technologien und Akteure im Markt stark beeinflusst.

Das Angebot digitaler alternativer Zahlungsmöglichkeiten wächst stetig:

  1. Private Zahlungsanbietern wie z.B. Mastercard, VISA oder Paypal, bieten dem Bürger die Möglichkeit digital zu zahlen. Zahlungen über die Plattformen sind jedoch nicht anonym. Meist können die Nutzerdaten sogar zur Weiterverarbeitung für z.B. Werbezwecke verwendet werden. Zudem sind viele Zahlungsanbieter – zumindest für Händler– kostenpflichtig. Es stellt sich daher immer die Frage: Sobald ein privates Unternehmen hinter dem Angebot steht, womit verdient das Unternehmen sein Geld?
     
  2. Das Aufkommen von Stablecoins, insbesondere Diem, dem Stablecoin von Meta Plattforms (vormals Facebook Inc.), hat weltweit einen Weckruf bei den Zentralbanken zur Folge gehabt. Sollte ein Stablecoin - also digitales Geld, das durch Zentralbankgeld gedeckt ist - ausgegeben werden, wäre dies eine digitale Alternative zu physischem Bargeld für den Bürger?
     
  3. Schon im Jahr 2013 hat die chinesische Regierung angekündigt eine digitale Währung ausgeben zu wollen, seit 2017 arbeiten sie daran und nun soll der eYuan 2022 während der Olympischen Spiele emittiert werden. Wenn nun tatsächlich eine starke Nationalwährung in digitaler Form erscheint, könnte sie eine Alternative zur eigenen nicht digitalen Währung für Bürger und Industrie aus dem eigenen Land werden?
     

Steigende Nachfrage nach digitalen Zahlungsmöglichkeiten

Parallel dazu wächst die Nachfrage nach digitalen Zahlungsmöglichkeiten, sowohl in der Bevölkerung als auch in der Wirtschaft.

Während der Corona-Pandemie ist die Nutzung des Bargeldes für Zahlungen zurückgegangen. Die Bürger haben angefangen digital zu zahlen und sich mit den verschiedenen bargeldlosen Zahlungsmöglichkeiten auseinanderzusetzen.

Zudem fordert die Industrie eine Möglichkeit, Zahlungen im Bereich Internet of Things (IoT) zu integrieren . Um bei der digitalen Revolution die nächsten Schritte gehen zu können, fordert sie programmierbares Geld. So sollen z.B. Maschine-zu-Maschine (M2M) Zahlungen oder Micropayments möglich gemacht werden.

Es stellt sich die Frage, ob sich neue Zahlungsformen bzw. digitale Alternativwährungen im Heimatland der Zentralbank etablieren könnten, wenn die Zentralbank selber keine digitale Version ihrer Währung anbietet.

Wie sie sehen, können die Gründe für die Einführung einer CBDC sehr unterschiedlich sein. Noch prüfen über die Hälfte der über 90 Zentralbanken, wie stark die oben genannten Punkte eine Rolle spielen.

Denn den Argumenten für eine CBDC stehen die Herausforderungen gegenüber:

  1. Wie kann eine CBDC ausgestaltet sein?
     
  2. Können wir uns vor Cyberattacken schützen?
     
  3. Wie schaffen wir Akzeptanz in der Bevölkerung?
     
  4. Welche Kosten kommen auf uns zu?

Es gibt viele Herausforderungen bei der Entwicklung einer CBDC, daher muss die Zentralbank abwägen, welchen Nutzen die CBDC gegenüber den Kosten und Gefahren hätte. Die Akzeptanz und Nutzbarkeit der Währung in der Bevölkerung und Industrie ist entscheidend für die erfolgreiche Umsetzung einer digitalen Zentralbankwährung.

„Dessen (Anmerkung: der CBDC) Ausgestaltung wird maßgeblich von der angestrebten Funktionalität abhängen („form follows function“). Dementsprechend kann es sein, dass zukünftiges digitales Zentralbankgeld in verschiedenen Währungsräumen unterschiedliche Formen und Funktionen aufweisen wird“, sagte Jens Weidmann, Präsident der Bundesbank, in seiner Eröffnungsrede anlässlich der digitalen Konferenz „Fintech and the global payments landscape – exploring new horizons“ im September 2021.

Welche Funktionalitäten und daraus resultierenden Formen der CBDC von den Zentralbanken betrachtet werden, lesen Sie im dritten Teil der Artikelserie.

 


Diese Serie besteht aus vier Teilen:

Teil 1. Was ist eine CBDC im Vergleich zu Giralgeld, Bargeld, Bitcoin & Co?

Teil 2. Motivatoren der Zentralbanken

Teil 3. Funktionalitäten und daraus resultierenden Formen der CBDC

Teil 4. Welche CBDC Leuchtturmprojekte gibt es?



Literaturquellen:

https://www.it-daily.net/it-management/digitalisierung/31089-central-bank-digital-currency-worueber-redet-die-welt

https://www.bis.org/publ/work880.htm, Update Oktober 2021

https://www.bundesbank.de/de/presse/reden/ueberlegungen-zu-einem-digitalen-euro-875460

BIS Papers No 114 Ready, steady, go? – Results of the third BIS survey on central bank digital currency, Januar 2021

https://ufa.worldbank.org/en/ufa

https://www.pewresearch.org/global/2019/02/05/digital-connectivity-growing-rapidly-in-emerging-economies/

https://de.wikipedia.org/wiki/Diem_(Internetw%C3%A4hrung)

https://www.ecb.europa.eu/pub/pdf/other/ecb.spacereport202012~bb2038bbb6.en.pdf?05ce2c97d994fbcf1c93213ca04347dd

https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Pressemitteilungen/Finanzpolitik/2020/12/2020-12-21-geld-in-programmierbaren-anwendungen.pdf?__blob=publicationFile&v=1

https://www.bundesbank.de/de/presse/reden/ueberlegungen-zu-einem-digitalen-euro-875460
 

Anne-Sophie Gógl, DLT Talent
Anne-Sophie Gógl
DLT Talent, Distributed Ledger Technologie (DLT)
Anne-Sophie Gógl, D€A Fellow (Digital Euro Association D€A), Distributed Ledger Technologie (DLT) und Central Bank Digital Currency (CBDC) Enthusiast 

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