Owned oder Shared: Welches Rechenzentrum zu welchem Unternehmen passt

Rechenzentrum

Rechenzentren sind entscheidend für den Erfolg und die Performance eines Unternehmens. Die heutige Data-Center-Landschaft ist sehr vielfältig – es gibt verschiedene Möglichkeiten und Modelle für Unternehmen, um auf die Ressourcen von Rechenzentren zuzugreifen. Um die richtige Entscheidung zu treffen, ist es wichtig, sich im Vorfeld ausreichend über die unterschiedlichen Lösungen zu informieren. Zu den Auswahlkriterien zählen hierbei der Serverbedarf, die Stromversorgung oder auch die Kühlinfrastruktur. 

Vor allem große Unternehmen stehen vor der Frage, ob sie Rechenzentrumskapazitäten anmieten oder gleich ein eigenes Data Center bauen sollen. Ein Hindernis bei der Entscheidung ist dabei oft fehlendes Wissen über den Immobilientyp „Rechenzentrum“. Laut PwC verfügen 41 Prozent über schlechte bis sehr schlechte Kenntnisse dieser Spezialimmobilien. Dabei liegen die Renditenerwartungen sogar über herkömmlichen Wohn- und Büroimmobilien. Immer mehr Investoren und Rechenzentrumsbetreiber legen ihren Fokus deshalb auf Deutschland. 

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Auslagerung zu Colocation-Anbietern

Für kleine und mittlere Unternehmen der IT-Branche lohnt es sich meist, auf gemeinsam genutzte Data Center zurückzugreifen. Bei den sogenannten Colocation-Rechenzentren werden je nach benötigter Kapazität Racks bei einem Colocation-Betreiber angemietet. Die Kosten sind individuell anpassbar und überschaubar. Die Geräte der Kunden werden in getrennten Rechenzentren mit erhöhten Sicherheitsstandards in separaten Cages oder sogar komplett getrennten Räumen betrieben. Häufig ist es aber auch möglich, nur ein halbes oder Viertel Rack zu mieten. Kunden profitieren dabei von einer hohen Anzahl an Netzbetreibern und daraus resultierenden Datenübertragungsraten. So können Unternehmen mit geringer Komplexität und zu geringen Kosten skalieren und expandieren. Besonders nützlich ist dies für Unternehmen, die noch nicht wissen, welche und wie viel Kapazität sie tatsächlich benötigen. Darüber hinaus erbringt der Colocation-Anbieter Infrastrukturdienste und Betriebsunterstützung für die gemietete Hardware des Kunden. Dazu gehören Servicearbeiten an den Geräten, Patch- und Cross-Connect-Dienste, der Einlass von Besuchern und Servicepersonal sowie Projekt- und Logistikdienste. Auch das Sicherheitspersonal wird vom Colocation-Anbieter gestellt.

Diese Art von Rechenzentrum schafft jedoch eine Abhängigkeit vom Betreiber. Die Kunden sind an die Rechtsform und die Eigentumsverhältnisse des Betreibers gebunden. Dazu gehören auch Aspekte der Nachhaltigkeit sowie Vertragsbedingungen und Datenschutz. Auch die Entfernung des genutzten Rechenzentrums spielt für kritische Internetdienste wie IoT-Geräte eine große Rolle. Je größer die Entfernung, desto höher ist das Risiko von Latenzzeiten und Verzögerungen bei der Kommunikation. Ebenso besteht bei einem einzigen, zentral gelegten Data Center die Gefahr, dass es während den Stoßzeiten zu Verzögerungen für alle Nutzer kommen kann. Dies führt auch zu einem erhöhten Risiko eines Totalausfalls, wenn der Datenverkehr die Kapazität des Rechenzentrums übersteigt. 

Owned Data Center

Unternehmenseigene Rechenzentren werden von der Organisation selbst als private Einrichtung gebaut und betrieben. Diese Rechenzentren können sich entweder direkt im Unternehmen oder auch außerhalb befinden. Die Wahl des Standorts richtet sich in der Regel nach den Kriterien Konnektivität, Art der Stromversorgung und Sicherheit.

Insbesondere große Tech-Konzerne setzen zunehmend auf unternehmenseigene Rechenzentren. 

Diese haben den Vorteil, dass sie vollständig auf die Bedürfnisse und Anforderungen der Unternehmen zugeschnitten sind. Daher sind sie mit allen Softwareanwendungen und internen Prozessen kompatibel. Unternehmen, die spezielle Netzwerkanforderungen haben oder von einem hohen Umsatz ausgehen, profitieren von der kalkulierbaren Skalierbarkeit. Unternehmen, die selbst bauen, können sich außerdem umfassende Überwachungssysteme installieren lassen. Das sorgt für Transparenz der eigenen Bandbreiten- und Stromnutzung und erleichtert das Monitoring der meistgenutzten Tools. Somit lässt sich der Kapazitätsbedarf leichter ermitteln und anpassen. Außerdem verbleiben die Unternehmensdaten innerhalb des eigenen Betriebs und werden nicht bei Dritten gespeichert. Dies erhöht die Datensicherheit und macht eigene Rechenzentren insbesondere für öffentliche Einrichtungen und politische Institutionen nahezu unverzichtbar. Gerade für datenintensive Prozesse wie computergestützte Design-Anwendungen, Industrie 4.0 oder Machine-Learning-Prozesse ist ein Rechenzentrum vor Ort sinnvoll, um Latenzzeiten gering zu halten und Prozesse effizient zu gestalten.

Der Bau und die Ausstattung eines eigenen Rechenzentrums erfordert jedoch erhebliche Investitionen und verursacht laufende Wartungskosten. Vor allem für kleinere Unternehmen ist dies eine große finanzielle Belastung, wenn sie wettbewerbsfähig bleiben wollen. 

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Unternehmensgröße ist maßgeblich

Ob ein Unternehmen ein eigenes Rechenzentrum bauen oder lieber Racks bei einem Colocation-Anbieter mieten sollte, hängt von verschiedenen Faktoren ab – vor allem aber von der Unternehmensgröße und -ausrichtung. Große Unternehmen und öffentliche Einrichtungen, die strenge Sicherheitsstandards und hohe Compliance-Richtlinien einhalten müssen sowie auf Datenschutzbestimmungen angewiesen sind, sollten die Investition in ein eigenes Rechenzentrum durchaus in Betracht ziehen. Angesichts der hohen Investition sollte vorab sichergestellt sein, dass ein eigenes Rechenzentrum für die individuellen Geschäftsziele eine langfristig tragbare Anlage ist. 

Kleinere Unternehmen hingegen profitieren vor allem von der Unterstützung und dem Know-how der Colocation-Anbieter. Diese bieten ein umfassendes Angebot an Beratung, Infrastruktur und Sicherheit. Selbst wenn ein Unternehmen einen unvorhersehbaren Wachstumsschub erfährt, sind die Colocation-Rechenzentren schnell skalierbar. Diese sind jedoch nur begrenzt flexibel und führen dazu, dass interne Unternehmensdaten bei Dritten gespeichert werden.

Peter Pohlschröder

Peter Pohlschröder

NDC-GARBE -

Geschäftsführer, Finanzen & Recht

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