Green IT

Häufig nicht im Blick: Die Energieeffizienz von Softwarekomponenten

Nicht immer sind es nur die auf den ersten Blick großen Projekte, die zum Energieverbrauch und CO2-Ausstoß eines Unternehmens beitragen. Unternehmen sollten bei ihren „Green IT“-Initiativen auch den Energieverbrauch von einzelnen IT-Komponenten nicht aus den Augen verlieren – häufig kann eine genauere Überprüfung hier ungenutzte Potenziale aufzeigen.

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Laut einer aktuellen Bitkom-Studie (Rechenzentren in Deutschland Aktuelle Marktentwicklungen, Stand 2022) stieg der Energiebedarf von Rechenzentren und kleineren IT-Installationen in Deutschland von 2010 bis 2020 von 10,5 Mrd. kWh/a auf 16 Mrd. kWh/a. Der Untersuchung zufolge ging diese Entwicklung zugleich aber auch mit einer deutlichen Steigerung der Effizienz von Rechenzentren einher: Gemessen in installierten Workloads (deren Zahl sich im gleichen Zeitraum mehr als verachtfacht hat) ist die Energieeffizienz der IT-Bereitstellung in diesem Zeitraum um fast den Faktor 5 angestiegen. Das ist zwar prinzipiell positiv – klar ist aber auch: Die IT-Kapazitäten und damit ihr Verbrauch werden sich mit dem Voranschreiten der Digitalisierung weiter erhöhen. Auch wenn sich bereits kleinere Erfolge einer steigenden Energieeffizienz zeigen, dürfen Unternehmen daher nicht stehenbleiben, sondern müssen kontinuierlich nach weiteren Optimierungsmöglichkeiten suchen.

Das große Ziel: Klimaneutralität – nur für die Großen?

Denn der Klimawandel, der jede und jeden von uns betrifft, und auch die aktuelle politische Situation lassen keine Ausreden zu: Jetzt muss sich wirklich jedes Unternehmen mit allen Mitteln der Reduzierung des eigenen Energieverbrauchs beschäftigen. Zum Glück tun dies viele bereits – fast jede Woche bekennt sich ein weiterer Konzern zur Erreichung der Klimaneutralität in den nächsten 10 bis 30 Jahren. Im Mittelpunkt stehen bei solchen Ankündigungen allerdings meist großangelegte Projekte – wie z.B. das Vorantreiben einer umfassenden Kreislaufwirtschaft, Recyclingprozessen im Rahmen der Produktion sowie das Senken des Energieverbrauchs in Unternehmensgebäuden und bei technischen Anlagen wie Rechenzentren. Kleinere Unternehmen haben leider nur selten die finanziellen Möglichkeiten, ihren Energieverbrauch durch solche aufwändigen Projekte in kurzer Zeit zu reduzieren.

Auch kleine Einsparungen zeigen in Summe Wirkung

Es gibt jedoch auch jenseits solcher häufig mit einigem Investitionsaufwand verbundenen Projekten vielfältige Möglichkeiten, ungenutzte Potenziale aufzuspüren, mit denen im normalen IT-Alltag Energie gespart und Emissionen gesenkt werden können. Neben der Verlagerung von Geschäftsreisen hin zu virtuellen Konferenzen oder der Optimierung von Logistik und Transportwegen zählt dazu auch das Prinzip „Second Hand“, das zunehmend auch auf die Elektronik- und IT-Branche übertragen wird. Dabei geht es um den Einsatz möglichst umweltfreundlicher Hardware mit langen Produktlebenszyklen, die sich zu einem großen Anteil recyceln und so wiederverwenden und zudem fachgerecht entsorgen lässt. Experten bescheinigen auch der Nutzung energieeffizienter Hard- und Software großes Potenzial. Denn beim Blick auf das große Ganze vergisst man leicht, dass Nachhaltigkeit im Unternehmen auch bedeutet, den alltäglichen Energieverbrauch der eigenen IT-Infrastruktur unter die Lupe zu nehmen.

Jeder IT-Arbeitsplatz, jede IT-Komponente, jede Servernutzung verbraucht Energie – und diese lässt sich mit einfachen Maßnahmen erfassen, überprüfen und dann entsprechend optimieren. Auch wenn im Vergleich zu großen Initiativen die resultierenden Einsparungen eventuell gering erscheint, sorgen auch kleinere Beiträge – konsequent und flächendeckend angewendet – in Summe für einen bemerkbaren Effekt – selbst in Unternehmen mit kleineren Teams. Daher sollte auch das Überprüfen und Optimieren des Stromverbrauchs der IT zur normalen Routine werden, um die eigene Energiebilanz schnell und wirksam zu beeinflussen.

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Integration von Energie-Management in bestehende UEM Lösungen

Viele Unternehmen nutzen für die zentrale und einheitliche Verwaltung ihrer Endgeräte bereits automatisierte Lösungen – meist ist dafür Unified Endpoint Management (UEM) im Einsatz. Diese Lösungen erlauben eine automatisierte Inventarisierung und Bestandsverwaltung der im Unternehmen eingesetzten Hard- und Software. Idealerweise integrieren sie hierbei sowohl stationäre als auch mobile Endpoints. Ein weiterer großer Vorteil solcher Lösungen ist aber: Einige Anbieter haben diese in den letzten Jahren mit spezifischen Energie-Management-Tools ergänzt. Die Tools messen dabei die jeweiligen Laufzeiten der Geräte. Sie erfassen dazu nicht nur Rechner, sondern auch Peripheriegeräte wie Monitore, Drucker und andere Systeme inkl. deren Betriebs- und Stand-By-Zeiten.

Aufspüren von versteckten Energiefressern

Wollen Unternehmen die Energieeffizienz ihrer IT-Komponenten messen und überprüfen, ist es wichtig, dass das von ihnen eingesetzte Energie-Management-Tool die im Monitoring analysierten Daten auch vergleichen kann, um zum Beispiel abzuschätzen, wie unterschiedliche Komponenten im Energieverbrauch abschneiden. Mithilfe der ausgewerteten Daten lassen sich dann entsprechende Schritte einleiten, wie z. B. nicht benötigte Geräte herunterzufahren oder zumindest in den energieeffizienteren Stand-By-Modus zu versetzen, wenn sie gerade nicht benötigt werden. Über die Analysefunktionen in solchen Tools kann dann auch sichtbar gemacht werden, ob sich die Geräteanzahl pro Mitarbeiter verringern lässt – z. B. indem sich etwa mehrere Kollegen einen Multifunktionsdrucker oder ein anderes Kombigerät teilen. Die Tools liefern dafür anonymisierte Reports, auf deren Basis IT-Teams den Energiezustand ihrer IT-Infrastruktur und einzelner Komponenten interpretieren und entsprechende Optimierungspläne definieren können. So können sich beispielsweise manchmal schon kleine Veränderungen bei Nutzungszeiten im Energieverbrauch bemerkbar machen. Auch Energierichtlinien lassen sich so automatisiert auf die im Unternehmen eingesetzten Clients und Geräte einzeln oder in Gruppen verteilen.

Auch kleinere und mittelgroße Unternehmen können mit Tools für das kontinuierliche Monitoring des Energieverbrauchs ihre Green-IT-Maßnahmen schnell und mit geringem Aufwand erweitern – und gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Denn das Aufspüren ungenutzter Potenziale hilft nicht nur der Umwelt, sondern spart auch bares Geld.

Robert Klinger

baramundi -

Senior Product Manager

Robert Klinger ist Senior Product Manager bei der baramundi software AG. Er startete seine Laufbahn als Entwickler im Bereich Software-Consulting, bevor er ins Produktmanagement wechselte. Bei baramundi beschäftigt er sich schwerpunktmäßig mit dem Bereich Cloud-Computing und ist auch Ansprechpartner für die baramundi Community Portale.
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