Laut Bitkom-Studie wächst die KI-Kapazität in Deutschland bis 2035 auf 5,3 Gigawatt. USA und China bauen ihre Kapazitäten jedoch deutlich stärker aus.
Rechenzentren: Rekordinvestitionen von 23,5 Milliarden Euro

Die Investitionen in Rechenzentren in Deutschland steigen 2026 um 57 Prozent auf den Rekordwert von 23,5 Milliarden Euro. Im Vorjahr waren es 15 Milliarden Euro, 2024 12,9 Milliarden Euro. Rund 18 Milliarden Euro entfallen auf IT-Hardware wie Server und Speicher, 5,5 Milliarden Euro auf Gebäude und Gebäudetechnik. Das zeigt die Studie „Rechenzentren in Deutschland 2026″, die das Borderstep Institut im Auftrag des Digitalverbands Bitkom erstellt hat.
KI braucht bald mehr als die Hälfte der Kapazität
Die gesamte IT-Anschlussleistung der Rechenzentren in Deutschland liegt 2026 bei 3.300 Megawatt, 2015 waren es 1.660 Megawatt. Bis 2035 soll sie sich auf rund 9.700 Megawatt verdreifachen. Treiber ist vor allem KI. Der Anteil der Kapazität für KI und Hochleistungsrechnen (HPC) steigt laut Studie von 20 Prozent im Jahr 2026 auf 36 Prozent im Jahr 2030 und 55 Prozent im Jahr 2035.
In absoluten Zahlen wächst die KI-Kapazität von 670 Megawatt auf mehr als 2.100 und schließlich 5.300 Megawatt. Befragte Betreiber und Fachleute erwarten, dass in Deutschland vor allem kleinere KI-Modelle trainiert werden (68 Prozent) und das Land eine besondere Rolle bei KI in Maschinen und industriellen Prozessen spielen kann (46 Prozent).

USA und China weit voraus
In Europa ist Deutschland der größte Standort, vor Großbritannien mit 2,9 Gigawatt, Frankreich mit 2,0 und Irland mit 1,7 Gigawatt. International verschiebt sich das Verhältnis jedoch. Die USA verfügten 2025 bereits über rund 47 Gigawatt, China über 22 Gigawatt. Bis 2035 erwartet die Studie für die USA 160 Gigawatt, für China 90 Gigawatt und für Europa insgesamt 37 Gigawatt.
„Der KI-Wettbewerb ist auch ein Wettbewerb um Rechenleistung. Wer bei der Infrastruktur zurückfällt, verliert auch bei KI schnell den Anschluss.”
Ralf Wintergerst, Bitkom-Präsident
Hessen vorn, Brandenburg holt auf
Hessen bleibt mit rund 1.200 Megawatt der größte Standort, vor Bayern mit 440 und Nordrhein-Westfalen mit 390 Megawatt. In Hessen sind weitere 2.000 Megawatt im Bau. Am stärksten wächst Brandenburg: Dort sind 1.301 Megawatt im Bau, bei derzeit rund 104 Megawatt. In Deutschland gibt es gut 2.000 Rechenzentren mit mehr als 100 Kilowatt Anschlussleistung, darunter rund 100 große mit mehr als 5 Megawatt. Diese vereinen 52 Prozent der Kapazität.

Effizienter, aber mehr Strombedarf
Rechenzentren und kleinere IT-Installationen benötigen 2026 rund 23 Milliarden Kilowattstunden Strom. Für 2030 erwartet die Studie 35 bis 38 Milliarden, für 2035 56 bis 70 Milliarden Kilowattstunden. Der durchschnittliche PUE-Wert sank von 1,63 im Jahr 2020 auf 1,42. Der Wert für den Wasserverbrauch (WUE) der im EU-Register erfassten deutschen Rechenzentren fiel von 0,55 im Jahr 2023 auf 0,4 im Jahr 2025.
Für 2030 prognostiziert die Studie 5.500 Megawatt Anschlussleistung. Das Ziel der Bundesregierung liegt bei rund 6.000 Megawatt. Der Bitkom fordert günstigeren Strom, einen schnelleren Netzausbau, mehr geeignete Flächen und schnellere Genehmigungen. Zudem solle das Energieeffizienzgesetz die tatsächlichen Einflussmöglichkeiten der Betreiber berücksichtigen und die Abwärmenutzung besser in die kommunale Wärmeplanung eingebunden werden.

(red/Bitkom)




