Probleme beim internationalen Datentransfer

10 Jahre DS-GVO: Wachsende Bürokratie und KI-Hürden belasten Wirtschaft

Datenschutz, DSGVO, Europa

Eine Langzeitstudie des Digitalverbands Bitkom zeigt, dass die DS-GVO zwar etabliert ist, die bürokratischen Hürden für Unternehmen jedoch massiv steigen.

Zehn Jahre nach dem Inkrafttreten der europäischen Datenschutz-Grundverordnung am 24. Mai 2016 zieht der Digitalverband Bitkom eine umfassende Bilanz über die Auswirkungen des Regelwerks auf die deutsche Wirtschaft. Die Erhebung basiert auf einer repräsentativen Langzeitbefragung von 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten aus allen Branchen in Deutschland. Der am 22. Mai 2026 veröffentlichte Studienbericht zeigt ein zweigeteiltes Bild.

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Einerseits hat sich das Bewusstsein für den Schutz personenbezogener Daten fest in den Strukturen und Prozessen der hiesigen Wirtschaft verankert. Andererseits klagen die betroffenen Betriebe über einen kontinuierlich ansteigenden bürokratischen Aufwand, eine wachsende Komplexität bei der Implementierung im Alltag sowie eine anhaltende Rechtsunsicherheit. Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst betonte bei der Vorstellung des Berichts, dass sich die ursprünglichen Erwartungen an eine Vereinfachung und Vereinheitlichung der Wettbewerbsbedingungen in Europa nach der anfänglichen Umstellungsphase nicht erfüllt haben.

Hohe Umsetzungsquote bei gleichzeitig steigender Belastung

Der statistische Rückblick verdeutlicht die immense Entwicklung bei der praktischen Anwendung des Regelwerks. Kurz vor dem offiziellen Beginn der Anwendbarkeit im Frühjahr 2018 gaben lediglich 7 Prozent der befragten Betriebe an, die gesetzlichen Vorgaben vollständig oder größtenteils umgesetzt zu haben. Bis zum Jahr 2024 ist dieser Anteil auf 71 Prozent gestiegen. Parallel zu diesem Anstieg hat sich jedoch die Wahrnehmung der gesetzlichen Vorschriften als betriebliche Belastung drastisch verschärft. Im Jahr 2016 vertrat erst ein Viertel der Unternehmen die Ansicht, dass die neuen Regeln ihre internen Geschäftsprozesse komplizierter machen. Bis zum Jahr 2025 ist dieser Wert auf 81 Prozent angewachsen.

Der administrative und finanzielle Aufwand wird von den Verantwortlichen in den Unternehmen nahezu flächendeckend als gravierend eingestuft. Insgesamt 84 Prozent der befragten Firmen gaben im Jahr 2024 an, dass der personelle und zeitliche Aufwand für die Einhaltung des Datenschutzes seit der Einführung kontinuierlich zugenommen hat. Im Jahr 2025 bewerten 97 Prozent der Betriebe diesen Aufwand pauschal als hoch, wobei 44 Prozent die Belastung sogar als sehr hoch klassifizieren.

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Diese Entwicklung spiegelt sich auch in der gesellschaftspolitischen Bewertung wider. Beklagten im Jahr 2020 noch 40 Prozent der Betriebe, dass in Deutschland bei der Auslegung der Regeln übertrieben werde, hat sich dieser Anteil bis zum Jahr 2025 auf 72 Prozent nahezu verdoppelt. Eine große Mehrheit von 86 Prozent der Befragten geht zudem davon aus, dass die Umsetzung der Vorgaben eine permanente Daueraufgabe bleibt, da fortlaufend auf neue technische Innovationen und rechtliche Anpassungen reagiert werden muss.

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Herausforderungen durch künstliche Intelligenz und Datenpools

Mit der rasanten Verbreitung von künstlicher Intelligenz steht das europäische Datenschutzrecht vor einer neuen Bewährungsprobe. Zwar betrachten 59 Prozent der Unternehmen die strengen europäischen Standards im internationalen Vergleich grundsätzlich als potenziellen Vorteil für die Entwicklung von vertrauenswürdigen KI-Systemen in Deutschland und Europa, die betriebliche Realität im Jahr 2026 steht dazu jedoch in einem deutlichen Kontrast. Zwei Drittel der befragten Unternehmen, genauer 69 Prozent, gaben im Jahr 2025 an, dass die restriktive Auslegung der Datenschutzvorgaben das Training von KI-Modellen mit ausreichend großen Datenmengen erheblich erschwert. Im Jahr 2023 lag dieser Anteil noch bei 42 Prozent.

Diese regulatorischen Hürden führen nach Ansicht von 63 Prozent der Befragten dazu, dass forschende und entwickelnde KI-Unternehmen systematisch aus der Europäischen Union vertrieben werden. Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Aufbau von zentralen Datenpools, die als fundamentale technologische Grundlage für moderne KI- und Datenanalyseanwendungen dienen. Hier berichten 59 Prozent der Unternehmen, dass entsprechende Projekte direkt an den strengen rechtlichen Vorgaben gescheitert sind oder aus Angst vor Sanktionen gar nicht erst initiiert wurden.

Dies stellt einen deutlichen Anstieg im Vergleich zum Jahr 2020 dar, als dieser Wert noch bei 41 Prozent lag. Bitkom fordert vor diesem Hintergrund eine grundlegende Reform hin zu einer konsequenten Risikoorientierung und drängt darauf, das geplante europäische Digitalomnibus-Verfahren zu nutzen, um ein einheitliches Verständnis für das rechtssichere Training und den Betrieb von KI-Systemen in Europa zu etablieren.

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Probleme beim internationalen Datentransfer und Fachkräftemangel

Ein weiteres ungelöstes Kernproblem für die international vernetzte Wirtschaft bleibt der rechtssichere Transfer von Daten über die europäischen Außengrenzen hinweg. Trotz verschiedener politischer Abkommen übermitteln im Jahr 2025 weiterhin 61 Prozent der deutschen Unternehmen personenbezogene Daten in die USA, womit die Vereinigten Staaten das mit Abstand wichtigste Drittland für den globalen Datenaustausch darstellen.

Die Forderung an die Politik, endlich langfristig tragfähige und rechtssichere Lösungen für den internationalen Datentransfer bereitzustellen, hat sich massiv verstärkt. Wünschten sich im Jahr 2021 lediglich 32 Prozent der Firmen entsprechende Maßnahmen, ist dieser Anteil bis zum Jahr 2025 auf 71 Prozent gestiegen. Verschärft wird diese Situation durch eine anhaltende Rechtsunsicherheit. Während im Jahr 2017 nur 35 Prozent die Unklarheit über die genauen Anforderungen als große Herausforderung nannten, stieg dieser Wert bis zum Jahr 2025 auf 82 Prozent an.

Gleichzeitig leidet die Umsetzung des betrieblichen Datenschutzes zunehmend unter einem eklatanten Mangel an qualifizierten Experten. Im Jahr 2025 beklagen 38 Prozent der befragten Unternehmen, dass sie offene Stellen für Datenschutzbeauftragte und spezialisierte Juristen oder IT-Sicherheitskräfte nicht adäquat besetzen können. Dies stellt den höchsten jemals gemessenen Wert in der gesamten zehnjährigen Zeitreihe dar. Zum Vergleich: Im Jahr 2022 lag die Quote des Fachkräftemangels in diesem Bereich noch bei 24 Prozent. Die Personalknappheit erschwert es den Betrieben zusätzlich, die komplexen Anforderungen fristgerecht und rechtssicher in die bestehenden IT-Infrastrukturen zu integrieren.

Gemischte Bilanz der staatlichen Aufsichtsbehörden zur DS-GVO

Die Zusammenarbeit zwischen der Wirtschaft und den staatlichen Datenschutzaufsichtsbehörden zeigt ein geteiltes Bild. Die Inanspruchnahme von behördlichen Unterstützungsangeboten ist im Laufe der Jahre kontinuierlich gestiegen. Im Jahr 2024 nutzten oder beantragten 86 Prozent der Unternehmen offizielle Hilfestellungen, Leitfäden oder konkrete Anfragen bei den zuständigen Aufsichtsbehörden, nach 82 Prozent im Jahr 2022.

Die Qualität und Praxistauglichkeit dieser behördlichen Unterstützung wird von den Anwendern jedoch kritisch bewertet. Nur 36 Prozent der Unternehmen zeigten sich in der letzten Befragung mit den angebotenen Hilfestellungen der Behörden zufrieden. Dies unterstreicht aus Sicht der Wirtschaft den dringenden Nachbesserungsbedarf bei der Praxisnähe und der Beratungsqualität der Aufsichtsorgane, um den bürokratischen Aufwand für die Unternehmen in einem handhabbaren Rahmen zu halten.

Autorenbild Lisa Löw

Lisa

Löw

Junior Online-Redakteurin

IT-Verlag

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