Internationale Datentransfers sind für die deutsche Wirtschaft unverzichtbar geworden. Das zeigt eine aktuelle Studie des Digitalverbands Bitkom, für die 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten befragt wurden.
Demnach überträgt die große Mehrheit (62 Prozent) personenbezogene Daten in Länder außerhalb der Europäischen Union. Gleichzeitig herrscht große Unsicherheit über die rechtlichen Rahmenbedingungen.
Cloud-Services und Videokonferenzen treiben Datentransfers
Die Gründe für grenzüberschreitende Datenübertragungen sind vielfältig. Fast die Hälfte der Unternehmen (45 Prozent) transferiert Daten an externe Dienstleister, 41 Prozent arbeiten mit Geschäftspartnern zu gemeinsamen Zwecken zusammen und 19 Prozent übertragen Daten innerhalb des eigenen Konzerns an ausländische Töchter oder Einheiten.
Von den Unternehmen, die personenbezogene Daten ins Nicht-EU-Ausland übermitteln, nutzen nahezu alle (96 Prozent) Cloud-Angebote, die eine solche Übertragung erforderlich machen. 90 Prozent setzen auf Kommunikations- und Videokonferenzsysteme mit internationaler Infrastruktur. Zwei Drittel (66 Prozent) greifen auf weltweite Dienstleister zurück, etwa für einen durchgehenden Sicherheitssupport rund um die Uhr.
USA bleiben wichtigstes Zielland
Die meisten Datentransfers gehen in die Vereinigten Staaten: 61 Prozent der betroffenen Unternehmen übertragen Daten dorthin. Als rechtliche Grundlage dienen überwiegend Standardvertragsklauseln (80 Prozent), gefolgt von Binding Corporate Rules (23 Prozent) und dem EU-US-Data-Privacy Framework (21 Prozent). Allerdings geben 19 Prozent der Unternehmen an, dass sie ihre Datentransfers derzeit noch umstellen oder über den Umgang mit weggefallenen Regelungen diskutieren.

Nach den USA ist Großbritannien mit 43 Prozent das zweitwichtigste Zielland, gefolgt von Indien (24 Prozent), Japan (13 Prozent) und China (12 Prozent). Nach Russland überträgt laut Umfrage kein einziges Unternehmen Daten.
Verzicht hätte massive wirtschaftliche Folgen
Ein Verzicht auf internationale Datentransfers würde die deutsche Wirtschaft hart treffen. Drei Viertel der Unternehmen (75 Prozent) rechnen mit unmittelbar höheren Kosten, 71 Prozent befürchten Wettbewerbsnachteile gegenüber Konkurrenten aus Nicht-EU-Ländern. Zwei Drittel (66 Prozent) warnen, dass globale Lieferketten nicht mehr funktionieren würden.
Mehr als die Hälfte der Unternehmen (57 Prozent) könnte bestimmte Produkte oder Dienstleistungen nicht mehr anbieten, 25 Prozent nur noch mit schlechterer Qualität. Die Hälfte der Befragten fürchtet den Wegfall des globalen Sicherheitssupports. Bemerkenswert: Kein einziges Unternehmen sieht sich von diesen negativen Folgen verschont.
Bitkom fordert politisches Handeln
“Internationale Datentransfers sind unverzichtbar für eine globale Wirtschaft. Dabei verunsichert die häufig unklare Rechtslage viele Unternehmen”, erklärt Susanne Dehmel, Mitglied der Bitkom-Geschäftsleitung. 78 Prozent der befragten Unternehmen fordern von der Politik mehr Rechtssicherheit bei internationalen Datentransfers.
Dehmel stellt klar: “Bei der Diskussion über Datentransfers geht es nicht um die Frage, welche Software man einsetzt. Ein Ende internationaler Datentransfers hätte unmittelbare und massive Folgen für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft.”
Die Umfrage wurde von Bitkom Research im Zeitraum von Ende Juli bis Ende August 2025 durchgeführt und ist repräsentativ für Unternehmen ab 20 Beschäftigten in Deutschland.
(lb/Bitkom)