Über 1.000 Artikel auf großen Nachrichtenseiten wie Forbes stammen von Fake-Autoren. Die Spur führt zu einer israelischen PR-Firma.
Eine umfassende Untersuchung zu den Hintergründen von Finanzpublikationen hat ergeben, dass eine beträchtliche Anzahl von Artikeln auf weltweit führenden Nachrichtenplattformen von fiktiven Identitäten verfasst wurde. Der Bericht von Press Gazette legt dar, dass vier vermeintliche Journalisten insgesamt mehr als 1.000 Beiträge auf über 30 verschiedenen Medienplattformen platziert haben. Die betroffenen Portale umfassen renommierte Namen aus den Bereichen Wirtschaft, Technologie und Kryptowährungen. Die Ermittlungen deuten darauf hin, dass diese Profile gezielt zur Platzierung von Inhalten im Auftrag einer PR-Agentur erstellt wurden, um Schleichwerbung und Markenplatzierung in redaktionelle Umfelder einzuschleusen.
Forbes, Entrepreneur und Bitcoin News betroffen
Im Zentrum der Recherche stehen vier Namen, die über Jahre hinweg als Experten für Fintech, Kryptowährungen und allgemeine Wirtschaftsthemen auftraten: Nikolai Kuznetsov, Reuben Jackson, Luis Aureliano und Joe Liebkind. Diese angeblichen Autoren veröffentlichten Berichte auf Plattformen wie Forbes, Investing.com, dem Huffington Post, The Next Web und Entrepreneur. Auch spezialisierte Fachmedien wie CoinTelegraph, Finance Magnates, Bitcoin News sowie Crunchbase und VentureBeat finden sich auf der Liste der betroffenen Medien.
Die Untersuchung durch Press Gazette und Cybernews ergab, dass die Biografien und Porträtfotos dieser Personen keinerlei Entsprechung in der Realität finden. Es wird vermutet, dass es sich um KI-generierte Profile handelt, die als Tarnung für Content-Marketing-Aktivitäten dienten. Während die meisten dieser Profile zwischen 2018 und 2021 ihre aktivste Phase hatten und danach weitgehend verstummten, wurde im Fall von Nikolai Kuznetsov noch im Jahr 2025 ein Artikel veröffentlicht. Dieser Beitrag bewarb die Paris Blockchain Week und zeigt, dass die Methoden der verdeckten Einflussnahme bis in die jüngste Vergangenheit fortgeführt wurden.
Israelisches PR-Unternehmen weist Vorwürfe zurück
Die Ermittler konnten eine Verbindung zwischen den fiktiven Autoren und der israelischen PR-Firma Market Across sowie dem Unternehmen InBound Junction herstellen. Ein entscheidendes Indiz war dabei die Übereinstimmung einer physischen Adresse von Kuznetsov mit dem Firmensitz von InBound Junction. Zudem wurde festgestellt, dass die von Kuznetsov beworbenen Krypto-Assets und Projekte in direktem Zusammenhang mit den Kunden der genannten Agenturen standen. Market Across trat zudem als offizieller Medienpartner der Paris Blockchain Week auf, welche in den jüngsten Beiträgen des Fake-Profils beworben wurde.
Market Across und InBound Junction teilen sich laut Bericht dieselben Gründer und Mitarbeiter. In einer Stellungnahme gegenüber den Ermittlern wies Market Across die Vorwürfe jedoch zurück. Das Unternehmen erklärte, InBound Junction arbeite zwar mit hunderten Kunden und tausenden Kontakten zusammen, beschäftige jedoch keine Journalisten. Zudem wurde bestritten, dass Mitarbeiter der Agentur die Profile der beschuldigten Autoren verwalten würden. Die Beweislast der geografischen und inhaltlichen Überschneidungen wird im Bericht dennoch als belastend eingestuft.
Werbebotschaften als unabhängige journalistische Analyse getarnt
Nach der Veröffentlichung der Untersuchungsergebnisse begannen erste Medienplattformen mit der Bereinigung ihrer Archive. CoinTelegraph entfernte die entsprechenden Artikel umgehend von der Website. Auf anderen Portalen wie dem Jerusalem Post, Times of Israel oder Tech.eu waren die Beiträge zum Zeitpunkt der Berichterstattung teilweise noch abrufbar. Die betroffenen Medien stehen nun vor der Herausforderung, ihre Redaktionsrichtlinien und die Überprüfung externer Gastautoren grundlegend zu überarbeiten.
Neben den bereits genannten Portalen sind auch Seiten wie Big Think, ReadWrite, ValueWalk, Hackernoon, Benzinga, ADVFN, Equities und Born2Invest betroffen. In vielen Fällen handelte es sich bei den Veröffentlichungen um sogenannte Contributor-Beiträge, bei denen externe Autoren Inhalte mit vergleichsweise geringer redaktioneller Kontrolle publizieren können. Dieses Modell wurde offenbar systematisch ausgenutzt, um Werbebotschaften als unabhängige journalistische Analysen zu tarnen.
Schattenwirtschaft in der Suchmaschinenoptimierung
Die Krypto-Branche gilt seit längerer Zeit als anfällig für verdeckte Werbeaktionen. Bereits im Jahr 2025 wurden hunderte Krypto-Influencer dabei überführt, ihre Follower durch nicht gekennzeichnete Kooperationen getäuscht zu haben. Der aktuelle Fall der Fake-Journalisten zeigt jedoch eine neue Dimension der Professionalisierung. Hier wurde nicht nur die Reichweite einzelner Personen genutzt, sondern das Vertrauen in etablierte Nachrichtenmarken untergraben.
Die Ermittler betonen, dass die Themen der Fake-Autoren über den Krypto-Sektor hinausgingen und auch allgemeine Fintech- und Wirtschaftsthemen abdeckten. Ziel war es offenbar, eine langfristige Reputation für die fiktiven Identitäten aufzubauen, um sie später für gezielte Promotionen wertvoller Kunden einzusetzen. Die Entdeckung dieser Strukturen wirft ein Licht auf die Schattenwirtschaft im Bereich der Suchmaschinenoptimierung (SEO) und des Reputation-Managements, in der Backlinks auf hochkarätigen Nachrichtenseiten als wertvolle Währung gehandelt werden.
Notwendigkeit strengerer Kontrollmechanismen
Der Vorfall verdeutlicht die wachsende Problematik von KI-generierten Inhalten und Identitäten im Journalismus. Da es für Redaktionen immer schwieriger wird, die Echtheit von Gastautoren allein anhand von digitalen Profilen zu verifizieren, fordern Experten strengere Verifizierungsprozesse. Dazu gehören Identitätsprüfungen sowie die Offenlegung von Interessenkonflikten und Agenturverbindungen.
Inbound Junction und Market Across bleiben bei ihrer Darstellung, lediglich als Vermittler zwischen Kunden und Kontakten aufzutreten. Die Untersuchung zeigt jedoch, dass die Grenzen zwischen PR-Dienstleistung und der Fabrikation journalistischer Inhalte fließend sind. Die betroffenen News-Plattformen haben angekündigt, ihre Partnerschaften mit externen Content-Zulieferern einer tiefgehenden Prüfung zu unterziehen, um die Integrität ihrer redaktionellen Inhalte zukünftig besser zu schützen.