KI-generierte Deepfakes auf Meta

Deepfake-Betrugswelle auf Meta-Plattformen: Milliardenverluste durch KI-Anzeigen

Deepfake

Über 100 KI-Betrugsanzeigen sind in 24 Stunden auf Meta aufgetaucht. Deepfakes von CEOs und Politikern führen zu Millionenverlusten.

Berichte internationaler Aufsichtsbehörden und Finanzinstitute verdeutlichen, dass auf den Plattformen des Meta-Konzerns eine hochgradig automatisierte „Betrugsökonomie“ entstanden ist, die maßgeblich durch künstliche Intelligenz und Deepfakes befeuert wird. In einer aktuellen Momentaufnahme dokumentierte die neuseeländische Finanzmarktaufsicht (Financial Markets Authority – FMA) allein innerhalb eines Zeitraums von 24 Stunden mehr als 110 betrügerische Werbeanzeigen auf Facebook und Instagram. Das berichtete Canterbury Today.

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Deepfakes empfehlen Investitionsplattformen

Die Analysen der Sicherheitsforscher und Behörden zeigen ein klares Muster bei der Erstellung der schadhaften Inhalte. Die Täter nutzen KI-gestützte Generatoren, um täuschend echte Video- und Bildinhalte von bekannten Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft zu erstellen. In der jüngsten Angriffswelle wurden unter anderem der neuseeländische Politiker Winston Peters sowie die CEOs führender Banken, darunter Steve Jurkovich (Kiwibank) und Catherine McGrath (Westpac NZ), für gefälschte Werbebotschaften missbraucht.

In diesen Deepfakes erwecken die künstlich erzeugten Avatare den Eindruck, sie würden hochrentable Investitionsplattformen empfehlen. Um die Glaubwürdigkeit weiter zu erhöhen, werden in den Anzeigen Logos etablierter Medienhäuser wie des New Zealand Herald, RNZ oder TVNZ eingeblendet. Die Links führen die Nutzer zu gefälschten Nachrichtenartikeln, die angebliche Exklusivinterviews oder geheime Anlagetipps enthalten.

Geringe Einzahlung zum Start soll locken

Ein zentrales Element des kriminellen Geschäftsmodells ist die psychologische Schwellenreduzierung. Opfer werden dazu bewegt, zunächst eine geringe „Starter-Einzahlung“ von etwa 250 US-Dollar zu leisten. Diese vergleichsweise kleine Summe senkt die Hemmschwelle und erhöht die Konvertierungsrate der Kampagnen massiv. Sobald ein Nutzer registriert ist, wird er von professionell agierenden Betrügern kontaktiert, die sich als Investmentbroker ausgeben.

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Durch manipulierte Benutzeroberflächen auf den Fake-Plattformen werden den Opfern in der Folge fiktive Gewinne angezeigt. Dies dient dazu, den Druck zu erhöhen, deutlich größere Summen nachzuschießen. Versuche, die vermeintlichen Gewinne oder das Startkapital auszuzahlen, scheitern jedoch grundsätzlich.

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Dunkelziffer hoch, da Opfer sich schämen

Die finanziellen Auswirkungen dieser Betrugswelle sind erheblich. In Neuseeland beliefen sich die offiziell gemeldeten Betrugsverluste im vergangenen Jahr auf rund 265 Millionen NZD. Experten der gemeinnützigen Organisation Netsafe und Vertreter der Bankenbranche gehen jedoch davon aus, dass die tatsächlichen Verluste die Marke von einer Milliarde NZD überschreiten könnten. Grund hierfür ist eine geschätzte Meldequote von lediglich 20 Prozent. Viele Opfer sehen aus Scham oder Resignation von einer Anzeige ab.

Ein Bericht von Netsafe von Februar 2026 zeigt zudem, dass 72 Prozent der Erwachsenen in Neuseeland jährlich mit Betrugsinhalten im Netz konfrontiert werden. Nahezu jeder vierte Nutzer, der mit diesen Anzeigen interagiert, erleidet finanzielle Schäden. Der durchschnittliche Verlust pro Vorfall liegt bei etwa 3.352 NZD. Besonders alarmierend ist die Rückholquote: Über 40 Prozent der Opfer erhalten nach der Meldung des Verbrechens keinerlei Entschädigung oder Rückzahlung.

Kritik an der Moderationsgeschwindigkeit von Meta

Die Bankenindustrie hat ihre Kritik an den Sicherheitsmechanismen von Meta verschärft. Catherine McGrath, CEO von Westpac NZ, wies darauf hin, dass 64 Prozent aller in ihrem Haus bearbeiteten Betrugsfälle in diesem Jahr ihren Ursprung in sozialen Medien hatten. Das entspricht einem Anstieg gegenüber 57 Prozent im Vorjahreszeitraum.

Das Hauptproblem liegt in der asymmetrischen Geschwindigkeit zwischen Anzeigenerstellung und Löschung. Scammer agieren als zahlende Anzeigenkunden, was ihren Inhalten im Algorithmus eine zusätzliche Legitimität verleiht. Die Erstellung neuer, leicht variierter Varianten derselben Anzeige erfolgt durch KI-Tools in Sekundenbruchteilen, während die manuelle oder automatisierte Überprüfung durch den Plattformbetreiber oft Tage oder Wochen in Anspruch nimmt. Banken fordern daher eine direkte Schnittstelle für Sicherheitsfachleute zu Meta, um verifizierte Betrugsfälle sofort und systemweit blockieren zu können.

Deepfake-bezogener Finanzbetrug: 1,65 Milliarden US-Dollar

Die Problematik ist kein lokales Phänomen. Weltweit wird der Schaden durch Deepfake-bezogenen Finanzbetrug für das Jahr 2025 auf etwa 1,65 Milliarden US-Dollar geschätzt. Die USA führen die Liste der Verluste an, gefolgt von Ländern wie Malaysia und dem Vereinigten Königreich. Die Betrüger nutzen dabei globale Vorlagen, die industriell skaliert und je nach Zielmarkt lokalisiert werden. Durch den Einsatz von generativer KI ist die Qualität der Deepfakes mittlerweile so hoch, dass sie selbst für Experten ohne technische Hilfsmittel kaum noch von Originalaufnahmen zu unterscheiden sind.

Behörden wie die FMA raten Nutzern zur extremen Vorsicht bei Online-Inhalten, die außergewöhnliche Renditen versprechen. Ein wichtiger Hinweis für Verbraucher bleibt: Wenn prominente Persönlichkeiten in sozialen Medien für Finanzprodukte werben, die über einfache Links und kleine Einzahlungen funktionieren, handelt es sich mit wahrscheinlich um einen Betrugsversuch.

Autorenbild Lisa Löw

Lisa

Löw

Junior Online-Redakteurin

IT-Verlag

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