Mehr nur gegen Telefonnummer

Gmail: Kostenloser Speicher von 15 auf 5GB reduziert

Gmail
Quelle: In Green/Shutterstock.com

Google testet ein neues Limit: Neue Gmail-Konten erhalten teils nur noch 5GB Gratis-Speicher. Die vollen 15GB gibt es nur gegen Angabe einer Telefonnummer.

Der Technologiekonzern Google hat bestätigt, dass er derzeit eine signifikante Änderung an seiner Speicherplatz-Politik für Neukunden testet. Seit über einem Jahrzehnt galt die Bereitstellung von 15 Gigabyte kostenlosem Cloud-Speicher als Industriestandard für Gmail-Nutzer. Nun experimentiert das Unternehmen in ausgewählten Regionen damit, diesen Basis-Speicher für neue Konten auf lediglich 5 Gigabyte zu begrenzen. Vollwertigen Zugriff auf die gewohnten 15 Gigabyte erhalten betroffene Nutzer erst dann, wenn sie ihrem Google-Konto eine verifizierte Telefonnummer hinzufügen. Diese Maßnahme markiert eine Zäsur in der Geschichte des Dienstes und löst Diskussionen über Datenschutz und Nutzersicherheit aus.

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Gmail: Sicherheit der Nutzerkonten fördern

Die ersten Berichte über die Speicherplatz-Reduzierung tauchten in Internetforen wie Reddit auf, wo Nutzer Screenshots ihrer neu erstellten Konten teilten. Diese zeigten eine Speicherkapazität von nur 5 Gigabyte für Gmail, Google Drive und Google Photos anstatt der üblichen 15 Gigabyte. In einer offiziellen Stellungnahme gegenüber Fachmedien bestätigte Google den Testlauf. Das Unternehmen gab an, dass diese neue Richtlinie derzeit in bestimmten Regionen erprobt werde.

Ziel des Tests sei es laut Google, die Dienstqualität hochzuhalten und gleichzeitig die Sicherheit der Nutzerkonten zu fördern. Der reduzierte Speicherplatz fungiert dabei als eine Art Standardeinstellung für Nutzer, die anonym bleiben möchten oder keine Mobilfunknummer hinterlegen. Sobald eine Telefonnummer erfolgreich mit dem Konto verknüpft wurde, schaltet das System das zusätzliche Kontingent frei, sodass wieder die vollen 15 Gigabyte zur Verfügung stehen. Google bezeichnet diesen Schritt als Anreizmodell für verbesserte Kontosicherheit.

Telefonnummer soll Kontosicherheit stärken

In der offiziellen Erklärung betont Google, dass die Hinterlegung einer Telefonnummer ein entscheidendes Element für die Kontosicherheit darstelle. Eine verifizierte Nummer ermöglicht die Nutzung der Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA) und erleichtert die Datenwiederherstellung im Falle eines verlorenen Passworts oder eines Hackerangriffs. Ohne diese Informationen sei es für den Support oft schwierig, die rechtmäßige Inhaberschaft eines Kontos zweifelsfrei festzustellen.

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Durch die Verknüpfung von Speicherplatz mit Sicherheitsmerkmalen versucht Google offensichtlich, die Adoptionsrate von Sicherheitsfunktionen zu erhöhen. Kritiker sehen darin jedoch einen sanften Zwang, da 5 Gigabyte in der heutigen Zeit, in der E-Mail-Anhänge, hochauflösende Fotos und Cloud-Dokumente den Großteil des Speichers beanspruchen, schnell an ihre Grenzen stoßen. Ein volles Postfach verhindert nicht nur den Empfang neuer E-Mails, sondern schränkt auch die Funktionalität von Google Drive und Google Photos ein, da sich alle drei Dienste den gemeinsamen Speicher teilen.

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Prävention von Spam und Massenregistrierungen

Ein weiterer Aspekt, der in der Fachwelt diskutiert wird, ist die Bekämpfung von Spam-Netzwerken. Die Erstellung massenhafter Gmail-Konten für betrügerische Zwecke oder automatisierte Werbe-E-Mails ist ein dauerhaftes Problem für den Anbieter. Da die Beschaffung einer großen Anzahl an verifizierbaren Telefonnummern deutlich aufwendiger und kostspieliger ist als die reine Registrierung per E-Mail, könnte die Speicherbegrenzung als wirksame Hürde fungieren.

Nutzer, die versuchen, das System durch die Erstellung zahlreicher Wegwerf-Konten auszunutzen, stoßen mit 5 Gigabyte deutlich früher an technische Barrieren. Für legitime Nutzer hingegen stellt die Telefonnummern-Pflicht eine Hürde dar, die Fragen nach der Datensparsamkeit aufwirft. Während Google argumentiert, die Daten nur für Sicherheitszwecke zu nutzen, befürchten Datenschützer eine noch tiefere Profilbildung der Nutzer durch die Verknüpfung von Online-Identitäten mit realen Mobilfunkanschlüssen.

5GB ist auch Apple-Standard bei iCloud

Die 15 Gigabyte Gratis-Speicher wurden von Google im Jahr 2013 eingeführt, als das Unternehmen die Speicherkontingente von Drive, Gmail und Google+ (später Google Photos) zusammenführte. Zuvor verfügte Gmail über ein stetig wachsendes Limit, das ursprünglich bei einem Gigabyte gestartet war und den Markt bei seiner Einführung im Jahr 2004 revolutionierte. Seit 2013 hat sich an der Basis von 15 Gigabyte nichts geändert, obwohl die Datenmengen pro Nutzer massiv gestiegen sind.

Bereits im Juni 2021 vollzog Google eine erste große Änderung, als der unbegrenzte kostenlose Speicherplatz für Fotos in hoher Qualität abgeschafft wurde. Seitdem zählen alle neu hochgeladenen Bilder gegen das 15-Gigabyte-Limit. Der aktuelle Test, den Basis-Speicher auf 5 Gigabyte zu senken, wird von Marktbeobachtern als ein weiterer Schritt gewertet, um Nutzer in das kostenpflichtige Abonnementmodell Google One zu drängen. 5 Gigabyte entsprechen exakt dem Kontingent, das Apple seinen Kunden bei iCloud seit Jahren als kostenlosen Standard anbietet.

Reduzierung gilt nur für Neuanmeldungen bei Gmail

Mit der potenziellen Reduzierung auf 5 Gigabyte nähert sich Google den Angeboten der Konkurrenz an. Microsoft bietet für seine Outlook-Konten derzeit 15 Gigabyte für E-Mails an, begrenzt den damit verknüpften Cloud-Speicher OneDrive jedoch ebenfalls auf 5 Gigabyte für kostenlose Nutzer. Apple ist seit jeher für sein striktes 5-Gigabyte-Limit bei iCloud bekannt, das für Backups, Fotos und Mails oft nicht ausreicht.

Google war bisher der Anbieter mit dem großzügigsten kostenlosen Einstiegsangebot unter den großen Tech-Konzernen. Sollte der Testlauf in eine dauerhafte globale Richtlinie münden, würde dieser Wettbewerbsvorteil entfallen. Nutzer müssten sich dann entscheiden, ob sie ihre persönlichen Daten in Form einer Telefonnummer preisgeben oder den eingeschränkten Speicherplatz akzeptieren und gegebenenfalls früher für zusätzlichen Platz bezahlen. Für bestehende Konten hat der aktuelle Test laut Google derzeit keine Auswirkungen; die Änderungen beziehen sich explizit auf Neuanmeldungen in den Testregionen.

Strategische Ausrichtung auf Google One

Hinter der Anpassung der Speichergrenzen steht die wirtschaftliche Strategie, die kostenpflichtigen Dienste zu stärken. Google One hat sich zu einem zentralen Standbein des Konzerns entwickelt, das nicht nur zusätzlichen Speicherplatz, sondern auch erweiterte Bearbeitungsfunktionen in Google Photos und KI-gestützte Features bietet. Indem der kostenlose Einstiegspunkt erschwert oder verkleinert wird, erhöht Google die Wahrscheinlichkeit, dass Nutzer frühzeitig zu zahlenden Abonnenten werden.

Während die Kosten für Speicherhardware zwar sinken, steigen die Kosten für den Betrieb der riesigen Rechenzentren und die Absicherung der Infrastruktur stetig an. Die Verknüpfung von Speicherplatz mit Sicherheitsidentitäten ist ein neuer Ansatz, um die Qualität der Nutzerbasis zu kontrollieren und gleichzeitig den monetären Wert der Plattform zu steigern.

Autorenbild Lisa Löw

Lisa

Löw

Junior Online-Redakteurin

IT-Verlag

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