Microsoft kündigt an, die umstrittenen Upsells in Windows 11 zurückzufahren. Das Unternehmen reagiert damit auf massive Kritik an der zunehmenden Durchsetzung des Betriebssystems mit Eigenwerbung.
Microsoft befindet sich bei Windows 11 im Krisenmodus. Am 20. März stellte das Unternehmen ein umfangreiches Update vor, das sich auf Leistung und Nutzungskomfort konzentriert. Unter anderem wird der Datei-Explorer beschleunigt, das Startmenü auf WinUI 3 portiert und eine Option eingeführt, mit der sich Windows-Updates beliebig lange pausieren lassen. Auch die Integration von Copilot in Apps wie Notepad soll zurückgefahren werden.
Scott Hanselman, Vice President bei Microsoft, bestätigte auf der Plattform X, dass ein ruhigeres Betriebssystem mit weniger Kaufempfehlungen ein erklärtes Ziel sei. Er reagierte damit auf die Beschwerde eines Nutzers, der die Vertriebsmethoden des Konzerns mit Schadsoftware verglich.
Vertrauensverlust auf mehreren Ebenen
Windows 11 kämpft derzeit an mehreren Fronten gleichzeitig. Die technische Qualität hat in diesem Jahr spürbar gelitten. Kumulative Updates sorgten für erzwungene BitLocker-Wiederherstellungen, Leistungseinbrüche in Spielen und vereinzelt für schwarze Bildschirme beim Hochfahren.
Schwerer wiegt allerdings die strategische Entscheidung, den KI-Assistenten Copilot flächendeckend ins Betriebssystem einzubauen. Vom Startmenü über die Einstellungen bis hin zum Texteditor Notepad taucht die KI-Integration inzwischen praktisch überall auf. Diese Strategie hat sowohl Privatanwender als auch Firmenkunden verprellt. In Teilen der Community hat sich dafür der Begriff „Microslop” etabliert.
Werbung an jeder Ecke
Die Eigenwerbung in Windows 11 hat über die Jahre stetig zugenommen. Bereits die Ersteinrichtung des Systems zeigt Hinweise auf Microsoft 365, OneDrive und Copilot. Das Startmenü blendet vorinstallierte App-Empfehlungen ein, die sich zwar in den Personalisierungseinstellungen abschalten lassen. Dass Nutzer dafür aber erst tief in die Optionen abtauchen müssen, ist Teil des Problems.
Besonders in Erinnerung geblieben ist eine Aktion, bei der Chrome-Nutzern ein Werbefenster für Bing Chat angezeigt wurde. Wer darauf klickte, erhielt die Bing-Erweiterung installiert und seine Browsereinstellungen verändert. Nach heftiger Kritik zog Microsoft die Aktion zurück. Das Muster wiederholte sich aber in anderer Form: Vollbildhinweise beim Verwenden alternativer Browser, Produktempfehlungen in den Systemeinstellungen, Werbebanner auf dem Sperrbildschirm.
Versprechen ohne formelle Zusage
Hanselmans Aussage ist kein offizielles Produktversprechen. Es handelt sich um die Bemerkung eines einzelnen Managers in einem Social-Media-Thread. Von einer vollständigen Abschaffung der Werbung ist keine Rede, lediglich von einer Reduzierung. Zusammen mit der geplanten Rücknahme der Microsoft-Konto-Pflicht bei der Ersteinrichtung deutet sich allerdings ein breiteres Umdenken an.
Yes a calmer and more chill OS with fewer upsells is a goal
— Scott Hanselman 🌮 (@shanselman) March 21, 2026
Ob die angekündigten Änderungen ausreichen, um das ramponierte Image von Windows 11 zu reparieren, wird sich erst an der konkreten Umsetzung zeigen. Die grundlegende Kritik bleibt bestehen: Nutzer haben für ihr Betriebssystem bezahlt, sei es über den Gerätepreis oder eine Einzellizenz. Warum sie trotzdem regelmäßig Kaufaufforderungen für andere Microsoft-Produkte sehen müssen, hat das Unternehmen bislang nicht überzeugend beantwortet.