Ist Archiving-to-the-Cloud heute bereits sinnvoll?

Unsere Archivierungs-Hardware bedarf der Erneuerung. Bislang setzten wir auf LTO-6-basierende Tape-Librarys. LTO-7 haben wir bisher übersprungen. Nun stünde LTO-8 an. Aber es gäbe auch Archiving-to-the-Cloud. Macht es Sinn, sich damit ernsthaft zu befassen oder raten Sie weiterhin On-Premises?

Leserfrage: Unsere Archivierungs-Hardware bedarf der Erneuerung. Bislang setzten wir auf LTO-6-basierende Tape-Librarys. LTO-7 haben wir bisher übersprungen. Nun stünde LTO-8 an. Aber es gäbe auch Archiving-to-the-Cloud. Macht es Sinn, sich damit ernsthaft zu befassen oder raten Sie weiterhin On-Premises?

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Antwort Doc Storage:

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Wie immer muss man diese Frage mit dem DV-typischen Satz »Das kommt drauf an« beantworten. Und zwar auf mehrere Faktoren: Erstens auf die Menge der zu sichernden Daten, zweitens auf die von Ihnen für die Sicherung geforderte Geschwindigkeit und drittens auf die zu erfüllenden rechtlichen Anforderungen. Rein technisch betrachtet bietet ein Archiv in der Cloud heute genau die gleichen Möglichkeiten wie eines auf Band in den eigenen vier Wänden. Da das Leistungsthema beim Datentransport in die und aus der Cloud heraus ein sekundäres ist, stellt sich hier nur die Frage der Behandlung der bereits auf den Bändern vorhandenen Daten. Da man sicherlich nicht mit zwei Archiven arbeiten und die nicht mehr aktive Hardware dann auch irgendwann loswerden will, müssen alle bereits hier gespeicherten Daten früher oder später in die Wolke kopiert werden. Je nach Anbindung und Angebot der Cloud-Dienste wird dieser Prozess lange bis sehr lange in Anspruch nehmen.

Des Weiteren sind die Preislisten der Anbieter sehr genau zu studieren. Meist ist das reine Datenvolumen der preiswerteste Teil der Angebote und täuscht in vielen Fällen darüber hinweg, dass einzelne I/Os oder genutzte Bandbreite auf den Basispreis aufgeschlagen werden. Es ist also genau zu betrachten, wie oft und wie viel ins Archiv geschrieben wird, und auch, wie oft und wie viel eventuell aus dem Archiv wieder herauszuholen ist.

All diese Summen sollten bei den Überlegungen mit einfließen, genauso natürlich der Umstand, dass die aufzuwendende Zeit für das Überspielen der Daten mit derjenigen für das Umspulen auf neue Kassetten verglichen wird. In Zukunft fällt dann das Umspulen weg, was auch wieder einen positiven Einfluss auf die Entscheidung für die Cloud haben sollte. Weitere Faktoren für diese Rechnung sind der Stellplatz, der Energieverbrauch, die anteilige Klimaversorgung, der Schichtbetrieb mit Spezialisten im eigenen Haus und nicht zuletzt die in einigen Jahren anstehende Anschaffung neuer Laufwerke, Kassetten und eventuell neuer Roboter und das wiederholte Umspulen auf die neuen Medien.

Fasst man all diese Kosten und Aufwände zusammen, macht es durchaus Sinn, sich mit einem Archivbetrieb in der Cloud zu beschäftigen. Der Anbieter sollte allerdings entsprechende Garantien geben, was die Zugangs- und Zugriffssicherheit, die Erfüllung von ISO-9000 und -27000-Vorgaben, die strikte Einhaltung der DSGVO und natürlich anderer Regularien wie der GdPdU, GOB und GOBS angeht. Darüber hinaus muss eine Garantie abgegeben werden, dass sich alle Daten jederzeit und ohne Verzögerung aus der einen Cloud in eine andere überführen lassen. Es ist zu bedenken, dass manches Archivgut bis zu 100 Jahren aufzubewahren ist, und hier trauen sich viele Cloud-Anbieter nicht, entsprechende Zusagen abzugeben.

Mit dem On-premises- Betrieb eines eigenen Speichersystems, egal welcher Technologie, bestimmen allein Sie den Ablageort Ihrer Dateien. Somit sind auch Sie allein für die Erfüllung aller gesetzlichen Vorgaben verantwortlich und können diese in jedem Fall nachweisen.

Gruß
Doc Storage

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