Siemens-CEO Roland Busch hat sich in einem Interview mit der Financial Times kritisch zur europäischen KI-Strategie geäußert.
Im Interview mit der Financial Times warnt er davor, erst eigene Infrastruktur hochziehen zu wollen, bevor man mit vorhandenen Werkzeugen loslegt. “Man sollte sein Innovationstempo nicht drosseln, um Souveränität zu schaffen. Das wäre ein Desaster”, so Busch.
Eigene Infrastruktur sei langfristig durchaus sinnvoll und mache Europa widerstandsfähiger, betonte er. Aber eben nicht um den Preis, dass man mit verschränkten Armen wartet, bis die europäischen KI-Fabriken fertig sind.
EU hinkt bei KI deutlich hinterher
Die Beziehungen zwischen der EU und der Trump-Administration sind angespannt, Brüssel drängt auf mehr technologische Eigenständigkeit. Nur fehlt es Europa an den Grundlagen. Bei KI-Investitionen und Rechenleistung liegt der Kontinent weit hinter den USA und China. Das einzige europäische Frontier-Sprachmodell kommt aus Frankreich und heißt Mistral.
Die EU will gegensteuern. Ihr AI Continent Action Plan sieht vor, die Rechenzentrumskapazität bis 2035 zu verdreifachen und KI gezielt in strategischen Sektoren zu fördern. Busch sieht das skeptisch: Solange die Regulierung nicht einfacher werde, drohe Europa weiter zurückzufallen.
AI Act sorgt für Frust
Ein Hauptkritikpunkt ist der AI Act, der seit 2024 risikobasierte Regeln für KI-Entwickler vorschreibt. US-Unternehmen beklagen, das Gesetz bremse Innovation aus. Und auch in Europa wächst der Unmut: 46 Unternehmenschefs, darunter die von ASML, Spotify und Airbus, haben eine Verschiebung des Gesetzes gefordert, damit Firmen mehr Zeit für die Umsetzung bekommen und die Regeln vereinfacht werden können.
Eine Milliarde für KI, aber woanders
Siemens selbst steckt nach eigenen Angaben rund eine Milliarde Euro in eigene KI-Werkzeuge. Wo das Geld hinfließt, dürfte in Brüssel allerdings wenig Begeisterung auslösen: bevorzugt in die USA und nach China. Offenbar sieht der Konzern dort schlicht die besseren Bedingungen.