Ein neues Patent von Meta beschreibt eine KI, die fortlaufend die Stimme und Biometrie von Nutzern analysiert, um deren emotionale Verfassung zu protokollieren.
Meta Platforms hat eine Patentanmeldung für eine künstliche Intelligenz eingereicht, welche die Stimme von Anwendern über den Tag hinweg aufzeichnen und deren emotionale Verfassung auswerten kann. Die Anmeldung mit der Nummer US 2026/0182881 wurde im Dezember 2025 registriert und am 2. Juli veröffentlicht. Das System soll auf Geräten wie Datenbrillen, Smartphones, Smartwatches oder Smart Speakern laufen, um gesprochene Sprache zu transkribieren.
Eine darauf trainierte KI analysiert sowohl die gewählten Worte als auch akustische Merkmale wie Tonfall, Sprechgeschwindigkeit, Seufzer oder Lachen. Die ermittelten Gefühlszustände werden mit einem Zeitstempel versehen und zusammen mit dem Standort sowie der aktuellen Aktivität des Nutzers auf Servern protokolliert. Auf dieser Basis wird ein Aktivitätsprofil erstellt. In den Unterlagen wird ein beispielhaftes Ausgabeprotokoll für den Nutzer genannt: „Du seufzt am häufigsten vor dem Schlafengehen, und du bist am glücklichsten, wenn du mit Freunden zusammen bist. Du hast diesen Monat mehr Dankbarkeit gezeigt.“
Erweiterung um biometrische Signale und Fitness-Coaching bei Meta
Die Technologie beschränkt sich laut den Patentunterlagen nicht nur auf die rein akustische Überwachung. Das Konzept sieht vor, zusätzliche biometrische Daten wie die Pupillengröße, die Blinzelrate oder die Augenfeuchtigkeit über integrierte Sensoren zu erfassen, um Stresszustände oder Weinen zu identifizieren. Zudem soll das System das allgemeine Nutzungsverhalten auf Endgeräten überwachen, wie die Verweildauer bei bestimmten Social-Media-Beiträgen oder die Geschwindigkeit beim Wechsel zwischen verschiedenen Apps.
Ein Teil der Patentansprüche beschreibt zudem die Kopplung mit einem virtuellen Fitness-Coach. Über eine Datenbrille soll die KI die Bewegungsabläufe des Nutzers beim Training analysieren und korrigieren. Dieser digitale Coach greift ebenfalls auf die Emotionserkennung zurück: Bei Erschöpfung wird die Intensität reduziert, bei nachlassender Motivation kann das System den Nutzer tadeln.
Regulatorische Hürden und historische Vorläufer
Der Ansatz, Emotionen über die Stimme zu analysieren, wurde in der Vergangenheit bereits von anderen Marktteilnehmern erprobt. Amazon integrierte im Jahr 2020 eine ähnliche Funktion namens Tone in sein Fitness-Armband Halo, stellte diese Produktlinie jedoch im Jahr 2023 wieder ein. Metas Neuanmeldung geht durch die Kombination von Sprachanalyse, Blickerfassung und App-Überwachung technologisch darüber hinaus. Bei einer möglichen Marktreife steht die Technologie vor rechtlichen Einschränkungen.
Der AI Act der Europäischen Union verbietet seit Februar 2025 den Einsatz von KI-Systemen zur Emotionserkennung an Arbeitsplätzen und in Bildungseinrichtungen. Eine weitere gesetzliche Vorgabe, die im August 2026 in Kraft tritt, verpflichtet Anbieter im Verbraucherbereich dazu, den Einsatz von Systemen zur biometrischen Emotionserkennung gegenüber den Nutzern offenzulegen. Bisher liegt für die beschriebene Technologie keine Produktankündigung von Meta vor.
(red)