Nach Angaben der Federal Reserve Bank of Dallas sind Stellenanzeigen für Einstiegspositionen in Texas infolge des KI-Einsatzes um 8 bis 9 Prozent zurückgegangen.
Anders als bei klassischen Massenentlassungen handelt es sich dabei um Stellen, die schlicht nie geschaffen oder ausgeschrieben werden, weshalb Forbes-Kolumnistin Rachel Wells den Effekt als „unsichtbare KI-Entlassung“ bezeichnet. Eine Untersuchung von Stanford-Ökonomen ergab, dass die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer in denselben Berufsfeldern stabil blieb oder sogar um 6 bis 9 Prozent wuchs, während besonders Softwareentwickler, Kundenservice-Mitarbeitende, Buchhalter, Betriebsleiter sowie Bürokräfte von einem Rückgang betroffen waren.
Nach Einschätzung der Stanford-Forscher automatisiert KI vor allem sogenanntes kodifiziertes Wissen, also in der Ausbildung erlerntes und auf Routineaufgaben angewendetes Wissen, während stillschweigendes, durch Erfahrung erworbenes Wissen weitgehend unangetastet bleibt, genau jenes Kompetenzprofil, das eine Einstiegsposition von einer erfahrenen Fachkraft unterscheidet. Stanford-Ökonom und Studien-Ko-Autor Erik Brynjolfsson bezeichnete den Rückgang bei Einstiegspositionen als „den schnellsten, umfassendsten Wandel“, den er am Arbeitsmarkt beobachtet habe, übertroffen lediglich vom Übergang zu Fernarbeit während der Pandemie.
Parallel dazu registriert die Jobbewertungsplattform Glassdoor einen Anstieg der KI-bezogenen Erwähnungen in Nutzerbewertungen um 240 Prozent, wobei mehr als die Hälfte davon negativ ausfällt. Nach Daten des US-Arbeitsstatistikamts BLS verloren zwischen 2023 und 2025 rund 7,4 Millionen US-Beschäftigte ihre Stelle, von denjenigen, die anschließend wieder Arbeit fanden, kehrte nur ein schrumpfender Anteil zu ihrem ursprünglichen Gehaltsniveau zurück.
Einzelne Arbeitgeber schulen zu KI statt zu kürzen
Nicht alle verfügbaren Daten zeichnen jedoch ein durchweg negatives Bild. Nach Angaben von Wells verzeichnete der Werbedienstleister Brainlabs einen Anstieg der Einstiegs-Neueinstellungen um 237 Prozent, indem neue Fachkräfte von Beginn an gezielt im Umgang mit KI geschult wurden. Eine weitere von Wells zitierte Untersuchung ergab zudem, dass Unternehmen mit besonders hohen KI-Investitionen ihre Gesamtbelegschaft um 10 Prozent ausweiteten, Einstiegspositionen dort sogar um 12 Prozent zunahmen. Wells zieht daraus den Schluss, KI werde nur dann zu einer echten Bedrohung für Einstiegsjobs, wenn Arbeitgeber ohne Rücksicht auf gesellschaftliche Folgen handelten, statt Einstiegsarbeit gezielt neu zu gestalten.
Zugleich mehren sich Berichte über Unternehmen, die zuvor durch KI gestrichene Stellen inzwischen wieder neu besetzen. Nach einer Erhebung des Personaldienstleisters Robert Half haben mehr als 30 Prozent der US-Personalverantwortlichen, die Stellen im Zuge einer KI-Einführung gestrichen hatten, vergleichbare Positionen später wieder eingerichtet, das Marktforschungsunternehmen Gartner rechnet zudem damit, dass die Hälfte der Unternehmen, die aktuell aus KI-Gründen Kundenservice-Personal abbauen, bis 2027 wieder neue Kräfte einstellen wird.
(red)