Wachsende Kluft

Jobchancen sinken: KI trifft vor allem Berufseinsteiger

KI Job

Eine Stanford-Studie zeigt: KI vernichtet kaum bestehende Jobs, bremst aber die Neueinstellung von Berufseinsteigern spürbar aus.

Eine aktualisierte Untersuchung der Stanford University („Canaries in the Coal Mine?“) auf Basis von US-Lohndaten des HR-Dienstleisters ADP belegt: Während Künstliche Intelligenz branchenweit bislang kaum zu flächendeckenden Entlassungen führt, schrumpfen die Berufschancen für junge Arbeitskräfte im Alter von 22 bis 25 Jahren drastisch.

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In Berufsbildern mit hoher KI-Exposition liegt das Beschäftigungswachstum dieser Altersgruppe inzwischen 19 Prozent hinter dem von Berufsgruppen ohne starke KI-Betroffenheit zurück. Im Vorjahr betrug diese Lücke noch 13 Prozent. Seit Ende 2022 sank die Zahl der Beschäftigten bei den 22- bis 25-Jährigen in stark betroffenen Berufen um rund 11 Prozent, während sie in wenig betroffenen Berufen um 10 Prozent stieg. Der Haupteffekt resultiert nicht aus Kündigungen, sondern aus einem ausbleibenden Nachwuchs-Hiring.

Automatisierung verdrängt juniorisiertes Fachwissen

Die Ökonomen unterscheiden zwischen rein automatisierenden und ergänzenden KI-Anwendungen. Berufe, bei denen KI-Systeme Aufgaben vollständig übernehmen, etwa in der Buchhaltung oder in Daten-Erfassungsrollen, verzeichnen den stärksten Rückgang bei Berufseinsteigern. Wo KI hingegen die Arbeit menschlicher Experten unterstützt (wie bei Pflegekräften oder Führungskräften), bleiben die Jobzahlen stabil oder steigen.

Ein wesentlicher Grund liegt im Charakter des Wissens: Standardisiertes Lehrbuchwissen („kodifiziertes Wissen“) lässt sich von KI-Modellen leicht adaptieren und ersetzt bisherige Einsteigeraufgaben. Erfahrenere Kräfte profitieren hingegen von schwer kodifizierbarem Praxiswissen („implizites Wissen“), das primär durch jahrelange Mentoring- und Praxiserfahrung erworben wird.

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Zitat des Studienleiters

Der leitende Ökonom Erik Brynjolfsson warnte vor den langfristigen Folgen für den Arbeitsmarkt:

„Die von uns gemessenen Effekte bei Berufseinsteigern sind real, anhaltend und sie vergrößern sich. Ich bin besorgter als zuvor über einen Arbeitsmarkt, der sein Gesamtbeschäftigungsniveau zwar hält, aber für Menschen am Anfang ihrer Karriere leise die Auffahrrampe schließt.“

Erik Brynjolfsson, leitender Ökonom der Stanford-Studie

(red)

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