Während die weltweite Malware-Erkennungsrate den dritten Monat in Folge sank, stieg die Zahl gemeldeter Datenschutzverletzungen deutlich.
Laut Acronis-Telemetrie, die auf Daten von weltweit mehr als einer Million Endpunkten basiert, sank die globale Malware-Erkennungsrate im Juli um 0,4 Prozentpunkte von 6,0 auf 5,6 Prozent, der dritte Rückgang in Folge seit dem Jahreshöchstwert von 6,8 Prozent im April. Auch bei URL-basierten Bedrohungen zeigte sich in allen 16 untersuchten Fokusmärkten eine Entspannung gegenüber Juni. Deutschland verzeichnete dabei einen Rückgang um 2,5 Prozentpunkte auf 7,3 Prozent, noch deutlicher fiel die Entwicklung in Brasilien (von 11,2 auf 6,7 Prozent), Italien (von 10,6 auf 7,0 Prozent) und Kolumbien (von 12,9 auf 9,4 Prozent) aus.
Die höchsten normalisierten Malware-Erkennungsraten weltweit entfielen im Juli auf Palästina (42,6 Prozent), Vietnam (30,5 Prozent) und Guadeloupe (26,8 Prozent), bei schädlichen URLs führten unter den Fokusmärkten Singapur (10,2 Prozent), Indien (10,0 Prozent) und Kolumbien (9,4 Prozent), gefolgt von den USA mit 8,8 Prozent.
The Gentlemen und Qilin bauen Aktivität massiv aus
Bei den Ransomware-Akteuren führte The Gentlemen die Rangliste im Juli mit 162 bekannten Opfern an, vor Qilin mit 128 sowie DragonForce mit 42 Fällen. Gegenüber Juni bedeutet das für The Gentlemen und Qilin einen deutlichen Ausbau der eigenen Aktivität, im Vormonat waren ihnen lediglich 91 beziehungsweise 78 Opfer zugeordnet worden. DragonForce löste dabei LockBit 5.0, das im Juni noch mit 53 Opfern in den Top 3 vertreten war, auf der Rangliste ab. Bei der reinen Malware-Aktivität führten die Familien Vidar, AsyncRAT und XWorm das Feld an, eine Kombination aus Infostealer und Fernzugriffssoftware, die sowohl auf unmittelbaren Diebstahl sensibler Daten als auch auf längerfristigen Zugriff auf kompromittierte Systeme setzt.
Vorfall des Monats: Ernst & Young über Dienstleister kompromittiert
Als „Incident of the Month“ nennt der Bericht einen Vorfall bei der Steuerberatung Ernst & Young: Zwischen dem 28. März und 12. April 2026 verschafften sich Unbefugte über eine von EY genutzte Plattform eines externen IT-Dienstleisters Zugriff und luden Dokumente mehrerer Kunden herunter. Die Erpressergruppe ShinyHunters bekannte sich am 27. Juli öffentlich zu dem Angriff und verwies dabei auf kompromittierte Zugangsdaten aus der Lieferkette. Der Fall unterstreicht laut Acronis, wie schützenswert Konten von Dienstleistern und Auftragnehmern mit Zugriff auf ITSM-, DevOps- und Cloud-Umgebungen sind. Markus Fritz, General Manager DACH bei Acronis, ordnete die Gesamtentwicklung so ein:
„Der dritte Rückgang in Folge ist ein positives Signal, aber kein Grund zur Entwarnung.“
Markus Fritz, General Manager DACH bei Acronis
Die Malware-Erkennungsrate liege weiterhin deutlich über dem Niveau vom Jahresbeginn, während sich regionale Schwerpunkte schnell verschöben, weshalb Unternehmen auf kontinuierliches Monitoring, konsequent abgesicherte Drittanbieterzugänge sowie eine mehrschichtige Sicherheitsstrategie setzen sollten.
Empfohlene Schutzmaßnahmen
Acronis rät Unternehmen unter anderem zu starken, einzigartigen Passwörtern in Kombination mit einem Passwortmanager, verschlüsseltem Cloud-Speicher für vertrauliche Dateien, automatisierter Wiederherstellung verschlüsselter oder manipulierter Dateien, fortgeschrittenem E-Mail-Schutz samt URL-Filterung sowie konsequentem Patch-Management. Zusätzlich sollten signierte Installationsdateien nicht nur anhand ihrer Signatur, sondern auch anhand enthaltener Konfigurationsdaten geprüft und der Einsatz von Fernzugriffssoftware kritisch hinterfragt und auf das notwendige Maß beschränkt werden.
(Acronis/red)