Digitale Souveränität

Frankreich ersetzt Zoom und Teams durch eigene Software

Teams offline
Bildquelle: Below the Sky/Shutterstock.com

Die französische Regierung will bis 2027 alle Behörden auf die selbst entwickelte Plattform “Visio” umstellen. Das Projekt soll Abhängigkeiten von außereuropäischen Anbietern beenden und jährlich Millionen einsparen.

Frankreich macht Ernst mit digitaler Souveränität: Die Regierung hat angekündigt, die hauseigene Videokonferenz-Lösung “Visio” flächendeckend in allen staatlichen Dienststellen einzuführen. Dies gab David Amiel, Minister für öffentlichen Dienst und Staatsreform, am gestrigen Montag bei einem Besuch des Forschungszentrums CNRS in Gif-sur-Yvette bekannt.

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Ende der Abhängigkeit von US-Anbietern

Derzeit nutzen französische Behörden eine Vielzahl kommerzieller Plattformen wie Microsoft Teams, Zoom, GoTo Meeting oder Webex. Diese Fragmentierung führe laut Ministerium nicht nur zu Sicherheitsrisiken und strategischen Abhängigkeiten, sondern verursache auch unnötige Mehrkosten und erschwere die Zusammenarbeit zwischen den Ministerien.

Die von der interministeriellen Direktion für Digitales (DINUM) entwickelte Lösung soll diese Probleme beseitigen. “Wir können es uns nicht leisten, dass unsere wissenschaftlichen Diskussionen, sensiblen Daten und strategischen Innovationen außereuropäischen Akteuren ausgesetzt sind”, erklärte Minister Amiel.

Erfolgreiches Pilotprojekt mit 40.000 Nutzern

Nach einer einjährigen Testphase verzeichnet “Visio” bereits 40.000 regelmäßige Nutzer, weitere 200.000 Mitarbeiter befinden sich im Onboarding-Prozess. Zu den ersten Organisationen, die im ersten Quartal 2026 vollständig auf die neue Plattform umsteigen, gehören die Krankenversicherung, die Generaldirektion für öffentliche Finanzen (DGFiP) und das Verteidigungsministerium.

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Besonders ambitioniert zeigt sich das CNRS: Die staatliche Forschungsorganisation will bis Ende März ihre Zoom-Lizenzen für 34.000 Mitarbeiter und 120.000 assoziierte Forscher durch “Visio” ersetzen.

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Technische Grundlage mit französischer KI

Visio ist Bestandteil der sogenannten “Suite Numérique”, einem digitalen Ökosystem souveräner Werkzeuge, das gängige Dienste wie Google Meet, Slack und Gmail im französischen öffentlichen Sektor ersetzen soll. Der Zugang zu diesen Tools erfolgt ausschließlich über ProConnect, ein nach eigenen Angaben sicheres Authentifizierungssystem für Staatsbedienstete. Weder die allgemeine Öffentlichkeit noch private Unternehmen können die Plattformen nutzen

In Zusammenarbeit mit der nationalen Cybersicherheitsbehörde ANSSI entwickelt, basiert Visio auf mehreren technischen Säulen:

  • Hosting: Die Plattform wird bei Outscale gehostet, einer Tochtergesellschaft von Dassault Systèmes, die über die SecNumCloud-Zertifizierung der ANSSI verfügt.
  • KI-gestützte Transkription: Für automatische Protokollierung nutzt die Lösung Sprechertrennungs-Technologie des französischen Startups Pyannote.
  • Live-Untertitelung: Ab Sommer 2026 sollen Echtzeit-Untertitel durch Technologie des französischen KI-Forschungslabors Kyutai integriert werden.

Millioneneinsparungen erwartet

Neben den strategischen Vorteilen soll das Projekt auch für finanzielle Entlastung sorgen: Pro 100.000 Nutzer, die von kommerziellen Lizenzen auf “Visio” wechseln, rechnet das Ministerium mit Einsparungen von einer Million Euro jährlich. “Digitale Souveränität ist gleichzeitig ein Gebot für unsere öffentlichen Dienste, eine Chance für unsere Unternehmen und eine Absicherung gegen künftige Bedrohungen”, betonte Minister Amiel.

Lars

Becker

Stellvertretender Chefredakteur

IT Verlag GmbH

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