Unter Beschuss

Bundesbank registriert “über 5.000 Cyberangriffe pro Minute”

Deutsche Bundesbank
Bildquelle: 1take1shot/Shutterstock.com

Bundesbank-Präsident Joachim Nagel hat in einem Interview über die massive Bedrohungslage im Finanzsektor, den digitalen Euro als Krisenabsicherung und die Lehren aus dem Berliner Stromausfall, gesprochen.

Die Bundesbank sieht sich einer gewaltigen Cyberbedrohung ausgesetzt: Pro Minute registrieren die IT-Systeme der Institution mehr als 5.000 Angriffe, wie Bundesbank-Präsident Joachim Nagel im Gespräch mit dem Tagesspiegel bekannt gab. Hochgerechnet auf ein Jahr ergibt das rund 2,5 Milliarden Angriffe, die an der Firewall der Bundesbank abprallen.

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Kritische Infrastruktur unter Dauerbeschuss

“Es ist ein ständiger Wettlauf”, beschreibt Nagel die Situation. Die Bundesbank habe umfangreiche Schutzmaßnahmen implementiert, die von sicherheitsgeprüftem Personal über gesicherte IT-Systeme bis hin zu Cyberabwehr und Business-Continuity-Management reichen: “Niemand kann Ihnen garantieren, dass nie was passiert. Aber wir haben höchste Sicherheitsstandards”, gibt er zu.

Die massive Angriffswelle unterstreicht die Bedeutung des Zahlungsverkehrs als kritische Infrastruktur. Dies wurde auch beim großen Stromausfall in Berlin deutlich, als Kartenlesegeräte ausfielen und Menschen nur noch mit Bargeld bezahlen konnten.

Bundesbank für Krisenfälle gerüstet

Für solche Notfälle ist die Bundesbank nach eigenen Angaben gut vorbereitet. Alle Filialen im Bundesgebiet verfügen über Notstromaggregate und können in einem Radius von 75 Kilometern die Bargeldversorgung sicherstellen. Nagel besitzt sogar ein Satellitentelefon für den Fall eines Netzausfalls. Regelmäßig werden Krisenszenarien geübt.

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Digitaler Euro als Resilienz-Faktor

Als Konsequenz aus den Sicherheitsvorfällen – etwa dem Stromausfall in Berlin und dem massiven Datenleck bei einem US-Zahlungsanbieter im August 2025 – sieht Nagel den digitalen Euro als wichtige Ergänzung. “Wohlgemerkt als digitalen Zwilling zum Bargeld, nicht als Ersatz”, betont der Bundesbank-Präsident. Der digitale Euro solle auch offline funktionieren und Deutschland unabhängiger und resilienter machen.

Drei Rechenzentren für den digitalen Euro

Für den digitalen Euro sind drei große Rechenzentren in Frankreich, Italien und Deutschland geplant. Die Bundesbank übernimmt dabei zusammen mit anderen Zentralbanken eine zentrale Rolle als IT-Dienstleister für das gesamte Eurosystem.

Trotz der hohen Sicherheitsstandards bleibt die Unsicherheit bei vielen Bürgern groß, insbesondere was den Datenschutz in Zeiten zunehmender Cyberangriffe angeht. Der digitale Euro soll in einer digitalen Wallet auf dem Smartphone verfügbar sein.

Lars

Becker

Stellvertretender Chefredakteur

IT Verlag GmbH

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