Delta-Air-Lines-Chef Ed Bastian erwartet, dass der Einsatz künstlicher Intelligenz die Gewinnmarge des Konzerns von derzeit rund 10 auf bis zu 15 Prozent steigern könnte.
Delta will dabei schrittweise von Menschen getroffene Entscheidungen bei Preisgestaltung, Upgrades, Besatzungsplanung, Wartung, Treibstoffmanagement sowie im Backoffice durch fortlaufende, maschinell getroffene Entscheidungen ersetzen. Bastian bevorzugt dabei bewusst den Begriff „erweiterte Intelligenz“ statt künstliche Intelligenz und erklärte im Podcast Airlines Confidential, das eigene Unternehmen nutze bislang nur einen Bruchteil der verfügbaren Daten zu Umsatzsteuerung und Preisgestaltung, da bisherige Systeme vor allem rückblickend statt vorausschauend arbeiteten.
Bereits bei der Investorenkonferenz im November 2024 hatte der damalige Delta-Präsident Glen Hauenstein eine grundlegende Neuausrichtung der Preisgestaltung beschrieben, weg von starren Preisgittern hin zu individuell für eine bestimmte Anfrage zu einem bestimmten Zeitpunkt generierten Angeboten. Delta testet dafür bereits seit einiger Zeit ein KI-System des Anbieters Fetcherr für einen Teil der eigenen Inlandskapazität. Gegenüber dem US-Kongress hatte Delta zuvor erklärt, aktuell keine individualisierten Ticketpreise auf Basis persönlicher Kundendaten zu berechnen, sondern lediglich aggregierte Marktdaten zu nutzen, ein Widerspruch zu den eigenen, an Investoren gerichteten Ankündigungen zu individuell berechneten Angeboten.
Delta: Rechtlich anders geregelt als bei anderen Branchen
Anders als bei klassischen Einzelhändlern, vor deren Nutzung privater Kundendaten zur Preiserhöhung die US-Handelsaufsicht FTC zuletzt warnte, sind Fluggesellschaften vom entsprechenden Zuständigkeitsbereich der Behörde ausdrücklich ausgenommen, zuständig ist stattdessen das US-Verkehrsministerium, das bereits 2014 entsprechende Angebote grundsätzlich nicht als unzulässig einstufte. Mehrere US-Bundesstaaten planen zwar eigene Regelungen zu personalisierten Preisen, diese werden jedoch durch ein Bundesgesetz zur Deregulierung der Luftfahrtbranche ausdrücklich verdrängt.
Auswirkungen auf Arbeitsplätze im Backoffice
Nach Einschätzung von Branchenbeobachtern dürften vor allem Tätigkeiten in Kundenservice, Umsatzsteuerung, Finanzbuchhaltung, Marketing sowie bei der Flugplan- und Besatzungsplanung durch KI ersetzt oder deutlich verschlankt werden, während PilotenFlugbegleitpersonal und Mechaniker durch Sicherheitsvorschriften, Lizenzpflichten und Gewerkschaften vorerst besser geschützt bleiben. Der Wettbewerber United Airlines hatte bereits eingeräumt, seine Managementbelegschaft im vergangenen Jahr um 4 Prozent reduziert zu haben und eine weitere Verringerung um 4 Prozent zu planen.
(red)