Delta ermittelt zu einem Flug mit DEF-CON-Teilnehmern, auf dem Passagiere das Bord-WLAN mutmaßlich störten und ein gefälschtes Netzwerk ausstrahlten.
Nach Berichten mehrerer Fachmedien betraf der Vorfall den Delta-Flug 591, eine Boeing 757 mit 199 Passagieren und sechs Besatzungsmitgliedern. Laut über das Aircraft Communications Addressing and Reporting System übermittelten Meldungen der Flugbesatzung, die vom Flugzeugtechniker Turbine Traveller veröffentlicht wurden, hieß es darin unter anderem:
„Wir haben mehrere Passagiere an Bord, die auf einer Cyberkonferenz in Las Vegas waren. Sie waren in der Lage, unser WLAN zu stören und ihr eigenes Signal auszustrahlen.“
Meldung der Delta-Flugbesatzung
In einer weiteren Meldung wies die Besatzung darauf hin, ein Passagier habe ein betrügerisches WLAN namens „Delta WiFi Fast“ erstellt, mit dem mutmaßlich andere Passagiere getäuscht werden sollten.
Bei der beschriebenen Methode handelt es sich um einen sogenannten Deauthentication-Angriff: Dabei werden mit dem legitimen Netzwerk verbundene Geräte durch gefälschte Datenpakete, die scheinbar vom echten Zugangspunkt stammen, gezielt zur Trennung der Verbindung gezwungen, üblicherweise um Nutzer anschließend zur Verbindung mit einem betrügerischen, sogenannten Evil-Twin-Netzwerk zu bewegen. Nach eigenen Angaben von Delta war ein nicht von der Fluggesellschaft bereitgestelltes, betriebenes oder autorisiertes WLAN-Netzwerk für kurze Zeit während des Fluges tatsächlich aktiv an Bord. Die Kabinencrew deaktivierte das offizielle Bord-WLAN nach Bekanntwerden des Vorfalls für rund 30 Minuten.
Gefälschte Delta-Anmeldeseite soll Google-Zugangsdaten abgegriffen haben
Laut Berichten mehrerer Medien, darunter das Fachmagazin SC Media, zeigte das betrügerische Netzwerk eine Phishing-Seite an, die auf das Abgreifen persönlicher Zugangsdaten sowie von Google-Anmeldedaten ausgelegt war. In privaten und sozialen Netzwerken kursierende, bislang nicht offiziell bestätigte Berichte legen nahe, dass die Täter dafür ein sogenanntes WiFi-Pineapple-Gerät genutzt haben könnten, ein tragbares, für Penetrationstests entwickeltes Werkzeug, mit dem sich sowohl Deauthentication-Angriffe durchführen als auch gefälschte Netzwerke ausstrahlen lassen.
Ein Delta-Sprecher erklärte gegenüber Medien, die Sicherheit des Fluges sei zu keinem Zeitpunkt gefährdet gewesen und keine Betriebssysteme des Flugzeugs seien betroffen gewesen. Nach der Landung in Atlanta bestiegen Bundesbehörden und Flughafenpolizei das Flugzeug, um Verdächtige zu befragen und Ausrüstung sicherzustellen, wobei bislang keine offizielle Festnahme bestätigt wurde. Die US-Luftfahrtbehörde FAA erklärte, bislang keinen offiziellen Bericht zu dem Vorfall erhalten zu haben, das FBI äußerte sich bislang nicht öffentlich dazu. Delta erklärte, an einer vollständigen Aufklärung des Sachverhalts zu arbeiten und dafür mit Bundesbehörden sowie Luftfahrtaufsichtsbehörden zusammenzuarbeiten.
Ross Filipek, Sicherheitsverantwortlicher beim Unternehmen Corsica Technologies, ordnete den Vorfall gegenüber dem Fachmagazin eSecurity Planet so ein: „Vorfälle wie dieser erinnern daran, dass Bequemlichkeit sehr schnell Vertrauen schafft. Öffentliches WLAN setzt voraus, dass Nutzer das richtige Netzwerk erkennen. Angreifer können ausnutzen, wenn dieses Vertrauen fehlgeleitet wird.“
(red)