Die Erpressergruppe ShinyHunters behauptet, beim US-Rechenzentrumsbetreiber CyrusOne eingebrochen zu sein und fordert 13 Millionen US-Dollar.
Andernfalls wolle ShinyHunters die angeblich erbeuteten Daten veröffentlichen. CyrusOne äußerte sich bislang nicht öffentlich zu den Vorwürfen, Datenproben zur Untermauerung der Behauptungen liegen bislang nicht vor.
Die Gruppe listete das Opfer erstmals am 20. August auf der eigenen Leak-Website, zunächst noch ohne Namensnennung und mit der Kennzeichnung als letzte Warnung. Am 23. August aktualisierten die Angreifer den Eintrag, nannten erstmals CyrusOne als Betroffenen und setzten ein 24-Stunden-Ultimatum samt der konkreten Forderung von 13 Millionen US-Dollar an.
Nach eigenen Angaben der Gruppe umfasst der erbeutete Datensatz 12,9 Millionen Salesforce-Datensätze, mehr als 182.000 Einträge aus dem Salesforce-Kontaktobjekt, rund 369,6 Gigabyte komprimierte SharePoint-Daten, mehr als 8.300 Mitarbeiterdatensätze mit personenbezogenen Informationen, abgeschlossene Verträge und Vertraulichkeitsvereinbarungen, Grundrisse und Elektropläne von Rechenzentren, Zugangskontrollprotokolle, Ausweisprüfungen, Inventare physischer Schlüssel, Sicherheitsrichtlinien sowie Dokumentation zum Zuverlässigkeitsmanagement kritischer Infrastruktur.
Physische statt nur digitale Angriffsfläche
Sicherheitsforscher von Cybernews warnen, dass ein derartiger Datenabfluss über die reine Datenverarbeitung hinaus auch die physische Sicherheit von Rechenzentren gefährden könnte. Grundrisse, Elektropläne und Sicherheitsrichtlinien zeigten, wo sich Käfige, Schleusen, Kameras und Türen befänden und wie Wachpersonal arbeite, so das Forschungsteam. Anders als ein kompromittiertes Passwort lasse sich physische Sicherheitsinfrastruktur nicht kurzfristig zurücksetzen: Während sich Passwörter binnen Stunden austauschen ließen, benötige die Neuvergabe von Schlüsseln und die Neugestaltung von Zugangszonen über mehrere Standorte hinweg Monate und erhebliche finanzielle Mittel.
Auch für Kunden von CyrusOne könnte der mutmaßliche Vorfall Folgen haben, da Vertragsunterlagen, Preisangaben und Ansprechpartner detaillierte Rückschlüsse auf einzelne Mieter des Betreibers zulassen könnten, was gezielte Betrugsversuche und Identitätsvortäuschungen erleichtern würde. Die angeblich betroffene Dokumentation zu Strom- und Kühlsystemen könnte darüber hinaus mögliche Schwachstellen oder Abhängigkeiten offenlegen.
Großer Betreiber mit prominenter Kundenliste
CyrusOne betreibt nach eigenen Angaben rund 50 Rechenzentren in den USA und international, unterstützt von den Investmentfirmen KKR und Global Infrastructure Partners, und zählt nach eigenen Angaben Hunderte Kunden, darunter 185 Unternehmen der Fortune-1000-Liste. Zu den berichteten Kunden zählen unter anderem Microsoft, Meta, Verizon, AT&T, IBM sowie die CME Group.
(red)