Ein Bericht der Financial Times beschreibt, dass Anthropics leistungsstärkstes KI-Modell Fable 5 bei Nutzern hinter günstigeren Alternativen wie DeepSeek zurückbleibt.
Laut dem Bericht verbreitet sich in der Branche zunehmend eine als Modell-Routing bezeichnete Strategie, bei der Unternehmen einfache Aufgaben gezielt an günstigere Modelle weiterleiten und teurere Spitzenmodelle nur noch für besonders komplexe Anwendungsfälle reservieren. In der Folge sinke der Datenverkehr und damit auch der Umsatz, der auf Premiumangebote wie Anthropics Spitzenmodelle entfällt. Zwischen Juni und August 2026 brachte Anthropic mit Claude Opus 5 ein mittelpreisiges Modell für 5 US-Dollar pro Million Eingabe- sowie 25 US-Dollar pro Million Ausgabe-Tokens auf den Markt. Der durchschnittlich für Anthropic-Modelle gezahlte Preis sei seit Mitte Juli um fast 25 Prozent gesunken.
Gleichzeitig verzeichnet Anthropic weiterhin deutliches Wachstum: Der Chatbot Claude kam Mitte 2026 auf rund 245 Millionen monatlich aktive Nutzer, der auf Jahresbasis hochgerechnete Umsatz des Unternehmens erreichte im Mai rund 47 Milliarden US-Dollar. Nach Angaben des Berichts überholte Anthropic dabei sogar OpenAI beim Anteil an den Ausgaben von Unternehmen für KI und kam im Mai auf einen Anteil von 41 Prozent der entsprechenden Unternehmensbudgets. Allerdings verlangsame sich das Wachstumstempo zunehmend, da Preissensibilität in der Beschaffungsentscheidung von Unternehmen an Bedeutung gewinne.
Anthropic: Auch offene Modelle gewinnen an Marktanteil
Ergänzend berichtete das Analyseunternehmen Vercel, der Anteil quelloffener Modelle am insgesamt verarbeiteten Token-Volumen sei binnen zweier Monate von 28 auf 62 Prozent gestiegen, ein Hinweis darauf, dass sowohl OpenAI als auch Anthropic zunehmend Marktanteile an solche Alternativen abgeben, selbst während die absoluten Nutzungszahlen beider Unternehmen im Juli weiter zulegten. Nach eigener Einschätzung von Anthropic ist Opus 5 zwar nicht auf dem gleichen Stand wie Fable 5 bei besonders risikoreichen, doppelt nutzbaren Fähigkeiten etwa im Bereich Cybersicherheit, übertrifft das größere Modell nach Unternehmensangaben jedoch bei Programmier- und Wissensarbeitsaufgaben.
(red)