Investition in KI

Cisco baut knapp 4.000 Stellen ab

Cisco
Bildquelle: HJBC/Shutterstock.com

Der Netzwerkgigant Cisco streicht weltweit weniger als 4.000 Stellen, um verstärkt in Wachstumsmärkte wie künstliche Intelligenz und Sicherheit zu investieren.

Der US-amerikanische Netzwerkausrüster Cisco Systems hat im Rahmen der Bekanntgabe seiner jüngsten Geschäftszahlen eine umfassende betriebliche Umstrukturierung angekündigt. Wie Chuck Robbins, Vorstandsvorsitzender und CEO des Konzerns, während der Telefonkonferenz zum dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 vor Finanzanalysten erläuterte, wird diese Restrukturierung weltweit zum Abbau von knapp 4.000 Arbeitsplätzen führen. Dies entspricht einem Anteil von weniger als fünf Prozent der gesamten weltweiten Belegschaft des Unternehmens. Die Kündigungen haben am 14. Mai 2026 begonnen und werden sukzessive unter Berücksichtigung der jeweiligen lokalen Arbeitsgesetze fortgesetzt. Das erklärte Ziel dieser Maßnahme ist es, frei werdende finanzielle und personelle Ressourcen gezielt in strategische Wachstumsfelder umzuschichten. Zu diesen Prioritäten gehören die Bereiche künstliche Intelligenz, Cybersicherheit, Halbleitertechnologie, Optik sowie Quantennetzwerke.

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Aufwendungen vor Steuern belaufen sich auf eine Milliarde Dollar

In einer offiziellen Meldung an die US-Börsenaufsichtsbehörde SEC (Securities and Exchange Commission) legte Cisco die prognostizierten Kosten für das laufende Umstrukturierungsprogramm offen. Der Konzern rechnet in seinen Bilanzen nach den Rechnungslegungsstandards GAAP mit Aufwendungen vor Steuern in einer Gesamthöhe von bis zu einer Milliarde US-Dollar.

Diese Summe setzt sich im Wesentlichen aus Abfindungszahlungen, einmaligen Leistungen für ausscheidende Mitarbeiter sowie unmittelbar damit verbundenen Folgekosten zusammen. Das Unternehmen geht davon aus, etwa 450 Millionen US-Dollar dieses Betrages im laufenden vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026 bilanziell zu verbuchen. Die verbleibenden Restbeträge in Höhe von circa 550 Millionen US-Dollar werden voraussichtlich über das darauffolgende Geschäftsjahr 2027 verteilt abgeschrieben.

Cisco verlagert Kundenaquise und Support auf externe Partner

Die angekündigten Sparmaßnahmen und strategischen Neuausrichtungen stoßen innerhalb des Cisco-Vertriebsnetzwerks auf ein geteiltes Echo. Lane Irvine, Director of Strategic Alliances beim IT-Dienstleister Long View Systems im kanadischen Calgary, wies darauf hin, dass die Integration von KI in die Unternehmensstrukturen vieler Technologiekonzerne primär der operativen Kostenreduktion diene. Gleichzeitig beobachte der Vertriebskanal eine strategische Verschiebung bei der Betreuung von Endkunden.

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Cisco verlagere einen zunehmend größeren Teil der Verantwortung für die direkte Kundenakquise, den Support und das Management des Kundenerfolgs (Customer Success) direkt auf die externen Partner, während die direkte Unterstützung durch den Hersteller im Mainstream-Segment abnehme. Zudem stehe Cisco unter erheblichem Druck durch Wettbewerber, die technologisch aufgeschlossen haben. Der Partner-Kanal erhofft sich durch die internen Kostensenkungen des Herstellers künftige Preissenkungen, um die Endprodukte am Markt wettbewerbsfähiger positionieren zu können.

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Trotz Stellenabbau Investitionen in KI

Trotz des Stellenabbaus forciert das Management die Investitionen in generative Technologien. Cisco gab bekannt, das System „Foundry Security Spec“ als Open Source freigegeben zu haben. Hierbei handelt es sich um einen produktionsreifen Architektur-Entwurf, der Kunden dabei unterstützen soll, skalierbare, auf KI-Agenten basierende Systeme zur Sicherheitsbewertung aufzubauen. Zudem wurde die einheitliche, KI-gestützte Bereitstellungsplattform „Cisco IQ“ für die allgemeine Verfügbarkeit freigegeben. Laut Konzernangaben nutzen bereits mehr als 250 Unternehmenskunden diese Plattform, um einen Echtzeit-Überblick über ihre Cisco-Ressourcen und Netzwerkkonfigurationen zu erhalten und diese vor architektonischen Bedrohungen abzusichern.

Intern setzt Cisco auf den firmeneigenen KI-Assistenten „CIRCUIT“, der mittlerweile vollständig in die Arbeitsabläufe integriert ist und laut Robbins rund acht Millionen Interaktionen pro Quartal durch die Belegschaft verzeichnet. Darüber hinaus hat Cisco das KI-System Codex von OpenAI, bei dem das Unternehmen als Gründungspartner agiert, für die gesamte Produktorganisation freigegeben, um die Entwicklung neuer Hardware- und Softwareprodukte zu beschleunigen.

Entwicklung eines Forschungsprototyps für Quantennetzwerke

Ein weiteres technologisches Investitionsfeld betrifft die Infrastruktur künftiger Rechenzentren. Cisco präsentierte kürzlich einen funktionierenden Forschungsprototypen des sogenannten „Cisco Universal Quantum Switch“. Diese Hardware-Komponente ist spezifisch dafür konstruiert worden, Quanteninformationen zwischen verschiedenen Computersystemen bei Raumtemperatur zu leiten und deren Zustand zu bewahren. Die Übertragung erfolgt dabei über herkömmliche, standardisierte Telekommunikations-Glasfaserkabel. Das Unternehmen beabsichtigt mit dieser Entwicklung, das technologische Ökosystem für Quantencomputer frühzeitig mitzugestalten, da diese Architekturen als langfristige Basis für die Rechenzentren der Zukunft eingestuft werden.

Deutlicher Anstieg von Umsatz und Gewinn im dritten Quartal

Die Finanzdaten für das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2026, welches am 25. April endete, weisen ein solides Wachstum auf. Der Gesamtumsatz von Cisco stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 11,9 Prozent von 14,15 Milliarden US-Dollar auf nunmehr 15,84 Milliarden US-Dollar. Dieses Ergebnis setzt sich aus Produktumsätzen in Höhe von 12,12 Milliarden Dollar (Vorjahr: 10,37 Milliarden Dollar) und Dienstleistungsumsätzen von 3,74 Milliarden Dollar (Vorjahr: 3,78 Milliarden Dollar) zusammen.

Innerhalb der Produktsegmente entwickelte sich das Kerngeschäft mit Netzwerkinfrastruktur positiv und wuchs um 25 Prozent auf einen Umsatz von 8,82 Milliarden Dollar. Die Sparte IT-Sicherheit (Security) stagnierte im Jahresvergleich unverändert bei 2,01 Milliarden Dollar. Der Bereich Kollaborationssoftware verzeichnete einen leichten Rückgang um ein Prozent auf 1,02 Milliarden Dollar, während das Segment Observability ein Wachstum um drei Prozent auf 269 Millionen Dollar generierte.

Der Nettogewinn nach GAAP-Richtlinien belief sich auf 3,37 Milliarden US-Dollar beziehungsweise 85 Cent pro Aktie, verglichen mit 2,49 Milliarden Dollar (62 Cent pro Aktie) im dritten Quartal des Vorjahres. Auf Non-GAAP-Basis verbuchte der Konzern einen Nettogewinn von 4,23 Milliarden Dollar (Vorjahr: 3,83 Milliarden Dollar). Damit übertraf Cisco die durchschnittlichen Prognosen der Finanzanalysten um zwei Cent pro Aktie.

Autorenbild Lisa Löw

Lisa

Löw

Junior Online-Redakteurin

IT-Verlag

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