Anzeige

Security

Populäre mobile Messenger wie von Facebook oder Apps wie WhatsApp geben persönliche Daten über Kontaktermittlungsdienste preis. Diese ermöglichen, Kontakte anhand von Telefonnummern aus dem persönlichen Adressbuch zu finden, wie Forscher der Technischen Universität Darmstadt und Kollegen der Universität Würzburg warnen.

Privatsphäre-Einstellungen checken

Derzeit genutzte Methoden zur Kontaktermittlung bedrohen laut den Experten die Privatsphäre von weit mehr als einer Mrd. Nutzer massiv. Unter Verwendung sehr weniger Ressourcen war das Team in der Lage, praktikable Crawling-Angriffe auf die populären Messenger WhatsApp, Signal und Telegram durchzuführen. Die Experimente zeigen, dass bösartige Nutzer oder Hacker in großem Stil und ohne nennenswerte Einschränkungen sensible Daten sammeln können, indem sie bei Diensten zur Kontaktermittlung zufällige Telefonnummern abfragen.

Für ihre Studie haben die Forscher zehn Prozent aller Mobilfunknummern in den USA für WhatsApp und 100 Prozent für Signal abgefragt. So konnten sie persönliche (Meta-)Daten sammeln, wie sie üblicherweise in den Nutzerprofilen der Messenger gespeichert sind, inklusive Profilbilder, Nutzernamen, Statustexte und die "zuletzt online" verbrachte Zeit. Die analysierten Daten offenbaren auch interessante Statistiken über das Nutzerverhalten. Beispielsweise ändern sehr wenige Nutzende die standardmäßigen Privatsphäre-Einstellungen, die für die meisten Messenger ganz und gar nicht Privatsphäre-freundlich sind.

Auf Angriffsstrategie kommt es an

Laut dem Team hat rund jeder zweite WhatsApp-User allein in den USA ein öffentliches Profilbild und 90 Prozent verfügen über einen öffentlichen Infotext. Interessanterweise verwenden 40 Prozent aller bei Signal Registrierten auch WhatsApp und die Hälfte von diesen hat dort ein öffentliches Profilbild. Solche Daten über die Zeit zu verfolgen, verhilft Angreifenden dabei, genaue Verhaltensmodelle zu erstellen.

Wenn die Daten mit sozialen Netzen und anderen öffentlichen Datenquellen abgeglichen werden, können Dritte auch detaillierte Profile erstellen und beispielsweise für Betrugsmaschen nutzen. Bezüglich Telegram fanden die Forscher heraus, dass der Dienst zur Kontaktermittlung auch sensible Informationen selbst über die Besitzer von Telefonnummern preisgibt, die nicht bei dem Dienst registriert sind.

Welche Infos während der Kontaktermittlung preisgegeben und über Crawling-Angriffe gesammelt werden können, hängt vom Dienstanbieter und den gewählten Privatsphäre-Einstellungen ab. Beispielsweise übertragen WhatsApp und Telegram das komplette Adressbuch der Nutzenden an entsprechende Server. Privatsphäre-schützende Messenger wie Signal übertragen nur kurze kryptographische Hashwerte von Telefonnummern oder verlassen sich auf vertrauenswürdige Hardware.

Die Teams zeigen jedoch, dass es mithilfe neuer und optimierter Angriffsstrategien dennoch möglich ist, in von Millisekunden von den Hashwerten auf die zugehörigen Telefonnummern zurückzuschließen. Noch gravierender, da es keine nennenswerten Hürden für die Registrierung bei solchen Messengern gibt, ist dies: Dritte können eine große Anzahl an Accounts erstellen und die Nutzerdatenbanken eines Messengers nach Informationen durchforsten, indem Daten für zufällige Telefonnummern abgefragt werden.

www.pressetext.com


Artikel zu diesem Thema

Malware
Sep 15, 2020

Fileless Malware: Meister der Tarnung

Für Cyberkriminelle ist Fileless Malware ein beliebtes Mittel, um unbemerkt Systeme zu…

Weitere Artikel

Digital X 2021 im Herzen von Köln

Die Telekom geht neue Wege und angesichts der aktuell rückläufigen Pandemie-Entwicklung ganz bewusst „mitten rein ins echte Leben“: Die Digital X trifft sich am 7. und 8. September 2021 im Herzen der Stadt Köln.
Netflix

Netflix will in Games-Markt einsteigen

Streaming-Gigant Netflix will in den boomenden Markt für Videospiele einsteigen.
Fussball

Fußball-EM: Bot-Attacken auf Sportwetten- und Glücksspielseiten um 96 % gestiegen

Imperva, ein Unternehmen im Bereich Cybersecurity, mit dem Ziel, Daten und alle Zugriffswege auf diese zu schützen, verzeichnete in ganz Europa vor und während der Fußball-Europameisterschaft 2020 einen signifikanten Anstieg des Bot-Traffics auf Sportwetten-…
Streaming

Sportsendungen: Streaming schlägt Pay-TV

Sportsendungen im Pay-TV verlieren an Zuschauern. Die Streaming-Dienste boomen dagegen, wie die Umfrage "Sports Video Trends 2021" im Auftrag des Londoner Videoproduzenten Grabyo zeigt.
Cell Broadcast

Bitkom zur Debatte um Cell-Broadcast

Nach der Hochwasser-Katastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen wird in Deutschland die Einführung von Cell-Broadcast für den Versand von Warnnachrichten diskutiert.
Online-Shopping

Olympische Spiele – ein E-Commerce-Killer?

Wenn am Freitag der Fackellauf das Stadion in Tokio erreicht, ist es so weit: Die 32. Olympischen Sommerspiele der Neuzeit sind eröffnet und das Motto lautet erneut: „Dabei sein ist alles.“

Anzeige

Jetzt die smarten News aus der IT-Welt abonnieren! 💌

Mit Klick auf den Button "Zum Newsletter anmelden" stimme ich der Datenschutzerklärung zu.