Interview mit Scott Beale

Frauen in der Cybersecurity: Chancen, Hürden und die Rolle von KI

Frauen Cybersicherheit

Im Interview spricht Scott Beale, Chief Executive Officer von ISC2, über die Ergebnisse der neuen ISC2-Studie zu Frauen in der Cybersicherheit – und über ein Berufsfeld im Wandel.

 ISC2 hat gerade neue Forschungsergebnisse zu Frauen in der Cybersicherheit veröffentlicht. Was ist die wichtigste Erkenntnis der Studie?

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Scott Beale: Eine der ermutigendsten Erkenntnisse ist, dass Cybersicherheit in ihrem jeweiligen Land oder ihrer Region weithin als ein einladender Karriereweg für Frauen angesehen wird, wie 72 Prozent der befragten Frauen angaben. Dieses Ergebnis deutet darauf hin, dass viele der Bemühungen von Organisationen, Bildungseinrichtungen und der Cybersicherheits-Community, die Branche inklusiver zu gestalten, eine positive Wirkung zeigen.

Gleichzeitig zeigt die Studie, dass Frauen in der Branche weiterhin mit Herausforderungen konfrontiert sind, etwa mit Hürden beim beruflichen Aufstieg, bei der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben sowie mit wirtschaftlichen Faktoren, die angegangen werden müssen. Insgesamt zeichnet die Studie jedoch ein ausgewogenes Bild der Cybersicherheitsbranche als zugänglichen und lohnenden Karriereweg für Frauen.

Wie zufrieden sind Frauen, die derzeit in der Cybersicherheit arbeiten, mit ihren Jobs?

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Scott Beale: Die Studie ergab, dass die durchschnittliche Arbeitszufriedenheit unter den teilnehmenden Frauen im Vergleich zum Vorjahr von 67 auf 71 Prozent gestiegen ist. Nach drei aufeinanderfolgenden Jahren des Rückgangs stellt dieser Anstieg eine positive Entwicklung dar.
Trotz anhaltender wirtschaftlicher Belastungen und Umstrukturierungen im Technologiesektor berichten viele Frauen weiterhin von einer hohen Zufriedenheit in ihren Cybersicherheitsrollen. Dies deutet darauf hin, dass der Beruf sinnstiftende Arbeit, solide Karriereperspektiven und die Möglichkeit bietet, direkt zum Schutz kritischer Unternehmenswerte beizutragen.

In der Studie werden auch Entlassungen erwähnt. Wie sind Frauen im Vergleich zu Männern betroffen?

Scott Beale: Den Ergebnissen zufolge berichteten Frauen häufiger als Männer, dass ihre Organisationen in den vergangenen zwölf Monaten Entlassungen in Sicherheitspositionen durchgeführt haben – 28 Prozent gegenüber 23 Prozent der Männer. Das bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass Frauen selbst häufiger entlassen wurden; vielmehr zeigt es, dass weibliche Befragte häufiger in Organisationen tätig waren, die Personalabbau im Sicherheitsbereich erlebt haben. Diese Entlassungen sowie Budgetkürzungen, Einstellungsstopps und reduzierte Beförderungsmöglichkeiten wirken sich messbar auf die Arbeitsmoral und die Karrierechancen aus.
Diese Entwicklungen sind Teil eines breiteren Trends im Technologiesektor, in dem wirtschaftlicher Druck und sich verändernde Prioritäten Personalentscheidungen beeinflussen. Für Cybersicherheitsfachkräfte kann dieses Umfeld Unsicherheit hinsichtlich Karriereentwicklung und Arbeitsplatzsicherheit schaffen.

Welche Hürden für den beruflichen Aufstieg berichten Frauen im Bereich Cybersicherheit?

Scott Beale: Eine der auffälligsten Erkenntnisse betrifft die Karriereentwicklung und Fairness am Arbeitsplatz. Ein Drittel der Frauen (34 Prozent) gab an, dass Ungleichheiten bei Bezahlung oder Beförderungen Frauen ausbremsen. Unter den männlichen Befragten stimmten dem nur 19 Prozent zu. Darüber hinaus nannten fast die Hälfte der befragten Frauen (45 Prozent) – im Vergleich zu 29 Prozent der Männer – die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben oder Betreuungsverpflichtungen als größte Herausforderung für den beruflichen Aufstieg von Frauen in der Cybersicherheit.
Diese Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung von Unternehmensrichtlinien, die flexible Arbeitsmodelle, transparente Beförderungsprozesse und gleiche Bezahlung unterstützen. Die Bewältigung dieser Herausforderungen ist entscheidend für die Gleichstellung der Geschlechter und die Stärkung der gesamten Cybersicherheitsbelegschaft.

Die Studie zeigt auch unterschiedliche Wahrnehmungen zwischen Männern und Frauen in Bezug auf diese Herausforderungen. Was sagen die Daten?

Scott Beale: Die Ergebnisse zeigen eine klare Wahrnehmungslücke. Zwei von fünf männlichen Teilnehmern (42 Prozent) gaben an, keine Herausforderungen zu sehen oder keine wesentlichen Hürden für Frauen beobachtet zu haben – das ist 2,5-mal so viel wie bei den Frauen selbst (17 Prozent).
Diese Diskrepanz deutet darauf hin, dass viele der Herausforderungen, mit denen Frauen konfrontiert sind, für männliche Kollegen oder Führungskräfte nicht immer sichtbar sind. Das Bewusstsein für diese Themen innerhalb von Organisationen zu schärfen, ist daher ein wichtiger Schritt hin zu gerechteren und inklusiveren Arbeitsumgebungen in der Cybersicherheit.

Wie beeinflusst künstliche Intelligenz die Karriereentwicklung von Frauen in der Cybersicherheit?

Scott Beale: Künstliche Intelligenz entwickelt sich sowohl zu einer Chance als auch zu einer Herausforderung für Cybersicherheitsfachkräfte. Die Studie zeigt, dass Frauen (27 Prozent) häufiger als Männer (17 Prozent) angaben, über „signifikante“ Kenntnisse in KI und maschinellem Lernen zu verfügen. Das deutet darauf hin, dass viele Frauen aktiv in den Aufbau entsprechender Fähigkeiten investieren, da diese Technologien zunehmend zentral für Sicherheitsprozesse werden.
Gleichzeitig beeinflusst die rasche Verbreitung von KI auch Karriereentscheidungen. Der Aufstieg KI-gestützter Technologien verändert, wie Fachkräfte über ihre langfristige Karriereentwicklung nachdenken – etwa hinsichtlich möglicher Karrierewege und der Fähigkeiten, die sie benötigen, um im Cybersicherheitsarbeitsmarkt wettbewerbsfähig zu bleiben.

Können Sie die Rolle der ISC2 Cybersecurity Workforce Study für diese Forschung erläutern?

Scott Beale: Die Ergebnisse basieren auf der ISC2 Cybersecurity Workforce Study 2025, einer der umfassendsten jährlichen Studien zum Cybersicherheitsberuf. Insgesamt wurden weltweit 16.029 Cybersicherheitsfachkräfte und Entscheidungsträger befragt, darunter 2.603 Frauen aus Nordamerika, Lateinamerika, dem asiatisch-pazifischen Raum sowie der EMEA-Region.
Ziel der Studie ist es, die Cybersicherheitsbelegschaft zu analysieren, die Herausforderungen des Berufs zu verstehen und Lösungen zu identifizieren, die Fachkräften Erfolg ermöglichen und Organisationen helfen, ihre kritischen Ressourcen besser zu schützen. Durch die Untersuchung von Trends, Kompetenzentwicklung, Diversität und Karriereherausforderungen liefert die Studie wertvolle Erkenntnisse für Arbeitgeber, politische Entscheidungsträger und Fachkräfte, die den globalen Talentpool im Bereich Cybersicherheit stärken und erweitern möchten.

ISC2 hat kürzlich den Global ISC2 50×50 Women’s Summit organisiert. Können Sie uns etwas mehr darüber erzählen?

Scott Beale: Der Global ISC2 50×50 Women’s Summit, unterstützt vom ISC2 Center for Cyber Safety and Education, ist eine virtuelle Veranstaltung mit Sessions zu Themen wie Führung, Mentoring, Karriereplanung und Allyship (aktive Unterstützung von Frauen am Arbeitsplatz). Im Zentrum steht die Global-50×50-Initiative – ein ambitioniertes, langfristiges Vorhaben mit dem Ziel, den Frauenanteil in der Cybersicherheit bis zum Jahr 2050 auf 50 Prozent zu erhöhen.
Mehr als 3.500 Personen haben sich für die Veranstaltung registriert, die eine vielfältige Gruppe von Cybersicherheitsfachkräften zusammenbrachte und eine Plattform für intensiven Wissensaustausch und Networking bot. Das Feedback war überwältigend positiv. Besonders hervorgehoben wurden die Qualität der Sessions, die Offenheit der Diskussionen – insbesondere zum Thema „Allyship“ – sowie die praxisnahen Einblicke von Branchenführern. Viele Teilnehmende betonten zudem die Bedeutung, solche Initiativen fortzuführen, um echte Fortschritte in der Branche zu erzielen.

Scott Beale

Scott

Beale

CEO

ISC2

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