Freelancer verdienen mehr, als sie derzeit bekommen

Gerade IT-Fachkräfte setzen auch in Deutschland immer häufiger auf die Selbstständigkeit als Alternative zur Festanstellung. Doch im Verhandlungs- und Bezahlungspoker mit den Auftraggebern ziehen Einzelkämpfer oft den Kürzeren.

Es sind markige Worte, mit denen Vinciane Beauchene, Managing Director & Partner bei Boston Consulting Group in Paris und Global Lead for Talent & Skills, die Studie einleitet: „Heute können wir sagen, dass der Kampf um Talente vorbei ist … Talente haben gewonnen. Die diesjährige Studie bestätigt, dass immer mehr unterschiedliche Profile die Selbstständigkeit wählen und dort nach mehr Flexibilität und Unabhängigkeit streben. “Freiberufliche Mitarbeiter müssen respektiert werden.“ So ordnet Moojo-CEO Utena die Ergebnisse der BCG-Studie Zukunft der Arbeit ein. 

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Jede vierte Tech-Fachkraft in Europa arbeitet auf eigene Rechnung 

Beauchene und ihr Team haben in der 2022er-Auflage von „Freelancing in Europe“ abermals ausführlich durchleuchtet, wie es um den Trend zur Selbstständigkeit bestellt ist – auch mit speziellem Blick auf Deutschland. Während allgemein der Trend zur Gründung in eigener Sache mit unsicher werdenden Wirtschaftsaussichten schwindet, scheint er gerade unter IT-Fachkräften ungebrochen. Heute sind laut Boston Consulting Group etwa 25 Prozent der 13 Millionen Tech-Fachkräfte in Europa Freelancer. Tendenz weiter steigend. Oder um es in der Beratersprache von BCG zu formulieren: „Ein Wachstum dieser Gruppe unter der New Work Order ist wahrscheinlich.“ 

Auch bei den Unternehmen ist ein Umdenken festzustellen, wenn man sich die Ergebnisse der BCG-Studie näher anschaut: Die Daten zeigen, dass kleine und mittelständische Unternehmen die Kollaboration mit Freelancern bereits angenommen haben. In Deutschland arbeiten 20 Prozent der Freelancer regelmäßig mit Großunternehmen zusammen, 80 Prozent mit Mittelständlern. Als Vorreiter und Early Adopter von Innovationen sind Freelancer eine Inspirationsquelle für Unternehmen jeder Größe.

Doch noch ist Europa im Bereich Selbstständigkeit nur Mittelmaß im internationalen Vergleich. Ende vergangenen Jahres meldete die an der Nasdaq gelistete Firma Upwork – nach eigenen Angaben der weltgrößte Markplatz für Freelancer –, dass 2021 59 Millionen US-Amerikaner auf eigene Rechnung gearbeitet haben. Das entspricht laut Upwork einem Anteil von 36 Prozent an der gesamten Erwerbsbevölkerung in den Vereinigten Staaten.

Gerade Jüngere setzen im Job heute wesentlich mehr Wert auf ihre Freiheit und Unabhängigkeit. Doch warum hängt Deutschland hier noch spürbar hinter den USA hinterher? Tun wir genug, um die Möglichkeiten des neuen Arbeitens zu fördern? Utena Treves, Co-Founder und CEO des Startups moojo mit Sitz in Berlin, meint: „Nein“. Und fährt fort: „Der Markt in puncto Unterstützung für Freelancer ist dominiert von Insel-Lösungen für Selbstständige.“ Seine steile These:IT-Freelancer haben keinen Partner. Die Passion Economy braucht neue Lösungen.“

Unregelmäßige Zahlungsströme werden zum Problem

Vor allem einen Aspekt hat Utena Treves, der zuvor in Management-Positionen bei Roland Berger, Oliver Wyman und der Bank of America Merill Lynch sowie als Group Strategy Officer von wefox tätig war, dabei im Blick: die fehlende Verhandlungsmacht und damit auch Durchsetzungsstärke bei Bezahlungsfragen bei vielen Solo-Selbstständigen. Die Verhandlung mit Kunden zu führen und die angemessene Bezahlung von ihnen fristgerecht einzufordern, das ist laut der BCG-Studie ein häufiges Problem von Selbstständigen. Sie merken dann leider allzu oft, dass die Arbeitgeber auf Zeit und Auftraggeber am längeren Hebel sitzen und Zahlungszeiträume oft bis zum Sanktnimmerleinstag ausreizen.  

Gerade projektbasiertes Arbeiten bringt unregelmäßige Zahlungsflüsse mit sich – selbst bei pünktlicher Zahlung erschwert das Miet- oder Kreditanträge bei den Selbstständigen. Für viele alteingesessen Freiberufler mag es nach Treves Analyse zwar bereits Insellösungen geben – für die neuen Experten vor allem im Bereich Marketing und IT indes nicht.

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Rechnungen per Handumdrehen und sofortige Auszahlung

Treves beklagt: „Die Verdienste von Freelancern werden nicht respektvoll bewertet. Banken geben ihnen keinen Kredit, Vermieter geben ihnen keine Wohnung, Auftraggeber zahlen nicht pünktlich. Freelancer werden pro Projekt bezahlt, nicht pro Monat. Diese unregelmäßigen Zahlungsströme passen nicht in das alte System. Dieser Konflikt sollte aber niemanden davon abhalten, sich selbständig zu machen oder zu freelancen. Wir wollen jedem Freiberufler diese Sicherheit bieten, damit sie ihrer Berufung nachgehen können.“

Und genau hier setzt die smarte App aus Berlin an. Das Versprechen: „Get Paid. Instantly.“ Moojo versteht sich als App für Freelancer und Creator.

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