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Shop und AI

Hypothese 3: Virtuelle Produktpräsentationen auf dem Vormarsch

Auch wenn es immer noch ein paar Jahre dauern dürfte, bis die Technologie wirklich ausgereift ist, sind Augmented Reality (AR) und Virtual Reality (VR) bereits dabei, die Handelslandschaft zu verändern. Augmented Reality profitiert derzeit ein wenig davon, dass sie lediglich ein Smartphone benötigt, auch wenn die Zukunftspläne für die Technologie eher eine Brillenlösung vorsehen. Da sich auf dem Handydisplay das Kamerabild mit digitalen Inhalten vermischt, lassen sich Produkte via AR in einer vom Nutzer gewohnten Umgebung oder sogar an dessen eigenem Körper präsentieren. In Anwendungen unterschiedlicher Unternehmen darf man mittlerweile unter anderem vorab sehen, wie Möbel in der eigenen Wohnung wirken oder ein bestimmtes Kosmetikprodukt das Gesicht verändert. Gerade der Online-Modemarkt, der mit zahlreichen Rücksendungen konfrontiert ist, dürfte langfristig von Augmented Reality profitieren, da sich mit besserer Technik auch das Tragen von Kleidung am eigenen Körper simulieren lässt. Für Ladengeschäfte werden mittlerweile
Spiegel angeboten, die eher selten die Wirklichkeit wiedergeben, da Nutzer ihr dort präsentiertes Aussehen auf Knopfdruck verändern und so beispielsweise diverse Schminkutensilien durchprobieren dürfen. Gegenüber den eher kleinen Smartphone-Bildschirmen punkten diese Systeme vor allem mit deutlich realistischeren Größenverhältnisse.

Via Virtual Reality lassen sich vor allem im stationären Handel Produkterfahrungen schaffen, die sonst deutlich schwerer oder überhaupt nicht realisierbar gewesen wären. Dabei hilft die sonst oft kritisierte Abschottung von der normalen zu Gunsten einer gefühlt realen digitalen Umgebung. In Praxistests im Rahmen einer Masterarbeit wurde der Duft eines bestimmten Parfüms beispielsweise mit einem simulierten VR-Helikopterflug über den Mount Everest kombiniert, wodurch sich fast dreimal mehr Probanden sehr stark für einen Kauf interessierten als in der Kontrollgruppe. Auch Produktpräsentationen über das Netz, bei denen sich jeder wie live vor Ort fühlt, sind künftig denkbar, falls sich Virtual Reality dank besserem Formfaktor der notwendigen Brillen und gestiegener Darstellungsqualität flächendeckend durchsetzt. Gerade in Zeiten der Abschottung wäre dies äußerst hilfreich, da immer noch Konzerte, Sportereignisse und andere Veranstaltungen „besucht“ werden könnten, ohne eventuelle Gefahren zu befürchten.

Auf Handelsseite sollte man deshalb bereits jetzt überlegen, wie sich sowohl AR als auch VR in die eigenen Konzepte einbinden lassen, wobei durchaus kreative Ideen gefragt sind. Erneut müssen auch die Hersteller mitziehen, indem sie ihre Artikel für die Präsentation in digitalen Welten vorbereiten. Dazu gehören vor allem hochwertige 3D-Modelle aller verfügbaren Produkte.

Hypothese 4: Physisches Payment vor Ort wird minimiert

Zumindest vor der Krise galt Deutschland noch als Bargeldnation, auch wenn die Bedeutung von Scheinen und Münzen hierzulande weiter abnahm. Angesichts von Covid-19 wird aber vermehrt zur Karten- bzw. kontaktlosen Zahlung aufgerufen – in einigen Geschäften ist Bargeld sogar komplett tabu. Dies dürfte den Wandel bei den Bezahlmethoden deutlich beschleunigen. Denn derzeit ist man beim Mobile Payment, also dem Begleichen der Rechnung mit dem Smartphone, wohl am Besten vor einer Ansteckung geschützt, da im Normalfall selbst die PIN-Eingabe bzw. der Fingerabdruckscan auf dem eigenen Gerät erfolgen. Bei fortschrittlichen kassenlosen Systemen wie dem Amazon Go Grocery-Laden in Seattle hat das Handy sogar noch eine bedeutendere Funktion. Beim Betreten der Filiale werden Kunden in diesem Fall über ihren Amazon-Account und einen via App generierten QR-Code eindeutig identifiziert und können danach einfach wie gewohnt Artikel in ihren Warenkorb legen. Eine Kassenzone gibt es allerdings nicht mehr, so dass sie einfach mit ihrem gesamten Einkauf aus dem Geschäft spazieren. Abgerechnet wird automatisch über Amazon.

Ehemals für das Internet reservierte Bezahlverfahren gewinnen allgemein an Bedeutung, weil sie sich ebenfalls für physische Services nutzen lassen. Es spricht beispielsweise wenig dagegen, Kunden im stationären Handel Paypalund weitere zuvor nicht unterstützte Zahlungsarten anzubieten. Wie beim E-Commerce gilt auch hier, dass Kunden eine große Vielfalt an PaymentOptionen durchaus schätzen. Gerade die hoffentlich nach der Krise wieder zahlreich ins Land strömenden ausländischen Touristen sind froh, wenn sie ihre Einkäufe weiter mit der von zu Hause gewohnten Zahlmethode begleichen können. Einem rein auf Bargeld und Kartenzahlung setzenden Laden entgehen künftig vermutlich viele Umsätze. Die aufgrund der derzeit hohen Anschaffungskosten für alternative Technik vermutlich noch länger nicht zum alten Eisen gehörenden Kassensysteme sollten es deshalb ermöglichen, selbst derzeit eher exotisch wirkende Bezahlsysteme schnell einzubinden. Aufgrund der Komplexität des Themas ist dabei die Zusammenarbeit mit einem auf Payment spezialisierten Unternehmen anzuraten.

Hypothese 5: Nachhaltigkeit gewinnt an Bedeutung

Auch wenn derzeit natürlich etwas anderes medial im Vordergrund steht, bleiben Umweltschutz und Nachhaltigkeit weiter auf der Agenda – gerade weil uns die aktuelle Krise vor Augen führt, wie schnell eine eigentlich stabile Gesellschaft fragil werden kann. Händler und Hersteller sollten sich deshalb gleichermaßen fragen, an welchen Stellschrauben sie drehen können, um nachhaltiger produzierte Produkte anzubieten, den enormen Verpackungsmüll zu reduzieren und der Wegwerfmentalität Einhalt zu gebieten. Dies wird sich abgesehen von radikalen Maßnahmen, mit denen sich eine ganz spezielle Zielgruppe anlocken lässt, sicher nicht gleich auf den Verkaufserfolg niederschlagen. Langfristig dürfte zumindest das Image bei den Jüngeren aber darunter leiden, wenn Unternehmen einfach weiter wie bisher agieren, ohne die Probleme des Planeten in ihre Strategie mit einzubeziehen.

Carsten Szameitat, Vorstandsvorsitzender
Carsten Szameitat
Vorstandsvorsitzender, Location Based Marketing Association DACH e.V. (LBMA)
Carsten Szameitat gehört zu den Pionieren im Mobile-Markt und des stationären digitalen Handels. 2013 übernahm er die deutschsprachigen Vertretungen des globalen Verbands Location Based Marketing Association (LBMA) e.V.. Im Jahr 2017 gründete er im Rahmen des Verbandes die RetailTour Initiative, in der sich lokale Handels-Experten sammeln und weltweit zu den interessantesten Installationen neuer Technologien im stationären Handel führen. Seit März 2019 verantwortet er als Direktor neben der LBMA e.V. die INTERNET WORLD EXPO, Leitmesse für die Digitalisierung des Handels.  

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