Ein Ausfall zentraler Cloud- und Kommunikationsdienste kann Unternehmen innerhalb kurzer Zeit handlungsunfähig machen.
Cyberangriffe, technische Störungen oder der Verlust von Zugängen zeigen, warum digitale Resilienz heute über klassische IT-Notfallplanung hinausgehen muss.
Abhängigkeit wird zum Betriebsrisiko
E-Mail, Videokonferenzen, Kalender, Dokumente und gemeinsame Cloud-Anwendungen gehören inzwischen zur grundlegenden Arbeitsinfrastruktur vieler Unternehmen. Fallen mehrere dieser Dienste gleichzeitig aus, steht nicht nur ein einzelnes IT-System still. Kommunikation, Zusammenarbeit und operative Prozesse können gleichermaßen betroffen sein.
Das Risiko ist dabei nicht nur technisch. Nach Berechnungen des Bundeskriminalamts verursachten Cyberangriffe 2025 in der deutschen Wirtschaft Schäden von rund 202,4 Milliarden Euro. Kleine und mittlere Unternehmen gehören laut BSI besonders häufig zu den betroffenen Organisationen.
Hinzu kommt die starke Konzentration des europäischen Cloud-Marktes. AWS, Microsoft Azure und Google Cloud vereinen laut einer Studie des ITRE-Komitees rund 70 Prozent des europäischen Marktes für Cloud-Infrastruktur. Für Unternehmen und Behörden entsteht dadurch eine Abhängigkeit von wenigen großen Anbietern und deren technischen sowie rechtlichen Rahmenbedingungen.
Wenn aus einem Ausfall eine Krise wird
Wie gravierend die Folgen sein können, zeigt bereits der Blick auf die ersten Stunden eines solchen Szenarios. In der Anfangsphase steht häufig die Ursachenklärung im Mittelpunkt. Gleichzeitig fallen Besprechungen aus, Kunden erreichen ihre Ansprechpartner nicht und Beschäftigte versuchen, auf alternative Kommunikationswege auszuweichen.
Nach einigen Stunden wird aus der technischen Störung zunehmend ein organisatorisches Problem. Ohne Zugriff auf zentrale Systeme fehlen Informationen, Arbeitsabläufe geraten ins Stocken und Führungskräfte müssen Entscheidungen unter erschwerten Bedingungen treffen. Besonders kritisch wird es, wenn Notfallpläne ausschließlich in der ausgefallenen IT-Umgebung gespeichert sind.
Hält die Unterbrechung bis zum Ende des Arbeitstages an, können sich die Folgen weiter verstärken. Aufträge werden nicht bearbeitet, Fristen verpasst und Produktions- oder Verwaltungsprozesse verzögert. Gleichzeitig steigt der Kommunikationsdruck gegenüber Kunden, Geschäftspartnern und Beschäftigten.
Für kleinere Unternehmen können längere Ausfälle besonders problematisch sein, da personelle und finanzielle Reserven häufig begrenzt sind. Bei Organisationen, die unter die Anforderungen von NIS2 fallen, kommen zudem Meldepflichten bei erheblichen Sicherheitsvorfällen hinzu.
Resilienz braucht einen zweiten Kommunikationsweg
Eine Möglichkeit besteht darin, neben der primären Arbeitsumgebung eine technisch und organisatorisch unabhängige Kommunikationsplattform vorzuhalten. Sie dient nicht als Ersatz für die reguläre IT, sondern als Ausweichumgebung für den Krisenfall.
Eine solche Plattform kann beispielsweise E-Mail, Videokonferenzen, Dateizugriff, Kalender, Kontakte und weitere grundlegende Arbeitsfunktionen bereitstellen. Entscheidend ist die Unabhängigkeit vom primären System. Ist dieselbe technische Infrastruktur oder dasselbe Identitätsmanagement erforderlich, kann auch die Ausweichlösung bei einem umfassenden Ausfall unbrauchbar werden.
Die Vorbereitung muss zudem vor dem Ernstfall erfolgen. Beschäftigte sollten wissen, wie sie auf die alternative Umgebung zugreifen und welche Prozesse dort gelten. Auch Notfallpläne und wichtige Kontaktdaten müssen außerhalb der primären Infrastruktur verfügbar und regelmäßig aktualisiert werden.
Business Continuity ist keine reine IT-Aufgabe
Der BSI-Standard 200-4 betrachtet Business Continuity als übergreifende organisatorische Aufgabe. Eine Notfallplattform kann dabei ein Baustein sein, um die Handlungsfähigkeit während eines länger andauernden IT-Ausfalls aufrechtzuerhalten.
Damit verschiebt sich auch der Blick auf digitale Resilienz. Entscheidend ist nicht allein, wie schnell ein ausgefallenes System repariert werden kann. Ebenso wichtig ist die Frage, ob ein Unternehmen während der Störung weiter kommunizieren, Entscheidungen treffen und kritische Prozesse aufrechterhalten kann.
Digitale Abhängigkeiten lassen sich nicht vollständig vermeiden. Unternehmen können jedoch festlegen, welche Funktionen im Krisenfall unverzichtbar sind und wie diese unabhängig von der regulären Infrastruktur weitergeführt werden. Eine vorbereitete sekundäre Arbeits- und Kommunikationsumgebung kann dabei eine wichtige Rolle spielen.
Resilienz beginnt damit nicht erst beim Ausfall. Sie entsteht durch Strukturen, die bereits vorher geplant, getestet und regelmäßig aktualisiert werden. Je stärker die tägliche Arbeit von digitalen Plattformen abhängt, desto wichtiger wird ein unabhängiger Weg zurück zur Handlungsfähigkeit.
(red/mailbox)