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Der positive Effekt direkter Investitionskosten in die Digitalisierung zeigt sich in der Regel bereits nach wenigen Wochen. Wie aber steht es um den Faktor Mensch? Die Erwartung, dass Mitarbeiter den Wandel mitvollziehen, ohne dass Unternehmen auch hier investieren, wird nicht aufgehen.

Neulich beim Kunden: Man ist überzeugt davon, dass Digitalisierung wichtig ist und hat die zentralen Probleme erkannt. Mit Blick auf die harte Konkurrenz bei internationalen Produktionskosten sind Effektivitäts- und noch wichtiger Effizienzsteigerungen wettbewerbskritisch. Maschinen müssen besser ausgelastet, Stillstandszeiten reduziert werden. Man spricht also von Predictive Maintenance, um Ausfallzeiten zu minimieren, man denkt über sensorgesteuerte Kontrollen nach, um Fehlerquoten zu reduzieren und die Produktqualität zu erhöhen. Und man vernetzt die Produktionsebene mit Managementinformationssystemen (MIS), um die Ressourcenplanung zu optimieren. Electronic Data Interchange (EDI), Enterprise Application Integration (EAI), MIS – vieles davon lässt sich durch direkte Kosten-Nutzen-Rechnungen abbilden.

Quick wins: Schnelle Effizienzsteigerungen sind möglich

Eine Standardsoftware für Datenintegration etwa kostet Betrag x. Damit haben Meister beim morgendlichen Teammeeting direkten Zugriff auf Krankenstände und Maschinenverfügbarkeiten und können übergreifend optimieren. Oder die Anbindung eines Neukunden ins eigene System funktioniert jetzt standardisiert in zwei Stunden statt mit einer individuell programmierten Schnittstelle in vier Wochen. Oder die Abfrage von Preisen und Produktverfügbarkeiten aus der asiatischen Muttergesellschaft und die Transformation der Daten in individualisierte Katalogdaten etwa für verschiedene Vertriebspartner geschieht fehlerfrei automatisiert im Hintergrund statt händisch durch den Down- und Upload von Excel-Listen durch Mitarbeiter.

All diese positiven Effekte lassen sich schnell und einfach berechnen. Der Return on investment ist in der Regel bereits nach wenigen Wochen sichtbar. Weniger sichtbar ist dagegen der Faktor Mensch. Wie viel verstehen Mitarbeiter auf unterschiedlichen Hierarchie-Ebenen von den neuen Prozessen? Oder gar von neuen Business-Modellen? Von zusätzlichen digitalen Geschäftsfeldern? Die Erwartung, dass Mitarbeiter den Wandel mitvollziehen, ohne dass das Unternehmen auch hier investieren muss, wird nicht aufgehen.

Auf die Einstellung kommt es an: Mitarbeiter müssen die Digitalisierung verstehen

Neben den direkten Investitionskosten müssen Unternehmen in Mindset-Veränderungen ihrer Mitarbeiter investieren. Ihre Ängste und Vorbehalte verstehen und Blockaden abbauen. Transparenz schaffen, Beispiele liefern und Schulungen anbieten. Motivieren, sich mit neuen Ideen, Arbeitsweisen, Verfahren und Geschäftsmodellen auseinanderzusetzen. Und vielleicht sogar die eigenen Mitarbeiter aktivieren, kreativ mitzudenken bei den neuen Möglichkeiten, Wertschöpfung zu generieren.

Neben den direkten Investitionskosten in Sensoren, Software und Datenintegration kostet die Digitalisierung auch Zeit und Geld, um die aktuellen Mitarbeiter fit zu machen für die neuen Aufgaben und um ihre Ängste in Begeisterung zu verwandeln. Dass engagierte Mitarbeiter produktivere Mitarbeiter sind, ist nichts Neues. In Zeiten des Umbruchs ganzer Industrien benötigen diese Prozesse allerdings besondere Aufmerksamkeit und zusätzliches unternehmerisches Engagement.

Steffen Brehme
Steffen Brehme, Leiter Software-Entwicklung Lobster GmbH

Steffen studierte ab 1988 in Tralee (Irland) Informatik. Nach Abschluss war er Anfang der 90er Mitgründer von SimpleWork (Warenwirtschafts-System), das man 96 verkaufte. Anfang 97 wurde er Interims-IT-Leiter bei Maxdata, Ende 97 war er Mitgründer der Beans AG (Shop-System), 2001 Mitgründer der Lobster GmbH (gut 100 MA, 1000 Kunden). Steffen ist seitdem Leiter Software-Entwicklung bei Lobster und der geistige Vater des Hauptprodukts Lobster_data, Standard-Software für hybride Datenintegration.
 

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