Brandschutz ist ein heißes Thema

Ein effizienter Brandschutz erfordert ein exaktes Lagebild und schnelle Reaktionszeiten. Die Digitalisierung, die Standardisierung und die Vernetzung bieten dabei eine entscheidende Unterstützung.

Mit verschiedenen Maßnahmen unter Nutzung neuer Technologien kann der Brandschutz optimiert und auf ein neues Level gehoben werden.

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Noch dominieren in der Sicherheitstechnik proprietäre Lösungen. Wie in der Kommunikations- und Informationstechnologie generell ist aber auch in der klassischen Einbruch- oder Brandmeldetechnik der allgemeine Digitalisierungs- und Standardisierungstrend nicht mehr aufzuhalten. Die Digitalisierung ebnet den Weg für eine stärkere Vernetzung von Daten und Einsatzkräften – und damit auch für mehr Geschwindigkeit bei Löscharbeiten oder Rettungsaktivitäten.

Vor allem der Einsatz neuer Technologien wie KI, Big-Data-Analytics oder Data Mining unterstützt eine effiziente Datennutzung und -verknüpfung – und zwar im Hinblick auf einen Datenbestand, der in immer größerer Quantität und Qualität zur Verfügung steht.

KI als Innovationstreiber

KI ist ein gutes Beispiel für die Möglichkeiten und Vorteile, die neue Technologien bieten. So unterstützen KI-Anwendungen etwa die Videoanalyse und damit in direkter Konsequenz eine Reduzierung von Fehlalarmen. Auch beim interaktiven Brandschutz bringt der KI-Einsatz einen erheblichen Nutzen. So ist es möglich, eine KI auf die Erkennung von Bränden hin zu trainieren. In Verbindung mit einer optischen Unterstützung durch Kameras kann damit automatisch eine Rauchentwicklung untersucht, die Gefahrenlage eingeschätzt und gegebenenfalls ein Alarm ausgelöst werden – und zwar wesentlich schneller als bei einer Alarmierung durch einen Brandmelder. KI kann in Zukunft auch dazu dienen, nicht nur aus einem Sicherheitsgewerk wie Videoüberwachung Meldungen zu analysieren, sondern systemübergreifend durch die Verknüpfung unterschiedlicher Systeme mit weiteren Sensoren eine gezieltere Alarmidentifikation sicherzustellen. Prinzipiell erhalten Einsatzkräfte durch die Videoüberwachung bereits erste zielgenaue Informationen für Rettungsaktivitäten in Echtzeit. Entscheidend für schnelle Evakuierungsmaßnahmen im Falle eines Brandes ist aber auch die genaue Kenntnis über die Anzahl und den Standort von Personen in einem Gebäude. Die Daten von Zutrittskontrollsystemen, Präsenzmeldern und Bewegungssensoren sind dabei wichtige Hilfsmittel.

Leitstellentisch
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Interoperabilität als Voraussetzung

Für einen effizienten Brandschutz und wirksame Maßnahmen im Brandfall können somit die Daten unterschiedlichster Systeme genutzt werden. Voraussetzung dafür ist eine umfassende und systemübergreifende Datenvernetzung und -aggregation, die eine Harmonisierung beziehungsweise Standardisierung der Schnittstellen erfordern. Und die Entwicklung geht in diese Richtung. So haben sich Videosysteme mit der ONVIF (Open Network Video Interface Forum)-Schnittstelle zunehmend durchgesetzt. Sie wird von fast allen Herstellern von Videokameras inzwischen unterstützt. Damit ist zum einen eine Kompatibilität und Interoperabilität verschiedener Systeme gewährleistet und zum anderen eine problemlose Anbindung an Gefahrenmanagementsysteme. Auch bei den Zutrittskontrollsystemen ist ein Trend in Richtung OSDP (Open Supervised Device Protocol) als neuer Standard für die Kommunikation zwischen Controller und Lesegerät erkennbar.

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Digitalisierung vom BIM bis zur Feuerwehrlaufkarte

Die Möglichkeiten der Digitalisierung im Brandschutz gehen aber noch einen Schritt weiter, Stichwort Digitale Zwillinge. Mit dem Building Information Modeling (BIM), das in vielen Ländern bereits ein wesentlicher Bestandteil der Gebäudeplanung ist, können sogenannte digitale Zwillinge von Gebäuden erstellt werden. Es handelt sich dabei um virtuelle 3D-Modelle, die alle Räumlichkeiten und vorhandenen Gegenstände exakt abbilden. Beim vorbeugenden Brandschutz können Sicherheitsexperten anhand dieser digitalen Zwillinge detaillierte Simulationen erstellen, etwa im Hinblick auf mögliche Personenströme im Brandfall bei der Gebäuderäumung. Auf dieser Informationsbasis können die Taktik von Löschtrupps oder die Fluchtwegeplanung verbessert und so insgesamt Evakuierungsmaßnahmen optimiert werden.

Auch in Deutschland wird die Bauwerksdatenmodellierung zunehmend an Bedeutung gewinnen. So gibt es diesbezüglich bereits verschiedene BIM-Initiativen des Bundes. So wird etwa im Auftrag des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr (BMDV) und des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) ein BIM-Portal für die Digitalisierung des Bauwesens bei Bundesbauten aufgebaut. Es soll künftig Informationen, Anwendungen und einheitliche Daten für alle BIM-Anwender zentral zur Verfügung stellen, zum Beispiel Datenbibliotheken oder Bauteileinformationen.

Aber auch mit BIM beziehungsweise digitalen Zwillingen ist das Digitalisierungspotenzial noch nicht ausgeschöpft. Ein weiteres Beispiel wären dynamische Feuerwehrlaufkarten. Aktuell werden in Deutschland Feuerwehrlaufkarten in Papierform genutzt, die Informationen wie Gebäudeübersicht, Meldergruppen, Sprinklerzentralen oder Zugangs- und Fluchtwege enthalten. Die Konsequenz sind statische Prozesse, die zum Beispiel dazu führen, dass die Laufwege von Rettungskräften und Flüchtenden kollidieren. Dadurch werden Löscharbeiten und Evakuierungen behindert. Mit dynamischen, digitalen Feuerwehrlaufkarten hingegen, die Echtzeitinformationen etwa mit aktuellen Daten von Brandmeldern oder Videosystemen bieten, können Einsatzkräfte optimale Fluchtwege ermitteln – nicht immer sind schließlich die kürzesten auch die besten.

Generell stehen in der heutigen Zeit immer mehr Daten für den Katastrophenschutz, das Krisenmanagement, die Gefahrenabwehr oder das Rettungswesen zur Verfügung. Auch der Brandschutz kann verstärkt von automatisch erhobenen und in strukturierter Form bereitgestellten Daten profitieren. Wichtig hierfür ist die weitere Digitalisierung der Infrastruktur mit einer Vernetzung der Datenlandschaft und Beseitigung von Medienbrüchen. Die Verknüpfung verschiedener Systeme und die Datenweitergabe können dann zu einer deutlichen Prozessoptimierung führen.

Udo Ziemer

Vomatec -

Senior Consultant

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