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( Foto: Pixabay.com, © blickpixel, CC0 1.0)

Wer an Automatisierung denkt, dem kommen in erster Linie meist Fertigungsprozesse in Industrie und Co. in den Sinn. Doch mittlerweile hat die Automatisierung auch Bereiche und Ressorts erreicht, die man mit dieser tradierten Deutung kaum noch in Verbindung bringen würde.

Dank einer immer leistungsfähigeren Hardware-Infrastruktur, gewachsenem Knowhow und immer komplexerer Computeralgorithmen, die auf beidem fußen, können mittlerweile auch Bereiche automatisiert werden, die sonst eher theoretischer/administrativer und nicht so sehr industrieller Natur sind. Selbst Anlagestrategien für private Sparer können mittlerweile vollkommen computergestützt umgesetzt werden. Und das ist keine Dystopie – sondern eine gute Sache!

Die Automatisierung der Bürokratie

In bürokratischen bzw. administrativen Bereichen sind Computer schon lange im Einsatz. Doch wurden sie dort traditionell eher als Werkzeug verstanden, um bestehende Prozesse zu vereinfachen, Mittlerweile fangen sie aber an, immer mehr dieser Prozesse voll und ganz tragen zu können. Aus dem Werkzeug von einst wird das Fließband von heute. Die industrielle Realität erhält nun auch im Büro Einzug. Ansätze, wie Blockchain Technologie (die algorithmische Vertragsabwicklung hinter Bitcoin und Co.) sowie Modell Berechnungen in allen möglichen Bereichen werden nicht erst in absehbarer Zukunft die Landschaft in den zugrundeliegenden Bereichen neu ordnen. Sie tun es bereits heute.

Es ist eine logische Weiterentwicklung, die sich unweigerlich fortsetzen wird. Denn was sind Computer Programme anderes als Prozessvereinfachung durch programmatische Abstraktion? Sprich: Alles, was berechenbar ist, kann man automatisieren. Da kann man jeden Schachspieler fragen.

Robo Advisor ersetzen den Anlageberater

So ist es auch im Bereich der privaten Altersvorsorge bzw. Vermögensbildung. Sogenannte Robo Advisors ersetzen hier den klassischen Anlageberater. Basierend auf den Anlagezielen der Kunden (von konservativ vermögensbildend bis hin zu gewagt chancenorientiert) setzen Robo Advisor entsprechende Anlagestrategien automatisiert um. Die zugrundeliegenden Algorithmen dieser Strategien fußen auf gängigen Finanzmodellen, wie sie auch vom Anlageberater aus Fleisch und Blut (zumindest im Sinne einer Richtlinie) genutzt werden. Das Chance-Risiko-Verhältnis hängt dabei von der Anlagestrategie ab, die man dem Robo Advisor vorgibt.

Robo Advisor bieten folgende Vorteile:

  • Die Portfolio-Entwicklung und Verwaltung läuft vollautomatisch.
  • Es wird kein großes Startkapital benötigt. Teilweise (je nach Anbieter) kann man bereits mit Kleinstbeträgen einsteigen. 
  • Die Servicegebühren sind ungleich niedriger als bei traditionellen Investmentfirmen.
  • Mittels Internetzugang ist der Robo Advisor jederzeit erreichbar. Die strategischen Richtlinien lassen sich jederzeit anpassen.
  • Dynamische Kontoeinrichtung, die sich weitgehend unbürokratisch abwickeln lässt. Natürlich muss man seine Identität verifizieren.
  • In Support-Fragen stehen die Anbieter natürlich auch menschlich parat.
  • Viele Steuerabgaben, wie sie bspw. im Rahmen von Abgeltungssteuer und Co. anfallen können, sind bei vielen Robo Advisorn schon „eingepreist“.
  • Kein menschliches Versagen – Eine Robo Advisor wird niemals auf eine Provision schielen oder anderweitig eingetrübte, schlechte Ratschläge geben.

 

Nicht alle Robo Advisor sind zwingend vollautomatisierte Programme. Manche haben auch nur informellen Charakter und dienen dem Nutzer als Interface und als digitaler Ratgeber, der basierend auf den eingegebenen Zielen und Präferenzen des Nutzers Empfehlungen gibt – ohne jedoch selbst zu handeln. 

Mehr als nur eine Modeerscheinung

Robo Advisor haben im Finanzsektor ein beeindruckendes Wachstum hingelegt. Seit der Entstehung und Vermarktung im Zuge der Großen Rezession von 2008 hat sich Robo Advising einen Ruf als effiziente und kostengünstige Investment-Management-Lösung erworben. Das weltweite Anlagevolumen, das von Robo Advisors gehandelt wird, beträgt bereits jetzt angeblich über eine Billionen Euro. Sollte sich diese Wachstumskurve wie antizipiert fortsetzen, werden es 2025 rund 2,3 Billionen Euro sein – wobei das eine sehr optimistische Zahl ist.

Trotz dieses beeindruckenden Wachstums bleiben viele traditionell denkende Anleger skeptisch gegenüber der Zukunft des Robo Advisors. Während einige Robo Advisor als die nächste bahnbrechende Innovation in der Investmentwelt anpreisen, betrachten andere es nur als eine vorübergehende Modeerscheinung, der bald die Puste ausgehen wird. In aller Fairness: Die Kritiker könnten durchaus einen Punkt haben. Es besteht kein Zweifel, dass viele anfängliche Befürworter viel zu optimistisch in Bezug auf das antizipierte Wachstum waren. Aber diejenigen, die darauf warten, dass Robo Advisor den Weg eines modischen Treppenwitzes gehen, sollten nicht den Atem anhalten und darauf warten.

Automatisierung und Digitalisierung sind gekommen, um zu bleiben. Und im Aktienhandel selbst sind Computeralgorithmen bereits eine feste Größe. Ganz zu schweigen davon, dass jeder humane Anlageberater sich gerne in seinem Büro umschauen darf. Tintenfass und Rechenschieber wird er dort nicht mehr finden. Wohl aber den Computer, der ihm (noch) nur als Werkzeug dient. Eine Konstellation, die den Anlageberater selbst zum obsoleten Mittelsmann macht – zumindest in dieser administrativen Funktion.

Natürlich werden menschliche Anlageberater nicht verschwinden. Doch wird sich ihr Aufgabenfeld verlagern. In Richtung Außendienst, Support und (sofern gewünscht und sinnvoll) optionale menschliche Beratung.

 

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Wie sieht also die Zukunft der Robo Advisor aus?

Abgesehen von den Sorgen über einen Mangel an zukünftigem Wachstum sind viele besorgt darüber, wie effektiv Robo Advising tatsächlich ist. Schließlich sind Robo Advisor gedankenlose Maschinen. Wie könnten sie die subtilen Nuancen und Intuitionen erfassen, die in erfolgreiches Investieren einfließen? Einige sind freilich auch besorgt darüber, wie sich der Aufstieg von Robo Advisors auf traditionelle Vermögensverwaltungsfirmen auswirken wird.

Wie bereits gesagt: Alles, was sich berechnen lässt, lässt sich automatisieren. Und langfristige Anlagestrategien, die im Kern immer konservativ sind und auf langfristig stabile Finanzprodukte (wie ETFs) setzen, sind mathematisch für einen Computer Algorithmus leicht zu fassen. Dass Robo Advisor ohne Weiteres eine Fundamental-Analytik ersetzen, wo hoch differenzierte, sehr dynamische Aspekte, wie Marktposition, Innovationspotenziale, Wachstumschancen, politische Rahmenbedingungen, Öffentlichkeitsarbeit, mediale Präsenz etc. beleuchtet werden, behauptet sowieso niemand.

Diese Überlegungen sind zu abstrakt und zu volatil, um mathematisch problemlos fassbar zu sein. Auch weil längst nicht alles an ihnen Gegenstand von Dingen ist, die quantifizierbar wären. Menschliche Flexibilität wird also auch in Zukunft noch gefragt sein. Spätestens dann, wenn es eher um steile Vermögensbildung als um beständige Altersvorsorge geht. Oder um das Entdecken der nächsten Marktlücke.


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