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EU FlaggeWelche Faktoren werden die IT-Märkte in Zukunft maßgeblich beeinflussen? Welche Chancen ergeben sich daraus für Europa, im Mark für Software und IT-Services eine weltweit führende Rolle zu spielen? Eine Studie, die im Auftrag der Europäischen Kommission durchgeführt wurde, schlägt politische Handlungsempfehlungen vor.

Im Auftrag der Europäischen Kommission führten PAC und Le CXP (zusammen mit dem Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) die Studie „The Economic and Social Impact of Software & Services on Competitiveness and Innovation (SMART 2015/0015)“ durch, die sich entsprechend mit den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen von Software & IT-Dienstleistungen auf die europäische Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit befasst. Die Studie identifiziert aktuelle sowie zukünftige wirtschaftliche und soziale Auswirkungen des Marktsegments „Software and Software-Based Services“ (SSBS) in Europa sowie die Faktoren, die zu seinem Wachstum und seiner Wettbewerbsfähigkeit beitragen. Zugleich werden zukünftige Markteinflüsse und mögliche Markttransformationen durch die aufstrebenden Internet- und datengetriebenen Technologien beleuchtet. Die Studie leitet auch politische Handlungsempfehlungen ab, um Hürden abzubauen und die Entwicklung einer stärkeren Software- und IT-Services-Industrie in Europa zu fördern.

Der SSBS-Bereich ist eines der dynamischsten Marktsegmente Europas. Die starke Verbreitung neuer Endgeräte, die Entstehung neuer Märkte sowie neuer Methoden zur Produktivitätssteigerung mittels Software haben für Entwickler und Unternehmer spannende neue Möglichkeiten geschaffen. Da Software im digitalen Zeitalter eine wesentliche Voraussetzung für Innovationen darstellt, wirkt sie sich letztlich auf die Geschäftsmodelle von Unternehmen jeglicher Branche aus und wird für Europas zukünftige Wettbewerbsstärke eine Schlüsselrolle spielen. Die Zukunft der Unternehmen liegt in der Digitalisierung, doch eine digitale Wirtschaft wird nicht ohne ein starkes Software-Ökosystem möglich sein. „Neue Chancen gehen dabei Hand in Hand mit den neuen Herausforderungen, vor denen europäische Software-Firmen stehen. Dazu gehört unter anderem die Dominanz der US-amerikanischen, milliardenschweren Software- und Cloud-Dienstleistungsfirmen“, sagt Dr. Katrin Schleife, Senior Analyst bei PAC und Lead-Analystin der Studie.

Beschleunigung des durchschnittlichen jährlichen SSBS-Wachstums in Europa

Die Studie beleuchtet das spezifische Wachstumspotenzial des SSBS-Marktsegments. Insgesamt und bezogen auf alle 28 EU-Staaten belief sich der Markt 2009 auf 229 Milliarden Euro und wuchs bis 2015 um durchschnittlich 1,5 Prozent pro Jahr. Für den Zeitraum der nachfolgenden fünf Jahre wird davon ausgegangen, dass sich das Durchschnittswachstum auf 2,9 Prozent erhöht, womit der Markt bis 2020 eine Marktgröße von fast 290 Milliarden Euro erreichen würde. Die Studie weist jedoch darauf hin, dass sich die Wachstumsraten und somit die Marktrelevanz zwischen den SSBS-Teilsegmenten stark unterscheiden (s. Bild 1).

Zum Beispiel werden die softwarebezogenen Bereiche wie beispielsweise Infrastruktur-Software & -Plattformen sowie Anwendungssoftware nur geringfügig wachsen, was unter anderem auf den hohen Reifegrad dieser Segmente in verschiedenen europäischen Ländern zurückzuführen ist. Zudem verstärkt sich der Druck auf die Software-Märkte durch die wachsende Zahl an Unternehmen, die ihre Lösungen in die Cloud verlagern. Der Cloud-Computing-Marktanteil wird bis 2020 in die Höhe schnellen (auf dann etwa 18 Prozent des gesamten SSBS-Marktes).

SSBS-Marktstruktur in den 28 EU-Staaten, 2009-2020

Bild 1: SSBS-Marktstruktur in den 28 EU-Staaten, 2009-2020 (Bildquelle PAC).

Die prognostizierte Wachstumsbeschleunigung zwischen 2015 und 2020 trifft auf alle analysierten großen europäischen Länder zu, insbesondere jedoch auf Italien und Frankreich (s. Bild 2). Frankreich, Deutschland und das Vereinigte Königreich sind gemessen am Umsatz nicht nur die größten SSBS-Märkte, sondern weisen auch die größte Anzahl an Beschäftigten in der SSBS-Branche auf.

SSBS-Marktvolumen und CAGR nach Region, 2009/2015/2020

Bild 2: SSBS-Marktvolumen und CAGR nach Region, 2009/2015/2020 (Bildquelle PAC).

Haupteinflussfaktoren auf die IT-Märkte der Zukunft: digitale Transformation, Big Data, DevOps

Zahlreiche technologische Trends werden die Entwicklung des SSBS-Marktes in den kommenden Jahren beeinflussen und spürbar zur Wachstumsbeschleunigung beitragen. Zentrale Themen sind hierbei die digitale Transformation, Big Data und die intensivierte Zusammenarbeit zwischen IT-Entwicklung (Development) und IT-Betrieb (Operations), kurz „DevOps“. In Kombination mit Trends wie Mobilität, Social Collaboration, Cloud Computing, Cyber Security und dem Internet der Dinge (Internet of Things; IoT) stellen diese Bereiche hoch dynamische Marktsegmente dar, in denen innovative neue Marktteilnehmer die althergebrachten Anbieter zunehmend herausfordern. „Das sind auch die Bereiche, in die IT-Anwenderfirmen derzeit ein hohes Maß an zeitlichem und finanziellem Aufwand stecken – eine Tendenz, die sich in Zukunft noch verstärken dürfte”, so Frank Niemann, Vice President Software & SaaS Markets bei PAC und ebenfalls Lead-Analyst der Studie. Für jedes dieser Themen beschreibt die Studie den Einfluss auf den Markt und vergleicht die Marktvolumen für verschiedene Softwareprodukte und IT-Dienstleistungen.

Top 5 der empfohlenen Maßnahmen für die Europäische Kommission

Nicht zuletzt gibt die Studie politische Empfehlungen zum Abbau von Hürden sowie zur Förderung der Entwicklung einer stärkeren europäischen Software- und IT-Dienstleistungsbranche ab. Zugleich macht sie jedoch deutlich, dass die Europäische Kommission bereits in vielen relevanten Bereichen aktiv ist, z. B. mit ihrer Initiative „Digitising European Industry“ (Digitalisierung der europäischen Industrie) oder ihrer Strategie „Connectivity for a European Gigabit Society“ (Konnektivität für eine europäische Gigabit-Gesellschaft). Somit beziehen sich die empfohlenen Maßnahmen auf Bereiche, in denen die EU zusätzliche Aktivitäten verfolgen sollte.

1. Verbesserung der digitalen Kompetenzen (“e-Skills”) in Europa

Ergänzend zu den laufenden EU-Initiativen sollte eine Online-Plattform ins Leben gerufen werden, die Angebot und Nachfrage hinsichtlich europäischer IT-Experten koordiniert. Durch eine solche Initiative könnten talentierte IT-Spezialisten, die in ihrem Land keine Arbeit finden, für ein kurzfristiges Projekt oder eine Festanstellung von einer IT-Firma in einem anderen europäischen Land angeworben werden.

2. Unterstützung der Einführung von IKT (Informations- und Kommunikationstechnologien) in allen Branchen und Etablierung eines Marktes für die „digitale Repräsentation“ in Europa

Der Begriff „digitale Repräsentation“ (digital representation) bedeutet, dass alle physischen Objekte, aber auch Personen, zunehmend einen digitalen Zwilling haben. Die innovative Kombination von IoT, Big-Data-Anwendungen, künstlicher Intelligenz und Digitalisierung im Allgemeinen könnte eine echte Stärke Europas werden. Europäische Maßnahmen sollten sich daher auf die Förderung von Innovationen im Bereich der digitalen Repräsentation in all seinen Anwendungsbereichen konzentrieren.

3. Unterstützung von Open-Source-Software in sämtlichen Wirtschaftssegmenten und in der öffentlichen Verwaltung

Das Projektteam empfiehlt, den Fokus auf politische Maßnahmen zum Ausbau des Wissensbestandes im Bereich Open-Source-Software (OSS) und den Austausch von Best Practices zwischen privaten und öffentlichen Organisationen zu legen. OSS kann sich zu einer echten Stärke des europäischen Software- und Internet-Services-Marktes entwickeln.

4. Vertrauen in Cloud Computing, IT-Infrastrukturen, Datenschutz und Sicherheit ausbauen

In Unternehmen – und hier vor allem im Zuge der zunehmenden Digitalisierungsbestrebungen kleiner und mittelständischer Betriebe – spielen beim Thema Cloud Computing Sicherheit und Vertrauen eine immer bedeutendere Rolle. Die Empfehlung lautet, bereits angestoßene EU-Initiativen in diesem Bereich fortzuführen. Jedoch sind die Autoren auch davon überzeugt, dass weiterführende und besser zielgerichtete Vorgehensweisen nötig sind, um Vertrauen aufzubauen und die IT-Sicherheit in den verschiedenen Anwendungs- und Infrastrukturbereichen zu verbessern.

5. Erhöhung der Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F+E) im IKT-Bereich

Es ist nicht zu übersehen, dass IT-bezogene Engineering-Projekte im EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation unterrepräsentiert sind. Und in den wenigen Programmen, die die Forschung im Engineering-Bereich fördern – beispielsweise ICT-LEIT (Leadership in Enabling and Industrial Technologies) und FET (Future Emerging Technologies) – hält die aktuelle Überbeteiligung Firmen davon ab, den Antrag überhaupt erst zu stellen. Daher wird empfohlen, die Fördertöpfe für die IT-Forschung und insbesondere IT-bezogene, aufstrebende Technologien aufzustocken, damit Europas Software-Industrie langfristig wettbewerbsfähig bleibt.

„Im Gegensatz zur Dominanz der USA im Software-Bereich und der Asiaten im Hardware-Segment liegt Europas Stärke im Management komplexer Systeme. Doch wir müssen weiter denken als bis Industrie 4.0“, so Dr. Bernd Beckert, Stellvertretender Leiter des Competence Centers Neue Technologien am Fraunhofer ISI. „Immer mehr Prozesse sind mit digitalen Daten verknüpft. Eine Neukombination unterschiedlicher Datensätze lässt möglicherweise ganz neue Anwendungsbereiche mit hohen wirtschaftlichen Potenzialen zu. Wir sollten uns also beispielsweise die Rolle digitaler Zwillinge in verschiedenen Bereichen genauer ansehen und neue Dienstleistungen fördern, die auf branchenübergreifenden Datenkombinationen basieren.

Informationen zur Studie

Das Projekt „The Economic and Social Impact of Software & Services on Competitiveness and Innovation (SMART 2015/0015)“ wurde zwischen Januar 2016 und März 2017 von einem Konsortium unter Führung von Pierre Audoin Consultants (PAC) in Zusammenarbeit mit Le CXP und dem Fraunhofer ISI durchgeführt. Die Studie, die von DG CONNECT der Europäischen Kommission in Auftrag gegeben wurde, aktualisiert und erweitert die Ergebnisse des vorausgegangen Projektes SMART 2009/0041 „The Economic and Social Impact of Software and Software Based Services“, bei dem PAC und Fraunhofer ISI bereits Teil des Konsortiums waren.

Die aktuelle vollständige Studie (Englisch) und eine Zusammenfassung (Englisch oder Französisch) sind unter diesem Link kostenfrei verfügbar,

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