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LOTL-Angriffe auf Systemstatus-Backups

Britische Schule: Ransomware-Attacke durch Mensch-Maschine-Duo

Bei einem Angriff auf eine britische Schule haben mutmaßliche Affiliates der Ransomware-Gruppe 3AM KI-Agenten eingesetzt, um wiederkehrende Aufgaben zu automatisieren und Zugriffe auf verschiedene Systeme auszuweiten.

Britische Schule: Ransomware-Attacke durch Mensch-Maschine-Duo

Die Bitdefender Labs stufen den Vorfall als ersten ihnen bekannten hybriden KI-gestützten Ransomware-Angriff dieser Art in Europa ein. Die Attacke zeigt, wie menschliche Angreifer KI zur Beschleunigung etablierter Methoden nutzen können.

Automatisierte Versuche bei der Ausbreitung im Netzwerk

Die Angreifer gingen zunächst mit bekannten Methoden vor. Sie verschafften sich Zugangsdaten für Backups, legten ein zusätzliches privilegiertes Administratorkonto an und bewegten sich anschließend zwischen verschiedenen Domänen der Schulumgebung. Ziel war es, Daten abzugreifen, Sicherheitsmechanismen zu umgehen und die Voraussetzungen für die spätere Verschlüsselung zu schaffen.

Nach Angaben von Bitdefender waren rund 47 Systeme betroffen. Am 19. September 2026 führten die Angreifer schließlich die Ransomware aus. Dabei wurden etwa 37 Maschinen verschlüsselt und Backups des Systemstatus gelöscht.

Auffällig war vor allem die Geschwindigkeit, mit der die Angreifer ihre Zugriffsversuche wiederholten und Fehler korrigierten. Die eingesetzten KI-Agenten führten Befehle aus, werteten Fehlermeldungen aus und passten ihre Vorgehensweise teilweise innerhalb weniger Sekunden an. Die Sicherheitsforscher sehen darin deutliche Hinweise auf eine automatisierte Unterstützung durch KI.

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Bekannte Windows-Werkzeuge als Angriffsmittel

Technisch setzte die Gruppe überwiegend auf bereits vorhandene Werkzeuge. Neben der eigentlichen Verschlüsselungssoftware kamen unter anderem PowerShell, Windows Management Instrumentation (WMI), die Windows-Programme reg und netsh sowie rundll32 zum Einsatz.

Diese Vorgehensweise wird als Living off the Land bezeichnet. Dabei nutzen Angreifer legitime Funktionen und Programme eines Systems, statt zusätzliche Schadsoftware einzuschleusen. Das erschwert die Erkennung, weil viele der verwendeten Werkzeuge auch im normalen IT-Betrieb eingesetzt werden.

Die Bitdefender-Analysten beobachteten zudem ungewöhnlich kurze Abstände zwischen einzelnen Befehlsaufrufen. In einem dokumentierten Ablauf wurde ein PowerShell-Kommando nach 41 Sekunden erneut ausgeführt und nach weiteren 49 Sekunden angepasst. Kurz darauf wechselten die Angreifer zu einer älteren WMI-Kommandozeilenschnittstelle. Auch die wiederholten Korrekturen und die Geschwindigkeit der Anpassungen sprechen laut den Forschern für den Einsatz von KI-Agenten.

Spuren automatisierter Entwicklung

Weitere Hinweise fanden sich in der Art, wie Skripte und Ausgaben organisiert waren. Selbst gewählte Bestätigungsdateien, nummerierte Überarbeitungen von Skripten und Unix-typische Elemente innerhalb von Windows-Kommandos deuteten auf eine agentengestützte Arbeitsweise hin.

Auch der Aufruf einer Backup-Software lieferte Auffälligkeiten: Die Angreifer verwendeten einen Port und eine Anmeldemethode, die nicht mit der Herstellerdokumentation übereinstimmten. Die Sicherheitsforscher führen dies als mögliches Indiz dafür an, dass ein KI-Modell auf allgemeines Trainingswissen zurückgriff, statt die konkreten technischen Vorgaben der Software zu berücksichtigen.

Die Automatisierung machte den Angriff allerdings nicht unauffälliger. Die zahlreichen wiederholten Versuche erzeugten vielmehr eine hohe Zahl ungewöhnlicher Aktivitäten. Zudem scheiterte der Versuch, die Endpoint-Sicherheit zu deaktivieren, an vorhandenen Manipulationsschutzmechanismen.

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Prävention muss mehrere Ebenen abdecken

Bitdefender erwartet, dass hybride Angriffe mit menschlichen Tätern und KI-Agenten künftig häufiger auftreten. Da dafür keine grundsätzlich neuen Angriffstechniken erforderlich sind, lässt sich das Vorgehen vergleichsweise einfach übernehmen. Unternehmen sollten ihre Schutzmaßnahmen deshalb nicht allein auf eine möglichst schnelle Reaktion auf erkannte Vorfälle ausrichten.

Zu den empfohlenen Maßnahmen gehört zunächst eine konsequente Trennung privilegierter Konten. Administrationszugänge sollten nicht domänenübergreifend verwendet werden. Auch Backups müssen als potenzielles Angriffsziel behandelt werden: Getrennte Sicherungen für einzelne Domänen, isolierte Backup-Server und unveränderliche Wiederherstellungskopien können verhindern, dass Angreifer sämtliche Sicherungen löschen.

Darüber hinaus sollten Fernzugriffe und administrative Funktionen wie WMI, Remote Registry, geplante Aufgaben und ADMIN$-Freigaben auf bekannte und verwaltete Systeme beschränkt werden. Shells und Interpreter wie PowerShell oder Python sollten auf Arbeitsplatzrechnern blockiert werden, wenn sie dort nicht benötigt werden. Für jedes Gerät empfiehlt Bitdefender außerdem einen eigenen Endpoint-Agenten.

Der Vorfall verdeutlicht, dass KI die Arbeit von Ransomware-Akteuren nicht zwingend durch neue Angriffsmethoden verändert. Schon die Automatisierung wiederkehrender Schritte kann bestehende Angriffsketten beschleunigen und den Druck auf die Verteidigung erhöhen.

(red/Bitdefender)

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