Digitale Souveränität

Exit-Strategien brauchen Automatisierung

Automatisierung ist nicht nur ein Effizienztreiber, sondern auch ein entscheidender Baustein für digitale Souveränität – unter anderem, weil sie den Austausch von Tools und Plattformen erleichtert.

Exit-Strategien brauchen Automatisierung

Digitale Souveränität ist ein derzeit heiß diskutiertes Thema, wobei oft mögliche Einschränkungen beim Zugang zu Cloud-Services im Fokus stehen. Doch auch in anderen Bereichen sind Abhängigkeiten schlecht, weil Unternehmen wenig Handlungsoptionen haben, wenn Anbieter von Hardware oder Software beispielsweise wichtige Features abkündigen, Preise erhöhen oder Lizenzbedingungen ändern. In solchen Fällen benötigen Unternehmen alternative Angebote, auf die sie schnell und reibungslos wechseln können. Schließlich geht es bei digitaler Souveränität nicht darum, völlig autark zu werden und alles selbst zu entwickeln und zu betreiben – das ist praktisch unmöglich. Aber ein Anbieterwechsel sollte immer machbar sein und bereits bei der Auswahl von Systemen, Plattformen und Tools mitgedacht werden.

Eine Risikoanalyse klärt, welcher Grad an digitaler Souveränität für einen Geschäftsprozess beziehungsweise Anwendungsfall notwendig ist und wo sich kleinere Abhängigkeiten hinnehmen lassen. Daraus ergeben sich dann klare Anforderungen an die einzusetzenden Lösungen, wobei Open-Source-Projekte mit einer regen Community, die auf offene Standards und Schnittstellen setzen, die größte Unabhängigkeit und die meisten Freiheiten bieten. Hier besteht nicht die Gefahr, dass ein einzelner Anbieter spontan den Stecker zieht; zudem kann der Code im Zweifelsfall angepasst werden und die eigenen Daten sind jederzeit exportierbar. Allerdings sind proprietäre Lösungen nicht per se tabu, solange sie mit offenen, standardisierten Schnittstellen sicherstellen, dass Unternehmen an ihre Daten kommen – das Risiko eines Lock-ins also überschaubar bleibt.

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Ein wichtiger Baustein beim Wechsel von Anbietern und Lösungen ist Automatisierung. Sie wird von Unternehmen bislang vornehmlich als Effizienztreiber gesehen, hilft aber – richtig aufgesetzt – auch dabei, verschiedene System-, Plattform-, Cloud- und Tool-Welten unter einen Hut zu bringen und damit Exit-Szenarien planbar und kontrollierbar zu gestalten. Wer Workloads problemlos zwischen Betriebssystemen, Hypervisoren, Hyperscalern und dem eigenen Rechenzentrum migrieren kann, gewinnt nämlich nicht nur im Alltag an Flexibilität, sondern auch für den Fall, dass Anbieter und Lösungen wegbrechen.

Natürlich darf die Automatisierungslösung nicht an einzelne Systeme oder Plattformen gebunden sein – gebraucht werden offene Werkzeuge, die Schnittstellen bieten und integrationsfreudig sind. Zudem sollten sie deklarative Ansätze unterstützen, sprich: die notwendigen Schritte zum Erreichen eines vorgegebenen Zielzustands selbstständig ermitteln und ausführen, statt einer exakt festgelegten Abfolge von Befehlen zu folgen.

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Dann können einzelne Komponenten – darunter auch Backup- oder Monitoring-Tools – leicht ausgetauscht werden, ohne dass sich die Workflows und Automatisierungen stark verändern. Zudem lassen sich Datenexporte und andere Exit-Maßnahmen vorab gut testen, ohne dass dafür viel Personal gebunden ist. Durch diese regelmäßigen Tests ist auch sichergestellt, dass die Exit-Strategie funktioniert, falls kurzfristige Entscheidungen die Umsetzung erfordern.

Offene Automatisierungswerkzeuge wie Ansible bieten Transparenz, denn die Playbooks sind überprüfbar und versionierbar, um Probleme besser identifizieren und jederzeit zu einem früheren, problemlos funktionierenden Zustand zurückkehren zu können. Der modulare Aufbau der Automatisierungen erlaubt es darüber hinaus, einzelne Komponenten wiederzuverwenden oder auszutauschen, denn auch bei der Automatisierung selbst braucht es Exit-Strategien.

In Ansible wird wiederverwendbarer Code in Rollen implementiert. Rollen können zum Beispiel eine Instanz in verschiedenen Hyperscalern anlegen, ändern oder löschen. Weitere sind für die Installation und Konfiguration des Backups zuständig, während zusätzliche Rollen alle notwendigen Funktionen des Monitorings implementieren. Damit werden nicht nur häufig genutzte Bausteine modularisiert, sondern auch Low-Level-Funktionen abstrahiert. So könnte die Instanz-Rolle verschiedene Hyperscaler wie Amazon, Azure oder Google parallel unterstützen, wodurch dem Nutzer viel Detailarbeit erspart bleibt. Neue Hyperscaler können dann leicht der Rolle hinzugefügt oder nicht länger erwünschte Anbieter eingeschränkt oder entfernt werden.

Um die Arbeit mit Rollen zu vereinfachen, wurde ein einheitliches Paketformat in Form von Collections eingeführt. Diese fügen lange vermisste Features wie Code-Signaturen, Versionierung und Metadaten hinzu und erleichtern sodie Nutzung, Verteilung und Pflege von Ansible-Rollen, -Modulen, -Plug-ins und vielem mehr.

Darauf aufsetzend erlaubt Red Hat Ansible Automation Platform das Erstellen von Workflows, mit deren Hilfe Ende-zu-Ende-Prozesse automatisiert werden können. Ein typisches Beispiel ist das Bereitstellen eines IT-Dienstes, der aus vielen modularen Schritten besteht. Nach dem Erstellen einer Instanz bei einem Cloud-Provider des Vertrauens wird unter anderem automatisch eine freie IP-Adresse reserviert, ein DNS-Eintrag erstellt, die Grundkonfiguration des Betriebssystems durchgeführt, das Backup eingerichtet und das Monitoring aktiviert.

Der Blick auf die Automatisierung und die Workflows zeigt bereits, dass digitale Souveränität nicht allein eine Frage der Technologie ist – auch die Prozesse und die Menschen spielen eine nicht zu unterschätzende Rolle. Die Prozesse sollten, wie die IT-Umgebung insgesamt, möglichst einfach gehalten sein. Das Motto „Keep it simple“ erleichtert das Tagesgeschäft, also Deployment und Betrieb, und das unabhängig vom Automatisierungsgrad. Es erleichtert aber auch die Außerdienststellung von Lösungen und Services am Ende ihres Lebenszyklus und den Wechsel auf neue Angebote. Eben genau das, was Unabhängigkeit und digitale Souveränität ausmacht.

Die Mitarbeitenden wiederum benötigen ein einheitliches Bild davon, was digitale Souveränität für das Unternehmen bedeutet und wie sie umgesetzt werden soll. Ohne ein gemeinsames Verständnis, welche Abhängigkeiten vermieden werden sollen und welche akzeptabel sind und welche Daten und Prozesse jederzeit übertragbar sein müssen, geht es nicht. Eine offene Kommunikation und Mut zum Diskurs sind hierbei ebenso unerlässlich wie ein umfassendes Enablement und Freiräume für Experimente – etwa zum Ausprobieren neuer Tools, zum Testen neuer Abläufe und zum Kennenlernen verschiedener Automatisierungsansätze. Erst dann können Mitarbeitende die IT-Umgebung so aufbauen, dass sich einzelne Technologien und Komponenten bei Bedarf ersetzen lassen.

Dabei gilt es zu beachten, dass allen drei Dimensionen – Menschen, Prozesse und Technologie – die gleiche Priorität zugewiesen werden muss. Wer nur einen oder zwei der genannten Bereiche priorisiert, wird keine erfolgreiche Strategie zur digitalen Souveränität umsetzen können. Ohne motivierte, gut ausgebildete Mitarbeitende, die das gleiche Ziel verfolgen, ohne moderne Prozesse, die Automatisierung erleichtern und nicht verhindern, und ohne die richtigen Werkzeuge, die wie Ansible die Zusammenarbeit vereinfachen, flexibel einsetzbar sind und offenen Standards sowie Open-Source-Prinzipien folgen, werden die gewünschten Ergebnisse nicht erreichbar sein.

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