Die SAP-Tochter Delos Cloud betreibt ihre souveräne Azure- und Office-365-Plattform für die deutsche Verwaltung jetzt in Eigenregie. Microsoft soll nur noch kontrolliert und protokolliert zugreifen dürfen.
SAP-Tochter Delos übernimmt Betrieb von Microsoft

Die Delos Cloud GmbH meldet drei Fortschritte auf dem Weg zur sogenannten souveränen Cloud für Behörden. Wie das in Walldorf ansässige Unternehmen mitteilt, hat es im Oktober 2026 den operativen Betrieb seiner Cloud-Plattform vollständig von Microsoft übernommen. Gleichzeitig seien technische Kontrollen aktiviert worden, die den Zugriff des Technologielieferanten einschränken. Außerdem hat Delos die erste Sicherheitszertifizierung nach ISO/IEC 27001 erhalten.
Delos Cloud wurde von SAP gegründet und soll Bund, Ländern und Kommunen Microsoft-Dienste wie Azure und Office 365 bereitstellen. Betrieben werden sie allerdings nicht von Microsoft selbst, sondern von einer deutschen Gesellschaft in Rechenzentren in Deutschland. Die Plattform gilt als ein Baustein der Deutschen Verwaltungscloud-Strategie (DVS).
Betrieb liegt nun allein bei Delos
Laut Delos liegt der Betrieb der Azure- und Office-365-Dienste sowie der zugehörigen Rechenzentren nun ausschließlich bei der deutschen Betreibergesellschaft. Microsoft hatte beim Aufbau der Plattform unterstützt. Daten und Betrieb sollen in Deutschland verbleiben, die Kontrolle liegt bei Delos und dessen Personal vor Ort.
„Mit der vollständigen Übernahme des Betriebs von unserem Technologielieferant Microsoft liegen Betrieb, Sicherheit und Zugriffskontrollen nun ausschließlich bei Delos Cloud und damit in deutschen Händen“
Delos-Geschäftsführer Nikolaus Hagl
„Kein Zugriff“ mit Einschränkungen
Parallel dazu hat Delos nach eigenen Angaben technische Souveränitätskontrollen aktiviert. Sämtliche Zugriffe auf die Plattform müssen demnach von Delos genehmigt werden und werden überwacht. Die Kontrollen sollen technisch durchgesetzt und nicht nur organisatorisch vereinbart sein.
Interessant ist dabei die Formulierung: Einerseits heißt es in der Mitteilung, Microsoft habe keinen Zugriff mehr auf die Plattform. Andererseits schreibt Delos, jeder Zugriff seitens Microsoft werde kontrolliert, begleitet und lückenlos protokolliert. Ganz ausgeschlossen ist ein Zugriff des US-Konzerns also offenbar nicht. Er ist an die Freigabe durch Delos gebunden. Das dürfte etwa für Support-Fälle relevant sein, bei denen Microsoft-Entwickler Fehler im eigenen Software-Stack analysieren müssen.
Offen lässt die Mitteilung zudem, wie Updates und Patches für die Microsoft-Software auf die Plattform gelangen und wie Delos diese prüft. Die Software selbst stammt weiterhin vollständig von Microsoft.
Microsoft-Deutschland-Chefin Agnes Heftberger bezeichnete die Aufteilung (Microsoft liefert die Technologie, Delos betreibt die Plattform) derweil als für die öffentliche Verwaltung in dieser Form einzigartig.
ISO 27001 als erster Nachweis
Als dritten Meilenstein nennt Delos die Zertifizierung seines Informationssicherheits-Managementsystems (ISMS) nach ISO/IEC 27001. Ebenfalls zertifiziert wurde der Betrieb der Delos Cloud Direct Connection, einer physischen Direktanbindung, über die Behörden vom öffentlichen Internet isoliert auf die Plattform zugreifen können. Zertifiziert hat der TÜV Nord.
Die Norm bescheinigt im Wesentlichen, dass ein Unternehmen Prozesse zur Identifikation und Behandlung von Sicherheitsrisiken etabliert hat. Für den Einsatz in der deutschen Verwaltung entscheidender sind die Nachweise, die noch ausstehen: In den kommenden Monaten will Delos das C5-Testat des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) nach Typ 1 und Typ 2 sowie eine ISO-27001-Zertifizierung auf Basis von IT-Grundschutz erreichen.
Start Anfang 2027 geplant
Verfügbar sein sollen die souveränen Dienste für die Verwaltung Anfang 2027. Wie stark Bund und Länder die Plattform dann tatsächlich nutzen, ist noch offen. Unter den Bundesländern ist die Haltung zur Delos Cloud uneinheitlich; das Thema beschäftigte unter anderem den IT-Planungsrat. Kritiker hatten wiederholt bemängelt, dass eine auf Microsoft-Technik basierende Lösung die Abhängigkeit der Verwaltung von einem einzelnen US-Anbieter eher festige als verringere, auch wenn der Betrieb in deutscher Hand liegt.
(red)




