Berlin, Bremen, Hamburg, Hessen, NRW und Rheinland-Pfalz schließen einen Rahmenvertrag über bis zu 67,5 Millionen Euro. IONOS betreibt die Infrastruktur.
Sechs Bundesländer setzen auf Nextcloud-Plattform für Schulen

Sechs Bundesländer wollen ihren Schulen eine gemeinsame digitale Arbeitsplattform zur Verfügung stellen, die ohne Software von Microsoft oder Google auskommt. Berlin, Bremen, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz haben dafür einen Rahmenvertrag für eine Open-Source-Bildungsplattform geschlossen. Bekannt wurde die Vereinbarung am Rande des Digital-Gipfels der Bundesregierung in Berlin.
Nextcloud und IONOS
Technische Grundlage ist die Software des Stuttgarter Unternehmens Nextcloud. Die Infrastruktur stellt der Hosting-Anbieter IONOS bereit, der den Zuschlag für Aufbau und Betrieb der Lösung zum Austausch von Dateien und zur Zusammenarbeit erhielt. Das Vorhaben trägt die Bezeichnung KoDaS und ist Teil der Pädagogischen Cloud-Infrastruktur (PCI). Die Plattform soll Schulen unter anderem Dateiaustausch, Chat, Videokonferenzen, E-Mail, Kalender und Office-Anwendungen bieten.
Vergeben hat den Rahmenvertrag über vier Jahre die Genossenschaft govdigital eG, ein Zusammenschluss öffentlicher IT-Dienstleister, im Rahmen einer öffentlichen Ausschreibung. Das Volumen beträgt laut Berichten maximal 67,5 Millionen Euro. Durch die Beschaffung über die Genossenschaft können die beteiligten Länder die Dienste beziehen, ohne eigene Ausschreibungen durchführen zu müssen. Weitere Länder könnten sich später anschließen.
Schleswig-Holstein als Vorreiter
Mit dem Projekt wollen die sechs Länder ihre Abhängigkeit von großen US-Technologiekonzernen verringern. Langfristig soll die Plattform auch als Vorbild für den übrigen öffentlichen Dienst und die Privatwirtschaft dienen. Schleswig-Holstein ist nicht beteiligt, da das Land bereits seit rund zwei Jahren eigenständig auf Nextcloud setzt und seine Verwaltung schrittweise auf Open-Source-Software umstellt.
Die Debatte um digitale Souveränität hat zuletzt an Schärfe gewonnen. Laut einer aktuellen Bitkom-Umfrage würden 96 Prozent der Unternehmen in Deutschland bevorzugt KI-Anwendungen deutscher Anbieter nutzen, 59 Prozent sehen die USA nicht als verlässlichen Partner. Zugleich wurde bekannt, dass die deutschen Nachrichtendienste für den Austausch geheimer Daten eine Cloud auf Basis von Technik von Google planen. Der Internationale Strafgerichtshof war nach US-Sanktionen auf die europäische Bürosoftware openDesk umgestiegen.
(red)




