Laut Cisco Talos schickt die Schadsoftware gestohlene Daten über OpenRouter an Claude, Kimi oder Gemini. Danach löscht sie sich selbst.
Infostealer VOLTA lässt KI den Wert von Opfern einschätzen

Die Forschungsabteilung Talos von Cisco hat eine Windows-Schadsoftware analysiert, die gestohlene Daten an kommerzielle KI-Modelle schickt, um den Wert eines Opfers einschätzen zu lassen. Der Infostealer bezeichnet sich selbst als VOLTA-AUTODOXER. Talos-Forscher Ryan Fetterman hat sie beschrieben. Wie viele Rechner infiziert sind, ist nicht bekannt.
Breites Spektrum gestohlener Daten
VOLTA greift laut Talos gespeicherte Passwörter und Cookies aus Chromium-basierten Browsern ab, außerdem Zahlungskartendaten, Wiederherstellungsphrasen von Krypto-Wallets, Daten aus Outlook-Profilen und Slack-Arbeitsbereichen sowie Sitzungstokens für Discord, Telegram, Steam und Roblox. Hinzu kommen Microsoft-OAuth-Tokens, SSH- und Cloud-Schlüssel, WLAN-Profile und Screenshots. Auch Bestellverläufe von Lieferdiensten werden ausgelesen. Mit gestohlenen Sitzungen sammelt die Schadsoftware zusätzliche Informationen, etwa über ein Discord-Token für das Nutzerprofil.
KI-Modell soll Opfer bewerten
Die gesammelten Daten fasst VOLTA lokal in einer Datei namens Identity_Report.txt zusammen und schickt sie über den Dienst OpenRouter, der Zugang zu zahlreichen KI-Modellen bietet, an ein Sprachmodell. Standardmäßig ist Claude Opus 4.6 von Anthropic eingestellt, ein älteres Modell aus dem Februar 2026. Lehnt das Modell die Anfrage ab, weicht VOLTA auf Kimi K2 und Gemini 2.5 Flash aus.
Das Modell soll eine Bewertung erstellen, die die Vermögenswerte des Opfers nach ihrem Wert für eine Geldbeschaffung ordnet und seine Sicherheitsgewohnheiten beurteilt. Jede Aussage soll mit Belegen aus den gestohlenen Daten untermauert werden. Zudem fordert der Prompt das Modell laut Talos auf, Verbindungen herzustellen, etwa zwischen Namen, Adressen oder Universitäten und Mustern in den Passwörtern einer Person. Das gehe über eine Zusammenfassung hinaus. Hinterlegt der Käufer einer Version keinen Schlüssel für OpenRouter, überspringt VOLTA diesen Schritt und schickt die Rohdaten über Telegram.
Nur Spuren auf dem Endgerät
Nach der Ausführung kann sich die Hauptdatei selbst löschen. Da VOLTA ausschließlich Dienste Dritter nutzt und keine eigenen Server der Angreifer, gibt es keine zentrale Infrastruktur, über die sich Opfer zählen oder der Angriff stoppen ließe. Verteidiger sind laut Talos vor allem auf Dateien und Verhaltensmuster auf dem Endgerät angewiesen. Erhalten bleibt eine Protokolldatei namens volta_debug.txt, die zeigt, welche Daten gesammelt wurden und ob die Anfrage an das KI-Modell erfolgreich war. Betroffene sollten diese Datei sichern, bevor sie das System bereinigen, und anschließend alle Passwörter, Sitzungen und Schlüssel austauschen.
(red)




