Öffnet in einem neuen Tab
Professionelle Vertriebsstrukturen

Schutz ausgehebelt? Ein Drittel der DDoS-Dienste verspricht genau das

Cyberkriminelle vermarkten DDoS-Angriffe zunehmend wie kommerzielle Dienstleistungen.

Schutz ausgehebelt? Ein Drittel der DDoS-Dienste verspricht genau das

Eine Analyse von Kaspersky zeigt, dass Anbieter mit Leistungskennzahlen, öffentlichen Ranglisten und zusätzlichen Angeboten um Kunden konkurrieren und ihre Angriffswerkzeuge gezielt weiterentwickeln.

Angriffe als buchbare Dienstleistung

Über Webseiten und Telegram-Bots können Interessenten inzwischen verschiedene Angriffsmethoden und technische Infrastrukturen auswählen und Attacken starten. Anschließend lassen sich die Ergebnisse anhand konkreter Kennzahlen bewerten, etwa anhand der Anfragen pro Sekunde oder der übertragenen Datenmenge.

Einige Anbieter veröffentlichen diese Leistungswerte in Ranglisten. Sie dienen nicht nur als Nachweis der technischen Fähigkeiten, sondern auch als Werbemittel gegenüber potenziellen Kunden. In einzelnen Communities werden sogar Preise für Akteure ausgelobt, die sechs Monate lang einen Spitzenplatz halten.

Anzeige

Zusätzliche Angebote und Konkurrenzdruck

Das Geschäftsmodell beschränkt sich längst nicht mehr auf DDoS-Angriffe. Laut Kaspersky werben 43 Prozent der untersuchten Anbieter in einschlägigen Foren zusätzlich für andere Dienstleistungen. Dazu zählen der Verkauf von Angriffswerkzeugen, die Vermietung von Serverinfrastruktur sowie Beratungsangebote und Schulungen.

Der Wettbewerb führt offenbar auch zu einer stärkeren technischen Spezialisierung. Anbieter entwickeln eigene Angriffsmethoden, um sich von Konkurrenten abzuheben und bestehende Schutzmechanismen zu umgehen. 33 Prozent der analysierten Akteure behaupten ausdrücklich, entsprechende Schutzlösungen überwinden zu können. Insgesamt nennen sie 32 Anbieter von DDoS-Schutz für die Netzwerkebenen L4 und L7 sowie für Gaming-Server.

Professionalisierung erschwert die Abwehr

Für Sicherheitsverantwortliche bedeutet diese Entwicklung, dass nicht allein die technische Stärke einzelner Angriffe entscheidend ist. Auch die zunehmende Sichtbarkeit und Kommerzialisierung der Angebote verändert die Bedrohungslage.

João Pedro Brandão e Silva, Analyst bei Kaspersky Digital Footprint Intelligence, beschreibt die Entwicklung als Annäherung an klassische Branchenstrukturen: „Für die Verteidiger geht die Herausforderung über das reine Angriffsvolumen hinaus, da die zunehmende Kommerzialisierung und öffentliche Sichtbarkeit der Angriffsmöglichkeiten an Bedeutung gewinnen. Besonders auffällig ist, wie stark dieses Ökosystem mittlerweile einer herkömmlichen Branche ähnelt: DDoS-Akteure konkurrieren um Kunden, differenzieren ihre Dienstleistungen und nutzen öffentliche Ranglisten sowie Leistungsübersichten, um ihre Ergebnisse zu belegen.“

Anzeige

Angriffsflächen und Bedrohungen frühzeitig erkennen

Kaspersky empfiehlt Unternehmen, ihre digitalen Angriffsflächen kontinuierlich zu überwachen und Hinweise auf geplante oder angebotene Angriffe auch im Surface Web, Deep Web und Dark Web zu berücksichtigen. Ergänzend sollten aktuelle Bedrohungsinformationen in die Sicherheitsstrategie einfließen.

Weitere Maßnahmen sind regelmäßige Schulungen von Mitarbeitenden sowie eine kontinuierliche Überwachung der IT-Umgebung. Professionelle Angriffserkennung und eine schnelle Reaktion auf verdächtige Aktivitäten können dazu beitragen, Risiken frühzeitig zu identifizieren und die Auswirkungen von DDoS-Attacken zu begrenzen.

(red/Kaspersky)

Anzeige